Lieber für einen Komiker stimmen als den Schokoladenkönig wählen? – Poroschenko und Selenskyj vor Stichwahl in der Ukraine am Sonntag

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Ein Blick auf das Olympiastadion in Kiew. Quelle: Pixabay, Foto: Jens Hummelmose

Kiew, Ukraine; Berlin, Deutschland (Weltexpress). Die meisten Ukrainer, die wählen dürfen und wählen wollen, haben die Schnauze von Petro Poroschenko gestrichen voll. Seine Versprechungen waren leer, seine Visionen blind. Klüngel und Korruption gingen unter dem Schokoladenkönig, der am 7. Juni 2014 Präsident wurde, weiter.

Und Schokoladenkönig ist noch eine Verharmlosung. Poroschenko steckt seine Finger nicht nur in Schokolade (offiziell gehört sein Schokoladenkonzern Roschen mittlerweile anderen), er hält seine Hände auch in den Automobil- und Schiffbau, um Geld zu gewinnen. Der Milliardär ist ein Oligarch, der auch am Krieg gegen Russen verdient. Er zieht aus der Rüstung Rendite, er manipuliert und profitiert auch TV-Sender.

Viele sehen in Poroschenko jemanden, der die Völker der Ukraine belügt und betrügt, vor allem Russen, aber auch Bulgaren und Magyaren sowie Polen, Rumänen, Armenier und Tataren, sogar Juden. Der Frust ist so fulminant, dass sie sogar einen Komiker wählen würden. Der Komiker hört auf den Namen Wolodymyr Selenskyj und ansonsten auf seinen Oligarchen, darunter vor allem Ihor Kolomojskyj. Dazwischen ist jedoch mit Dmytro Rasumkow sein Denker und Lenker geschaltet.

Der Wahlkampf von Selenskyj ist ein Witz. Niemand weiß, wer er ist und was er will, alle kennen nur seine Schauspielkunst als Clown, der Sätze sagt wie diesen: „Poroschenko versprach bei seiner Wahl einen Kurs von 13 Hrywna pro Dollar. Jetzt kostet der Dollar 26 Hrywna. Wie kann man nicht für jemanden stimmen, der seine Versprechen doppelt erfüllt hat?“

Für das Niveau der ukrainischen Wähler ist das mehr als genug. Die Ukrainer sind nicht nur politisch und ökonomisch rückständig, sondern auch kulturell. Ausnahmen bestätigen die Regeln, die vor allem für das Volk auf dem Land gilt. Die Eliten der Ukrainer in den Städten ist im Grunde armselig. Oligarchen beherrschen die Leute, ihnen gehört das Land, vor allem die Städte.

Die Stimmung ist dermaßen im Eimer, dass Millionen auf den Komiker reinfallen, der mit seiner Kunst ein Gefühl wir gegen die, Volk gegen Klüngel und Korruption, Arbeiter gegen Oligarchen erzeugt. In der Ukraine reicht das, vor allem wenn man weiß, dass die Mehrheit sogar einen Goldfisch wählen würde, nur um vom korrupten Oligarchen Poroschenko als Oberbefehlshaber, der sein Vermögen während seiner Amtszeit als Kriegspräsident gewaltig zu mehren verstand, loszuwerden.

Die „Rating-Group“ ermittelte zwischen dem 12. und 16.4.2019 die Wahlabsichten. 3.000 Personen wurden befragt. Die Fehlerquote wird mit bis zu 1,8 Prozentpunkte angegeben. Demnach haben sich 73 Prozent für den beliebten Komiker und 27 Prozent für den gehassten Schokoladenkönig entschieden.

Offensichtlich hat Poroschenko keine Chancen mehr, die Stichwahl am kommenden Sonntag zu gewinnen. Daran wird die heutige Debatte zwischen den Kandidaten, die heute im Olympiastadion in Kiew geplant ist, nichts mehr ändern.

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