Molle mit Mampe oder Berlin: mittelmäßig und mittenmang – Zum sechsten Mal Hauptstadtlounge

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Voller Hinterhof zur sechsten Hauptstadtlounge im Hotel Berlin, Berlin am 15. Auust 2019. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Eine Hauptstadtlounge genannte Veranstaltung zog gestern Dutzende geladene Gäste, die sich lässig gaben, ins „Berlin, Berlin“ genannte Hotel an den Lützowplatz im Berliner Ortsteil Tiergarten und diese sich vorher leger an.

Vor Ort und in Farbe: Musik handgemacht. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Ole Bolle

Bis zum Garten mit Tieren, von denen die meisten eingesperrt im Zoo leben, ist es zwar weder einen Steinwurf weit weg noch einen Katzensprung, aber nicht wirklich fern, auch wenn der Lützowplatz vor der Hotelhaustür liegt und also näher dran und noch begrünt ist. Bäume säumen seinen Rasenplatz, auch wenn der weder englisch ist noch gut gepflegt wirkt. Bei genauerem Hinsehen ist der Platz wie so viele Berliner Plätze: voller Hundehaufen. Und die breiten Straßen drumherum sind voller Fahrzeuge, vom Feinstaub (Berliner Luft) ganz zu schweigen.

Selbst von einem halbwegs gehegt und gepflegten Park im Laubenpieperformat ist der Lützowplatz weiter entfernt als der Tiergarten vom Berlin-Berlin-Hotel. Die Hauptstadtlounge hingegen hatte Format, wenn auch keines erster Klasse, von Rang und mit Namen.

Augenschmaus und Gaumenfreude zur sechsten Hauptstadtlounge im Hotel Berlin, Berlin. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Ole Bolle

Das, was geboten wurde, war mehr mittelmäßig denn klasse und also wie das darbietende Hotel und die darbenden Künstler, die sich teil ambitioniert, teils genehm gaben und bei der sechster Auflage der Hauptstadtlounge unter dem angesagten Motto „Das ist Berlin – zwischen Hinterhof und Penthouse“ auftraten und zwar im Hinterhof. Der ist so charmant wie es die wenigsten Taxifahrer in Berlin schaffen zu sein. Immerhin brachten die Beteiligten und Besucher des Kleinkunstprogramms Kunterbunt ins garstige Grau eines abscheulichen Ambientes.

Alle machten bei mit Schmalz beschmierten Scheiben Brot, Klöpschen mit Kapern in Tunke, Kassler-Klötzchen auf Sauerkrautgelee, armen Rittern und kalten Hunden im Hauptstadthinterhof das Beste draus. Zu den Snacks genannten Häppchen gab es Molle mit Mampe. Dit is Berlin.

Unterhaltung auf der sechsten Hauptstadtlounge im Hotel Berlin,Berlin in Berlin. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Ole Bolle

Nicht nur „zwischen Hinterhof und Penthouse“, sondern von Anfang der Veranstaltung gegen 18.30 Uhr bis zum Ende gegen 23 Uhr wurde beim über Lautsprecher verstärkten gemütlichen Gerede ein Gewitter an Anglizismen gegeben. Ohne Englisch geht es offenbar nicht bei diesen Deutschen.

Ohne anglizistisches Kauderwelsch und Dünnbrett-Denglisch ging es weder beim selbstverschuldeten Studienabbrecher und selbsternannten Egomanen Sven Oswald, der moderierte, oder bei Jan-Patrick Kürger, dem General Manager genannten Hoteldirektor, der seine Gäste zur „Eventreihe“ mit netten Worten freundlich begrüßte, noch beim linguistikartistischen Fallobst vorm Mikrofon, das sich beim Gefallen im Allgemeinen sowie beim Bilden vollständiger Sätze im Besonderen – beispielsweise beim Talk genannten harmlosen wie harmonischen Frage-Antwort-Spielchen auf dem geistigen Niveau zwischen Pubertierenden und Postadoleszenten – sichtlich Mühe gab.

Molle mit Mampe für die Wampe zur sechsten Hauptstadtlounge im Hotel Berlin, Berlin am 15. August 2019. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Ole Bolle

Hamid Djadda, vorgestellt als Immobilien-Unternehmer, Bastienne Voss als Schauspielerin und Schriftstellerin, deren Werke sowohl vor der Kamera als auf Papier schlicht nicht zu empfehlen sind, Marcel Weber als Geschäftsführer des Schwuz Club und Beate Ernst als Vorstandsmitglied vom Wir-Berlin-Verein.

Unter ihnen ragte Martin Hikel, Bezirksbürgermeister von Neukölln, heraus. Der Soze hätte als langer Kerl in der Potsdamer Riesengarde des Soldatenkönigs sicherlich eine gute Figur abgegeben.

Dazu mischte DJ Hasan Musik. Vilte Sta sang und schlug die Gitarre. Die Göre aus Berlin gab eine Kostprobe ihres Könnens und zeigte, das Kunst von Können kommt. Perlen vor die Säue, auch dit is Berlin. Konrad Küchenmeister trat auf und der Gero beziehungsweise IMB Brunnen genannte Gernot Hilliger saß und zeichnete komisch. Das volle Programm war ausgewogen, abwechslungsreich und amüsant.

Dit is Berlin: mittelmäßig und mittenmang!

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