Der dunkle Rächer – Martin Campell gibt Mel Gibson in „Edge of Darkness“ den „Auftrag Rache“

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Berlin (Weltexpress) - „Ich bin ein Typ, der nichts zu verlieren hat und ich bin stinksauer!“ Ruft der Hauptdarsteller Mel in einem Actionfilm einen solchen Satz aus, ist klar, dass nicht gerade ein Meisterwerk der leisen Töne zu erwarten ist. Nachdem er sich mit dem Auftakt einer neuen Bond-Reihe „James Bond: Casino Royal“ als Actionspezialist etablierte, verfilmte Regisseur Martin Campbell mit „Edge of Darkness“ eine der populärsten Fernsehserien der Achtziger für die große Leinwand. Mel Gibson verkörpert in „Auftrag Rache“ einen Mitarbeiter der Mordkommission auf der Suche nach dem Mörder seiner Tochter.

 „Du bist jetzt in einer Lage, wo du entscheiden musst, ob du am Kreuz hängst oder die Nägel einschlägst.“ Was hochtrabende Metaphern angeht, sind die Charaktere in „Auftrag Rache“ so wenig zimperlich wie im Gebrauch von Schusswaffen. Als seine erwachsene Tochter Emma (Bojana Novakovic) bei ihrem ersten Besuch daheim seit Jahren ermordet wird, will der altgediente Polizist Thomas Craven (Mel Gibson) die Täter auf eigene Faust zur Strecke bringen. Bei seinen Nachforschungen entdeckt Craven, dass der vermeintlich auf ihn abzielende Schuss, der Emma tötete, tatsächlich ihr galt. Ohne dass Craven es ahnte, war Emma in geheime nukleare Forschungen verwickelt. Craven muss nicht nur den Vertuschungsversuchen des zwielichtigen Regierungsvertreters Darius Jedburgh (Ray Winstone) zuvorkommen, sondern dem eigenen Tod. Selbst verstrahlt, hat Emma ihren Vater radioaktiv verseucht. Craven hat nichts mehr zu verlieren und ist zum Äußersten bereit.

Drehbuchautor William Monahan steigert die Effektivität seiner Gewaltszenen durch Reduktion. Blutig und laut bricht der Tod über die Figuren herein. Das Dröhnen des fatalen Schusses, der Cravens Tochter umbringt, zerreißt das ruhige Szenario wie das Leben des Hauptcharakters. Im Kontrast zu den abrupten Hinrichtungen mit der Waffe steht die sich stetig manifestierende radioaktive Vergiftung Cravens. Das Handlungsmoment der radioaktiven Verseuchung wird zur unausgespielten Trumpfkarte des Thrillers. Das Potential seines unglaubwürdigen, im wenig auf Realismus setzenden Actiongenre aber akzeptablen Einfalls, lässt Monahan bis zuletzt ungenutzt, so dass es sich letztendlich gegen seine Handlung auswirkt. Nicht nur erscheint Craven, obwohl „Auftrag Rache“ sich bei der Symptomatik der Verseuchung auf Übelkeit und ein eher bizarres Humpeln beschränkt, erstaunlich agil für ein Strahlenopfer. Anhand der Geschwindigkeit, mit welcher die Symptome voranschreiten, müsste seine Verseuchung so hoch sein, dass allein seine Gegenwart gefährlich ist. Für Craven könnte dies zur ungewöhnlichen Waffe für seinen „Auftrag Rache“ werden. Ohne physische Gewaltanwendung könnte er seine Feinde zu dem kriechenden Tod verurteilen, den er selbst erleidet und der Emma erwartet hätte.

Obwohl sich „Auftrag Rache“ an solche unsichtbare Gewalt nicht heranwagt, steht er dem Thriller näher als dem Rächer-Film im Stil von „Ein Mann sieht Rot“. Wie bereits in seiner James-Bond-Neuverfilmung genießt es Campbell, das vermeintliche Heldentum seines Hauptcharakters zu unterminieren. Mehrfach wird Cravens obsessive Zuneigung zu Emma betont. Vielleicht habe er eine heimliche Geliebte, sagt Craven in einer Szene, worauf die Kamera Fotos von Emma zeigt. Dass sie Beziehungen hat, missbilligt Craven und nicht einmal eine Gerichtsmedizinerin soll Emmas Leichnam berühren. Die Folge dieser inzestuöse Züge tragenden Fixierung ist Cravens physische Vergiftung durch Radioaktivität. Emmas Verlust löst bei Craven psychotisches Stimmenhören und Wahnbilder aus. Den „Auftrag“ Rache“ hat kein aufrechter Familienvater, der tut, was er tun muss, sondern ein psychisch Labiler, der nach einem emotionalen Schock Amok läuft. An der „Edge of Darkness“ wandelt Craven in zweifachem Sinne: er steht am Rande des Wahnsinns und des Todes.

Neben Emmas Tod will er den eigenen aufklären und rächen. Gibson ist nicht der erste Filmcharakter auf der Suche nach seinem Mörder: Edmond O ´Brien jagte in Rudolphe Matés Noir-Klassiker „D.O.A.“ jene, die ihm ein tödliches Gift verabreicht hatten. Dessen Atmosphäre erdrückender Paranoia und Hoffnungslosigkeit kann „Auftrag Rache“ nicht erzeugen. Die „Edge of Darkness“, an welcher der Film balanciert, ist nicht die des Noir, sonder die des Obskuren.

Titel: Edge of Darkness – Auftrag Rache

Land/ Jahr: USA 2010

Genre: Action-Thriller

Kinostart: 11. März 2010

Regie: Martin Campbell

Drehbuch: William Monahan

Darsteller: Mel Gibson, Ray Winston Danny Huston, Bojana Novakovic, Shawn Roberts

Laufzeit: 108 Minuten

Verleih: Central

www.centralfilm.de

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