„Wer sind wir? Und wer wollen wir sein?“ oder die Bären der Berlinale, eine Statuette von Glashütte sowie: Fehlanzeige

Der Bär der Berlinale in Berlin.
Der Bär der Berlinale in Berlin. © 2016, Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow

Berlin, Deutschland (Weltexpress). 24 Filme im Wettbewerbsprogramm. Eingereicht aus 24 Nationen, Staaten, Ländern, mit Preisverleihung der internationalen Jury am 24. Februar – passt! Ob die Auswahl stimmte, wurde wieder sehr kontrovers diskutiert.

Tom Tykwer fungierte als Präsident, ferner gehörten Cécile de France, Chema Prado, Adele Romanski, Ryūichi Sakamoto und Stephanie Zacharek zum illustren Gremium. „Touch me not“ gewann den Goldenen, überreicht an die Produzentin des Werks (Rumänisch-Deutsch-Tschechisch-Bulgarisch-Französisch) Adina Pintilie. Sehnsucht nach Intimität bei Angst vor Berührung – der Stoff forderte vom Betrachter ein sensuelles Abtasten allerlei Protagonisten die sich mal spröde mal schleimig in Szene setzten. Ein sperriger Streifen, so von Tykwer erwünscht. Und irgendwie stellte er auch die Frage nach dem was-wir-sind-und-sein-wollen.

Im Eröffnungsfilm „Isle of Dogs“ von Wes Anderson bringt es ein Hund auf den Punkt – wie Dieter Kosslick in seinem diesjährigen Grußwort sagte. Wes bekam für die ‚Beste Regie’ einen Silbernen Bären, aber Atari als Star vom Animationsfilm ging leider leer aus. Silberner für die beste Darstellerin: Ana Braun in „Las herederas“ von Marcello Martinessi. Silberner Bär für den bester Darsteller: Anthony Bajon in „La prière“ von Cédric Kahn. Ah ja, vorher noch: Silberner Bär, und Großer Preis der Jury an „Twarg“ oder „Mug“ von Malgorzata Szumowska. Eine gesellschaftskritische Satire aus Polen, die im Reigen mit anderen Trophäenträgern wiederum die Frage aufwirft – siehe oben. Silberner Bär für das beste Drehbuch: Manuel Alcalá und Alonso Ruizpalacios für „Museo“ von Alonso R. Und Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung: Elena Okopnaya für Kostüm und Production Design in „Dovlatov“ von Alexey German Junior. Nun, „Las herederas“ wurde auch als Ganzes ausgezeichnet, mit dem Alfred-Bauer-Preis in Form eines Silbernen „für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet“ – weil er der erste aus Paraguay auf der Berlinale war? Weil Männer nur als Möbelträger eine Rolle, keine tragende, spielen?

Wer Waldheim war, welche Walzer er tanzen wollte, und konnte, auf österreichischem und internationalem Parkett, davon erzählt der Doku von Ruth Beckermann. „Glashütte Original“ verlieh den mit 50 000 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis zum 2mal. 2018 waren 18 Filme im Wettbewerb. „Waldheims Walzer“ wählte die 3er Jury: Cintia Gil, Ulrike Ottinger, Eric Schlosser zum Sieger der Arbeiten aus den Sektionen der Berlinale – vom Wettbewerb bis zur Sonderreihe Kulinarisches Kino. Eine Reihe, um die Venedig und Cannes sowie viele andere Festivals weltweit Berlin beneiden. Jedoch, ein Filmpreis vom Kulinarischen Kino: weiterhin offiziell Fehlanzeige. Fehlt da der Sponsor? Was ist zum Beispiel mit Slow Food? Wann werden sie erstmals beim Ökogaladiner überreicht – der sagen wir mal Goldene und die Silbernen nu ja „Honigbären“?

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