Berlin, BRD (Weltexpress). Zu einer der wichtigsten Stützen Francos wurde der katholische Klerus, der den Caudillo mit dem „Führergruß“ Hitlers und Mussolinis zujubelte.
In Spanien errang die Volksfront aus Kommunisten, Sozialisten, der Union General del Trabajo und Linksrepublikanern bei den Corteswahlen am 16. Februar 1936 einen glänzenden Wahlsieg. Ihre Regierung unter dem republikanischen Schriftsteller Azana y Díez (ab Mai Präsident) garantierte die Autonomie Kataloniens und der Basken und leitete bürgerlich-demokratische Reformen ein. Am 17. Juli 1936 putschte General Sanjurjo von der Kolonie Spanisch Marokko aus gegen die rechtmäßig gewählte Regierung der Volksfront. Nachdem er mit einem Flugzeug abgestürzt war, riss Francisco Franco die Führung an sich. Der Staatsstreich der klerikalfaschistischen Reaktion brach jedoch auf dem Festland in den meisten Garnisonsstädten am Widerstand der Volkskräfte zusammen. Seine Niederschlagung wurde nur durch die sofortige bewaffnete Intervention Hitlerdeutschlands und Mussoliniitaliens verhindert. Mit 20 Militärtransportern Ju 52 wurden als erstes 15.000 Mann Elitetruppen der Putschisten von Marokko nach Cadiz eingeflogen.
Franco, der sich am 29. September zum Chef des „Nationalen Spanien“ proklamierte, wurde unmittelbar danach von Deutschland und Italien als „Chef der einzigen legitimen Regierung Spaniens“ anerkannt. Die nach Spanien geschickte „Legion Condor“ zählte 45.000 Mann. Ihr wichtigster Verband waren die Geschwader der Luftwaffe. An ihrem Einsatz wurde besonders deutlich, dass Hitlerdeutschland wie auch Mussoliniitalien in Spanien ihre neuesten Waffen für den Zweiten Weltkrieg testeten. Dazu gehörten Heinkel-Bomber 111 und die Jäger, 51, Messerschmitt 109, Dornier 17, Ju 87, Heinkel 57 -Sturzkampfflugzeuge. Marine-Einheiten nahmen unter der Tarnbezeichnung „Gruppe Nordsee“ an der aktiven Seekriegsführung teil. Sie beschoss, verminte und blockierte republikanische Häfen. Nach Kriegsende wurden 26.116 „Condor-Legionäre“ mit Spanienkreuzen in Gold, Silber oder Bronze ausgezeichnet. Italien schloss am 24. November 1936 mit der Putschistenregierung ein Abkommen über umfangreiche militärische Unterstützung. Mussolini stellte ein vier Divisionen umfassendes Interventionskorps auf, das ab Januar 1937 zum Einsatz kam. Zunächst 35.000 Mann zählend, stieg es auf 60.000 an, wuchs weiter auf 120.000 bis 150.000 Mann an.1 Die Luftwaffe griff zusammen mit der Legion „Condor“ Hitlerdeutschlands die Stellungen der republikanischen Armee an und bombardierte Städte. Es sei an den Angriff der „Legion „Condor“ auf die nordspanische Stadt Guernica y Luno erinnert, die am 26. April 1937 völlig vernichtet wurde. „Die ganze Stadt mit ihren 7.000 Einwohnern und den 3.000 Flüchtlingen ist langsam und systematisch in Stücke zerschlagen worden“, schrieb der Spanienkorrespondent der Londoner „Times“.
Papst Pius XI. den Franco als ersten vom Aufstand benachrichtigte, wandte sich in Appellen und Reden zur Unterstützung der Putschisten an die Weltöffentlichkeit. Er arbeitete mit Mussolini und Hitler zusammen. Die spanische Jesuitenzeitschrift „Civiltà Cattolica“ schrieb in ihrer Ausgabe vom 2. Januar 1937 in dem faschistischen Putsch habe sich „eine hundertmal gesegnete und ruhmreiche Haltung“ gezeigt. Aktiv unterstützte der 1928 in Spanien gegründete, dem Papst direkt unterstellte klerikale Orden „Opus Dei“ das Franco-Regime. So wurde die katholische Kirche zu einer seiner wichtigsten Stützen. Der sie beherrschende Klerus jubelte dem Caudillo zu und begrüße ihn mit dem „Führergruß“ Hitlers und Mussolinis. 2 Dem von Francoentfesselten Mordterror fielen als erstes loyale Offiziere, vor allem der Luftwaffe, die sich widersetzten, zum Opfer. Sie wurden in den ersten Stunden des Putsches „von den Meuterern kurzerhand erschossen. Darunter die Generäle Batet, Molero, Nuñez de Prado, Romerales, Admiral Azarola“. Die Francofaschisten und ihre deutschen und italienischen Helfershelfer begannen eine barbarische Menschenjagd. „Befürworter der Legalität, loyale Republikaner wurden massenweise gequält, verstümmelt, ermordet. Die Methoden der Mordkommandos sind bestialisch“, schrieb der Kämpfer der Internationalen Brigaden Fritz Teppich. Der Weg der Franco-Truppen „ist von Massenmorden gezeichnet. In Badajoz, nicht weit von der portugiesischen Grenze, ließ der Kommandeur der marokkanischen Truppen, General Yagüe, einer der Schlächter von Asturien, niedermetzeln, was seinen Söldnern vor die Gewehre kam. Alle Republikaner, derer sie dabei habhaft werden konnten, wurden in die Stierkampfarena getrieben und dort mit Maschinengewehren zusammengeschossen“ 3
Georges Bernanos, französischer Schriftsteller und gläubiger Katholik, berichtete: In der kleinen Stadt Manacor auf Mallorca waren zweihundert Einwohner, „die den Italienern verdächtig waren, mitten in der Nacht aus ihren Betten gezerrt und schubweise auf den Friedhof gebracht worden, wo man sie mit Kopfschüssen niederstreckte und ein Stück weiter auf einem Haufen verbrannte. Der Erzbischof hatte dazu einen „Geistlichen gesandt, der, mit den Schuhen im Blute watend, jeweils zwischen zwei Salven Absolution erteilte“. Andere werden mit Lastwagen zu einem einsamen Feldweg gefahren. „Sie steigen ab, stellen sich in Linie auf, küssen eine Medaille oder auch nur den Nagel des Daumens. Peng! Peng! Peng! – Die Leichen werden an den Rand der Böschung geschleift, wo sie der Totengräber am nächsten Morgen findet, mit zerschmettertem Schädel, im Nacken ein hässlicher Klumpen schwarzen geronenen Blutes.“4 Teilnehmer der klerikalfaschistischen Niederschlagung der rechtmäßigen Regierungen der Spanischen Republik waren Geistliche aller Stufen der katholischen Hierarchie. Sie riefen zum Sturz der Republik auf, segneten die mordenden Horden, erteilten Absolution, lieferten auch unzählige Katholiken dem Terror der Reaktion aus.
Nach dem Abzug der Internationalen Brigaden, 5 der die Abwehrkraft der republikanischen Streitkräfte entscheidend schwächte, gelang es den Franco-Faschisten nach dem Verrat des Befehlshabers der Zentrumsarmee der Republik, Oberst Casado, zusammen mit italienischen Interventionsverbänden am 28. März 1939 Madrid einzunehmen. Während der „Gaudillo“ Casado und einigen seiner engsten Mitarbeiter gestattete, auf einem britischen Schiff Spanien zu verlassen, begann in Madrid „sofort eine Treibjagd ohnegleichen auf alle, die jemals zur Republik gehalten hatten“. Die Greiftrupps und Mordkommandos fragten nicht, ob die Betreffenden zuletzt mit oder gegen Casado gewesen waren. Dem von der klerikalfaschistischen Reaktion entfesselten Bürgerkrieg waren fast eine Million Menschen zum Opfer gefallen. 6 Während in Spanien die Mordkommandos wüteten, schickte Pius XII. , der am 2. März sein Pontifikat angetreten hatte, Franco eine Botschaft, in der es hieß: „Die von Gott als wichtigster Diener der Evangelisation der Neuen Welt und als uneinnehmbares Bollwerk des katholischen Glaubens auserwählte Nation hat soeben den Anhängern des materialistischen Atheismus unseres Jahrhunderts den erhabensten Beweis dafür geliefert, dass über allen Dingen die ewigen Werte der Religion und des Geistes stehen.“ Ein weiteres Glückwunschtelegramm erhielt Hitler, dem der Papst „mit besten Wünschen den Segen des Himmels und des allmächtigen Gottes“ übermittelte. 7
Einen Gipfel des blutrünstigen Bündnisses der Kurie mit dem Faschismus, erklomm der deutsche Ratzingerpapst Benedikt XVI., als er am 28. Oktober 2007 498 der Kreuzritter Francos, die während des Bürgerkrieges 1936-39 ums Leben kamen, seligsprach.
Anmerkung:
1 Fritz Teppich/Tom Fecht: Spaniens Himmel. Volksfront und Internationale Brigaden gegen den Faschismus, Berlin 1996.
2 Teppich/Fecht, a, a. O.
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Zum Kampf gegen die von Hitlerdeutschland und Mussoliniitalien unterstützten Franco-Faschisten kamen der Spanischen Republik bis Herbst 1938 etwa 40.000 bis 50.000 Antifaschisten aus 54 Ländern zu Hilfe, von denen die meisten in den Internationalen Brigaden kämpften. Darunter befanden sich etwa 10.000 Franzosen, 5.000 Deutsche und Österreicher, 3.354 Italiener und 2.800 Nordamerikaner und Kanadier. Mehr als die Hälfte der Interbrigadisten sind nach einer Einschätzung von Teppich/Fecht gefallen, darunter 3.000 Deutsche und Österreicher. Die Internationalen Brigaden fügten den Faschisten besonders in den Schlachten um Madrid, bei Teruel, Guadaljara und Brunete empfindliche Niederlagen zu. Auf Beschluss des sogenannten Nichteinmischungskomitees, dem sich die Regierung der Spanischen Republik fügte, wurden die Internationalen Brigaden im Sommer 1939 aufgelöst.
6 Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme, Frankfurt/Main 2004, S. 207.
7 Dietmar Stübler: Geschichte Italiens, 1789 bis zur Gegenwart, Berlin (West)-1987, S. 156.
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