Schlankes Bauen in Berlin

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© WELTEXPRESS, Foto: Maximilian Gwodzik

Zusätzlich haben sich Notwendigkeiten gehäuft, massiv Maßnahmen zur Gebäudeerhaltung und zur Verwaltung leerstehender Geschäftsbauten zu treffen, wie z.B. dem auch heute noch gebäudetechnisch größten Flughafengebäude der Welt in Berlin-Tempelhof oder demnächst dem geräumten Flughafen Berlin-Tegel.

Umbau und Umwidmung bzw. Leerstand von Fabrikgebäuden sind in Berlin "ins Auge springend": Borsig in Borsigwalde, Siemens in Siemensstadt, AEG am Hohenzollerndamm, Schultheiss in Kreuzberg, Berliner Kindl in der Rollbergstraße, Schwarzkopf in Schöneberg, Osram im Wedding, DWM in Reinickendorf, usw., usw.
Die Vielzahl baulicher Projekte ist konkurrierend – und damit gegenseitig behindernd, wenn die agierenden Ressourcen identisch oder teilweise identisch sind. Auch beste PERT-Netzplanung bringt Probleme mit sich, wenn keine Pufferkapazitäten, Pufferzeiten, Zusatzkosten eingeplant oder wenn diese zwar eingeplant aber nicht ernst genommen werden. Bei konkurrierenden Projekten müssen Prioritätsregeln gelten; die Realisierung muß schrittweise in Arbeitspaketen (drum-buffer-method) erfolgen.

Nach Goldratt und Womack gilt auf der Basis dieser Überlegung eine Projekt-Termintreue mit einer Rate von über 90 % als wissenschaftlich bewiesen. Diese fachlichen Möglichkeiten von "Constraint Management", "Chain Management" –  letztlich "Lean bzw. Schlankes Management" bieten Verbesserungen bestehender Abläufe in ungeahntem Ausmaß: statt des permanenten, diffusen parallele Baugeschehens könnten an vielen Stellen Baufortschritte sichtbar gemacht werden. Chaotisch erscheinende Planungen wie beim Bau des neuen deutschen Zentralflughafens in Berlin-Schönefeld würden in Bauabschnitte gegliederte Projekte aufweisen und durch diese Transparenz Baufortschritte oder -verzögerungen im Detail sichtbar machen.

Die Neuverwendung geleerter Geschäftsbauten ist in ähnlicher Form durch schlankes Management anzukurbeln: strukturierte Maßnahmepläne sind durch verantwortliche Ressourcen in definierten Zeiträumen zu budgetierten Kosten (Zero based Management) umzusetzen. Geführt von ebenso verantwortlichen Geschäftsführungen und Aufsichtsräten, die mit diesen Methoden vertraut sind.

Berlin ist seit der Wende eine einzige Baustelle – wenngleich auch vieles bereits fertig geworden ist; gleichzeitig werden immer mehr leerstehende Geschäftsbauten sichtbar; gleichzeitig geht die hohe Zahl der Arbeitslosen nicht zurück, sondern liegt im deutschen Vergleich – Berlin hat seit Jahren gleichbleibend eine Arbeitslosenrate von 12%, Bayern und Baden-Württemberg aber nur 4% – im Spitzenfeld: dieses Potential gilt es nutzbar zu machen, auch durch Anwendung moderner Methoden des Managements.

Murphy ("irgendetwas geht immer schief"), der naturgesetzmäßige Fehlschläge als unvermeidbar prophezeit, sollte da nicht abschreckend wirken. Schlankes Bauen als moderne Methode zur erfolgreichen Organisation und Bewältigung komplexer Planungsaufgaben sollte als Chance genutzt werden, die Misere der Baufehlplanungen und -abwicklungen auch in Berlin in den Griff zu bekommen. Ohne die bewährten Instrumentarien des "Werkzeugkoffers" der BPS-Bauplanung und Steuerung samt REFA zu vergessen, sondern unter deren Anwendung und Einbeziehung methodisch zu höherer Effizienz und Effektivität zu gelangen.

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