Berlin, Deutschland (Weltexpress). Die Berliner Luft weht in Köpenick besonders kräftig. Davon konnten sich 74 667 Zuschauer im Olympiastadion überzeugen, als Genki Haraguchi (31.), Grischa Prömel (53.), Sheraldo Becker (74.) und Sven Michel (85.) die Kugel in der blau-weißen Hertha-Kiste versenkten. Im dritten Derby der Saison hinkte die „Alte Dame“ den Jungs aus der Wuhlheide insgesamt 3:9 hinterher.

Nach dem 2:0 im Herbst in der „Alten Försterei“ dem 3:2 im Pokalviertelfinale folgte nun mit 4:1 die deutlichste Klatsche. Dabei zirkelte Timo Baugartl (47.) den Ausgleich zum vorrübergehenden 1:1 für die Herthaner selbst in die Unionkiste. Allerdings schien an dem verkorksten Gegentreffer Unions-Schlussmann Frederik Rönnow nicht ganz unbeteiligt. Am Ende fiel das eine Tor aber nicht sonderlich ins Gewicht. Der Sieg des Teams aus dem fernen Osten Berlins erfreute nicht nur die Fans in ihren rot-weißen Monturen auf dem Gästeblock.

Wer mitten unter den normal gekleideten Zuschauern saß, verspürte die Freude über das herzerfrischende Spiel der Eisernen und über ein endlich wieder volles Stadion nach zwei pandemiegeplagten Jahren. Die Ultras der Hertha schimpften und fluchten und ließen ihre Profis kleinlaut auf der blauen Tartanbahn wie unartige Schuljungs stramm stehen.

Trainer Felix Magath sieht seine Aufgabe als Retter allerdings noch längst nicht beendet und meinte gegenüber den äußerst verärgerten Hertha-Anhängern: „Ich kann die Fans nur um Geduld bitten. Dass sie enttäuscht sind ist klar, das muss man nach so einer Niederlage akzeptieren.“ Allerdings viel Zeit bleibt Magath nicht. Es stehen nur noch fünf Spiele aus und die „Alte Dame“ sitzt nicht nur im Westend, sondern auf einem sicheren Abstiegsplatz.

In Köpenick wiederum träumt man von einem Auftritt in der Europa-Liga, schließlich trennt die Unioner im Moment nur ein einziger Punkt von diesem Traum. Grischa Prömel gab sich sogar ein bisschen melancholisch, als er den Fans sagte: „Das war mein letztes Derby. Ich habe mir viel vorgenommen und konnte den Unionern mit dem Tor das zurückgeben, was sie mir in den fünf Jahren an Liebe und Vertrauen geschenkt haben. Die Unioner machten auch das dritte Derby wieder zu einem Heimspiel. Es ist einfach schön, die Herthaner dreimal in einer Saison zu besiegen.” Die Blau-Weiße Herren-Riege – der windige Sponsor Lars Windhorst, Präsident Werner Gegenbauer und Sportdirektor Fredi Bobic werden das nicht gern gehört haben. Aber da müssen die Charlottenburger durch.

Union-Kapitän Christopher Trimmel dagegen rannte immer wieder zum Fanblock und freute sich wie ein kleiner Junge über den Erfolg, wenn er sagt: „Unser Matchplan ging definitiv auf! Auch nach dem Ausgleich sind wir ruhig geblieben, jeder von uns hat an den Sieg geglaubt. Am Ende ist es ein sehr verdienter Sieg geworden.” Fürwahr!

Bei Lichte besehen spielten die Herthaner eigentlich nie auf Augenhöhe mit den Eisernen. Es stimmt, wenn ein Journalist einer Zeitung schreibt: „Spielmacher bei Hertha findet nicht einmal der Osterhase.“ Die Herthaner besitzen jetzt noch fünf Spiele Zeit, um sich vom vorletzten Platz weg zu robben.

Für Union gilt es schnell durchzuatmen, denn am Mittwoch lauern im DFB-Pokal-Halbfinale in der Leipziger Red-Bull-Arena die Rasenballsportler auf die Berliner von Union. Doch auch diesbezüglich bleibt Unions Trainer Urs Fischer wie gewohnt cool: „Es ist eine englische Woche und solche Wochen sind nichts außergewöhnliches. Wir freuen uns, dass wir bis ins Halbfinale gekommen sind und bereiten uns auf das Spiel in Leipzig intensiv vor. Was unser Spiel gegen Hertha betrifft, würde ich auf jeden Fall von einem verdienten Sieg sprechen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Anmerkung:

Siehe auch den Artikel Alles auf Rot im Berliner Olympiastadion – Union Berlin nach 4:1 über Tante Hertha im Westend dreifacher Stadtmeister von Ralf-Rüdiger Okudera.

Vorheriger ArtikelImran ist nicht mehr der King Khan von Pakistan – Mißtrauensantrag gegen den Premierminister angenommen
Nächster ArtikelViertgrößter Reedereistandort Europas und Flaggenstaat für die Flusskreuzfahrt – Zum Sachbuch „Seefahrtsnation Schweiz. Vom Flaggenzwerg zum Reedereiriesen“ von Mark Pieth und Kathrin Betz