Als Opel noch kleine Lastwagen baute – Rezension zum Buch „Opel Blitz“ von Wolfgang Westerwelle

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Den Namen Blitz erfanden allerdings nicht, wie heutzutage üblich, Marketingakrobaten. Vielmehr wurde im Rahmen eines Preisausschreibens nach einem „prägnanten, auch international verständlichen Namen für den neuen Laster“ gesucht. Als Hauptpreis gab es übrigens einen attraktiven Opel 4/20-PS-Viersitzer zu gewinnen. Das zwischen 1929 und 1931 gebaute Gefährt kostete seinerzeit stolze 2.350 Reichsmark. Autor Wolfgang Westerwelle berichtet von „über 1,5 Millionen Posteingängen“. Offenbar ist jedoch nicht dokumentiert, wer die „Blitz“-Idee hatte.

Einen großen Anteil der Chronik nehmen die Blitz-Modelle ein, die vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden. Darunter finden sich auch Kuriositäten wie ein Sattelschlepper-Omnibus mit 40 Sitzen oder ein Waldbrand-Gerätewagen. Als Tribut an die kriegsbedingten Rohstoffengpässe wurden ab 1941 „zumindest zivil genutzte Fahrzeuge nun mit Holzgasgeneratoren“ statt mit Benzinmotoren ausgeliefert. Sondertypen wie der Gleisketten-Lkw „Maultier“ mussten sich besonders auf den schlechten Wegverhältnissen an der Ostfront bewähren. Opel, seit 1929 im Besitz von General Motors, produzierte mit dem Blitz ein wichtiges Kriegsgerät für die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

Zunächst als 1,5-Tonner-Schnellastwagen setzte der Opel Blitz nach dem Krieg seine Karriere fort. Zu einer Art „Wirtschaftswunder-Blitz“ entwickelte sich das ab 1952 gebaute Modell mit der Alligatorschnauze. Kein Gehör fanden bei Opel die vielfach geäußerten Kundenwünsche nach sparsamen Dieselmotoren. Das sollte sich im Laufe der Jahre bitter rächen und im Endeffekt zum Niedergang der Blitz-Baureihe führen. Da half auch die zu Beginn der 1960er Jahre dem Zeitgeschmack angepasste Karosserie als eckig-kompakter Kurzhauber mit ungeteilter Frontscheibe nicht mehr viel.

Als es dann Ende des Jahrzehnts im Blitz doch noch dieselte, war es eigentlich schon zu spät für eine Kehrtwende, zumal inzwischen ein starker Wettbewerb in diesem Segment entstanden war. Die aus England importierten Modelle Bedford Blitz stellten mehr oder weniger den Abgesang an eine interessante Modellära dar, die dieses Buch mit zahlreichen zeitgenössischen Bildern dokumentiert.

Wolfgang Westerwelle: Opel Blitz. 1931 bis 1975. Eine Dokumentation. Reihe Schrader-Typen-Chronik. 96 Seiten mit 66 Schwarz-Weiß-, 48 Farbbildern sowie 2 Zeichnungen. 24 cm x 22 cm, gebunden. Motorbuch Verlag: Stuttgart 2012. ISBN: 978-3-613-03391-7. 9,95 Euro

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