Tödlicher Reitunfall beim Springreiten in Bergisch Gladbach am 18. August 2019 – War es ein Aortaabriss?

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Wollen Sie lieber ein einfach oder ein doppelt gebrochenes Gebiss? © 2019, Foto/BU: Bernd Paschel

Frankfurt am Main, Deutschland (Weltexpress). Reiten ist für Pferde und Menschen ein gefährliches Abenteuer. Das wissen Reiter besser als Fußgänger, weil sie tagtäglich erleben, wie schnell es passieren kann, dass ein Reiter die Kontrolle über sein Pferd verlieren kann.

Wenn ein spektakulärer Unfall geschieht wie bei den Bergisch Classics, bei dem das Pferd stirbt und der Reiter mit Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen wird, erfolgt gleich eine vorläufige Diagnose zum Pferd durch den anwesenden Turnierarzt. Meist wird nach kurzer Sichtprobe genannt „Aortaabriss“ oder „plötzlicher Herztod“.

Das suggeriert, dass der Unfall durch „höhere Gewalt“ verursacht wurde und führt dazu, dass Reiter wie Zuschauer den Umständen gemäß beruhigt sind. Im Kölner Stadtanzeiger ist eine Überschrift zu lesen; Schirmherr Wolfgang Bosbach mit Familie bei den Classics, dazu Zitat Bosbach; „Ich bin begeistert über den hohen Zuspruch und wie Sie heute Abend sehen, ein unglaublich treues Publikum, auch wenn es im Moment regnet. Die Tribünen sind bestens besucht.“ Dieser wohlformulierte Kommentar erfolgte noch vor dem Unfall, der zum Abbruch des Turnieres führte.

War es wirklich ein Aortaabriss, der zum Unfall führte?

Vermutet wird, dass hinter dem Unfall eine Überforderung des Pferdes stand.

Tatsache ist, dass meist die wahre Todesursache im Dunkel bleiben wird, solange das Pferd nicht obduziert wird. Das ist auch gut so, weil man will, dass der Reiter/Besitzer, der Veranstalter oder die Reiterliche Vereinigung eine reine Weste behalten. Wir warten deshalb auch auf den pathologischen Befund, der wahrscheinlich nicht kommen wird.

Dieser Mythos der angeblichen Pferdefreunde beginnt deutlich zu wanken

Schwere Unfälle mit Pferden gibt es häufiger, als man als Laie denkt, in den reiterlichen Disziplinen Springen, Dressur, Vielseitigkeit und Kutschenfahren. Über diese Unfälle findet man nur wenige Statistiken. Im spektakulären Einzelfall wie bei „Totilas“ wurde breit über den Missbrauch berichtert, der Missbrauch in weniger spektakulären Fällen und publikumswirksamen Reitdisziplinen hört man selten, wie z. B. Kutschenfahren.

In der letzten Disziplin wurden allein in Deutschland im Jahr 2018 über 40 schwere Unfälle registriert und aufgelistet. Das ist auf dem Hintergrund der Gefahren, die von den Kutschen beim Karneval zum Einsatz kommen, vollkommen absurd, wenn man die Erklärungen liest, die von Seiten der Polizeiführung gegeben werden zur öffentlichen Gefahrenabwehr, wo gesagt wird, dass die Pferde beim Karneval einer Gelassenheitsprüfung der Reiterlichen Vereinigung (FN) unterzogen werden. Dazu empfehlen wir auch unseren „Offenen Brief“ an den Innenminister von NRW.

Die Unfälle, die beim Freizeitreiten auftreten, sind erheblich und noch schwieriger statistisch zu erfassen. Zurück zur ursprünglichen Frage:

Welche menschengemachte Ursachen können zu Pferdeunfällen führen?

Überlastung kann viele Ursachen haben. Wie bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall beim Menschen ist anzunehmen, dass es Risikofaktoren und Symptome gibt, die einfach negiert oder übergangen werden. Vorschädigungen treten auf, wie bei Dr. Heuschmann, Dr. Strasser, Dr. Pick, Prof. Meyer, Prof. Cook u. a. nachzulesen ist:

  • Doping in all seinen Facetten ist bekanntlich erheblich mit einer Dunkelziffer versehen. Wie in den Menschen-Sportarten ist dabei der ursächliche Zusammenhang oft nur indirekt herzustellen, z. B. dadurch, dass der Betroffene nach dem Unfall einer gründlichen gezielten teuren Untersuchung unterzogen würde..
  • Trainingsmethoden des Pferdes, die mit körperlicher Gewalt und hohem Stressanteil für das Pferd durchgeführt werden, um es gefügig zu machen, wie Reiten mit Schlauzügeln, Rollkur und extensives Reiten in der Hyperflexion, Barren, Elektroschocks, Gewichte an den Hufen und andere. Diese sind z. T. verboten, werden aber hinter verschlossenen Türen fleißig weiter betrieben. Sie sind nur Insidern bekannt und fallen nur selten auf wie im Falle der Dressurreiterin Christine Wels, als sie 2015 tödlich von ihrem Pferd getreten wurde. Es sind alles Methoden, die geeignet sind, das Pferd, sollte es sich in sein Schicksal ergeben, zu motivieren, seine autonome Reserve zu mobilisieren, die eigentlich für das Überleben in Todesgefahr vorgesehen ist.
  • Höchstleistungstraining von jungen Pferden (Kinderarbeit!), die zu gravierenden gesundheitlichen Schäden führt, weil das Pferd noch im Wachstum begriffen ist. Dies kommt in allen Disziplinen vor, besonders aber im Rennsport, wo schon im zweiten Lebensjahr ein Höchstleistungstraining stattfindet und eine knallharte Auslese erfolgt.
  • Artfremde Haltung und Fütterung, sowie Hufbeschlag, der zu Zwanghufen führt und die Durchblutung des Hufes vereitelt mit der Folge von Gelenksproblemen und organischen Krankheiten,
  • Gebiss und Kandare, sowie weitere Mittel wie z. B. der Zungenriemen (Zungenstrecker) können fatale Auswirkungen haben, die anscheinend im Sportreiten und Rennsport ignoriert werden. Zu diesem Thema ist der neueste Artikel von Prof. Robert Cook zu empfehlen, wo er sich besonders mit den Todesfällen im Rennsport auseinandersetzt. Gerade hinter den spektakulären Todesfällen mit der schnellen Diagnose Aortaabriss und plötzlicher Herztod kommt bei genauer Untersuchung der Ursache heraus, dass vermutlich überwiegend ein gebissinduziertes Ersticken vorliegt, das durch den Konflikt von Atmen und Schlucken erzeugt wird. eigentlich kann das Pferd von seiner Anatomie her nur Atmen oder Schlucken. Extreme körperliche Belastung und ein ständiger Schluckreiz durch das Gebiss verursacht, erzeugen anscheinend diesen Konflikt. Die Eisenstange im Maul des Pferdes regt das Pferd zu vermehrter Speichelproduktion und zum Hochziehen der Zunge an und kann unter großer Atemnot, wie sie im Sport oft auftritt, zu einem Ersticken am eigenen Speichel führen. Professor Cook prophezeit, dass der „Plötzliche Herztod“ beim Pferderennen verschwinden würde ohne Gebiss. – So sicher ist er sich.  

„In racing, the prevalence of pain-induced behavior, soft palate suffocation, ding’ from the lungs, catastrophic breakdowns, and sudden death will, I predict, decline.“

Schematische Darstellung der Weichen, die zum Atmen oder Schlucken im Hals eines Pferdes stattfinden müssen. Ein Pferd kann nicht gleichzeitig kräftig fressen und trainieren. Leider ist das genau der Konflikt, den ein Gebiss erzeugt. Etwas stimuliert die Verdauungsreflexe beim Training, wenn ausschließlich Atemreflexe erforderlich sind. Einfach ausgedrückt: Der weiche Gaumen muss sich zum Atmen in der unteren Position und zum Schlucken in der oberen Position befinden. In der oberen Position ist es eine der Funktionen, die beiden hinteren Nasenlöcher zu schließen, um zu verhindern, dass beim Schlucken Nahrung in die Nasenhöhle zurückfließt. Wenn jedoch die hinteren Nasenlöcher bei der Übung teilweise oder vollständig geschlossen werden, erstickt ein Pferd. Zur Verdeutlichung der Veränderungen ist der Verdauungstrakt schematisch in einem ‚erweiterten‘ Format dargestellt. Physiologisch ist es kein luftgefüllter Raum. Tatsächlich ist der Oropharynx außer beim Schlucken ein geschlossener Raum. © Robert Cook

Es gibt Pferdefreunde und „Pferdefreunde“

Als ich mit dem Reiten 1969 begann, gab es viele Erkenntnisse noch nicht. Sie hätten mich vielleicht auch damals nicht interessiert, da ich als Leistungssportler auf Erfolg getrimmt war.

Professor Cook hat seit den 90-er Jahren intensiv am Pferdekopf geforscht. Seine Erkenntnisse wurden schon 2001 in Deutschland publiziert.

Da stellt sich die Frage: „Warum werden seine wissenschaftlichen Ausführungen von bestimmten Pferdemenschen negiert seit Jahren. Jetzt mit 90 Jahren ist er als emeritierter Professor der Tuffs-Universität in Massachusetts immer noch unterwegs in Sachen „Gebissfreies Reiten“ zum Wohle der Pferde.

Wo sind all die Reiter, die sich „Pferdefreunde“ nennen und nichts unternehmen, damit zumindest die „Gebisspflicht“ in der Wettkampfordnung abgeschafft wird.

Auch ich gebe zu – früher war nicht Alles besser!

  • früher habe ich gelegentlich Pferdefleisch gegessen – ohne darüber nachzudenken
  • früher bin ich mit Gebiss und Sporen geritten – ohne darüber nachzudenken
  • früher habe ich das Pferd als „Maschine“ benutzt – ohne darüber nachzudenken
  • früher habe ich mein Pferd eingedeckt – ohne darüber nachzudenken
  • früher war Boxenhaltung für mich normal – ohne darüber nachzudenken
  • früher habe ich Fleisch gegessen – ohne über Massentierhaltung nachzudenken
  • früher habe ich Plastiktüten benutzt – ohne darüber nachzudenken
  • früher habe ich mir wenig Gedanken zu Natur und Umwelt gemacht oder zum Aussterben von Tierarten und der Menschheit – heute verschließe ich davor nicht mehr meine Augen
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