Vom Regen in die Traufe? – Der ehemalige Lizenzverein MSV Duisburg spielt am Wochenende erstmals Frauenfußball – Fußball Machos erleben Frauenpower

Jennifer Oster im Männerbund des Duisburger Frauenfußball. © MSV Duisburg, Foto: Christoph Reichwein

Konzentration auf sportliche Aufgaben

MSV-Präsident Udo Kirmse versuchte Aufbruchstimmung zu vermitteln und referierte im Beisein von Jennifer Oster, der Kapitänin der 1. Frauenmannschaft, und Sven Kahlert, dem alten und neuen Cheftrainer der Frauen, über das neue Konzept, dem bis zum 30.Juni 2015 eine sichere Finanzierung nach DFB-Richtlinien gegenüber steht. Kahlert erklärte als sportlicher Leiter dazu im Namen der Mannschaft: „Das war ein auf und Ab in den vergangenen Wochen. Wir sind alle froh, dass diese Entscheidung so gefallen ist und wir uns auf unsere sportlichen Aufgaben konzentrieren können.  Wir freuen uns auf unsere Zukunft bei einem so großen, guten und traditionsreichen Verein!“

Beginn einer neuen Ära

Und zum ersten Bundesliga-Heimspiel als MSV am 2. März 2014 werden die Zebras im Homberger PCC-Stadion einen „Schnuppertag“ anbieten. „Wir werden uns etwas für unsere Dauerkartenbesitzer und Mitglieder einfallen lassen“, verspricht MSV-Geschäftsführer Bernd Maas. Die früheren Kickerinnen des FCR 2001 Duisburg haben beim großen Nachbarn eine neue Heimat gefunden. Am kommenden Samstag steht beim DFB-Hallenpokal in Magdeburg der erste Auftritt unter dem neuen Namen an.  Am 23. Februar 2014 starten die Zebras in ihr Bundesliga-Abenteuer – beim VfL Sindelfingen. Dann beginnt mit dem Frauenfußball in Zebrastreifen endgültig eine neue Ära im Duisburger Sport.

Viel Überzeugungsarbeit

„Mehr als 75 Prozent der knapp 300 Mitglieder haben sich umgemeldet. Das finde ich stark“, zeigte sich Dieter Weber, bis zuletzt aktives Vorstandsmitglied des FCR, überrascht, dass rund 200 Mitglieder den Weg mitgegangen sind. Die neue Frauen- und Mädchen-Abteilung beim MSV wurde bereits durch Vorstandsbeschluss gegründet; Weber führt diese jetzt  kommissarisch bis zu einer ordentlichen Versammlung, die es innerhalb der kommenden vier Wochen geben dürfte. Schlüsselfigur im Werben für den persönlichen Wechsel jeder Spielerin war Jennifer Oster. Sie hatte in den vergangenen Wochen viel Überzeugensarbeit auch an der Basis leisten müssen – mit sichtlichem Erfolg nach Meinung vieler Fans in Duisburg

Die letzte Löwin

Die niederländische Nationalspielerin Lieke Martens wechselte nicht zu den Zebras, sondern liess sich als Löwin auf die Transfer Liste setzen. Wohin ihr sportlicher Weg führen wird ist noch ungewiss. Die belgische Nationalspielerin Jackie Groenen hat sich noch nicht endgültig entschieden, ihr Wechsel zum MSV Duisburg könnte noch kommen bis Ende Januar, da endet die Transfermöglichkeit. Gülhiye Cengiz wird die Zeit nutzen, sich ihrem Studium zu widmen. Sie wird erst ab dem Sommer sich einen neuen Verein suchen. „Wir wollen versuchen, das zurück zu geben, was wir jetzt bekommen haben“, verspricht Jennifer Oster, die als letzte Löwin der 2009er Erfolgsmannschaft noch übrig geblieben war.

Finanzierung bleibt Dauerthema

Ihre Charakterstärke zahlte sich  in den letzten Wochen auch auf sportlicher Ebene aus. Sie trug schon das neue Trikot mit der Rückennummer 6 bei der Präsentation.  „Wir spielen in blau und weiß!“, verdeutlicht MSV-Geschäftsführer Bernd Maas bei der Pressekonferenz. Nach und nach werden alle Frauenfußballteams als Zebras auflaufen. Aus Grün und Weiß sind Weiß und Blau geworden. Am kommenden Samstag steht beim DFB-Hallenpokal in Magdeburg der erste Auftritt unter dem neuen Namen an. Zu Beginn des Jahres 2014 wurde offenbar, dass der Frauenfußball in Deutschland zwar sportlich Weltklasse bieten kann, aber die Finanzierung der reinen Frauenfußballvereine ab Tabellenplatz 5, FF USV Jena, bis zum Schlusslicht VfL Sindelfingen in Zukunft ein Dauerthema bleiben wird.

Finanzielle Unwägbarkeiten

Zu Beginn des Jahres 2014 müssen die Fans auf zwei liebgewonnene Hallenturniere verzichten. Das internationale Traditionsturnier des TuS Jöllenbeck in Bielefeld verzichtet aus finanziellen Gründen auf die Austragung der 35. Auflage, die am 18. und 19. Januar hätte stattfinden sollen. Turnierdirektor Olaf Beugholt begründete den Verzicht Mitte November damit, dass zu diesem Zeitpunkt zu viele finanzielle Unwägbarkeiten bestanden hätten, so dass die VeranstalterInnen sich schweren Herzens dazu entschlossen haben, die Veranstaltung für ein Jahr auszusetzen. Bisher musste das Turnier nur zweimal, 1995 und 1996, abgesagt werden, als die Sporthalle abgebrannt war.

SAP-Frauenfußball Engagement

Beugholt war es wichtig zu betonen, dass die diesjährige Absage eine einmalige Sache sei: "Wir sind zuversichtlich, dass es in einem Jahr mit Weltklasse 2015 auf genauso hohem Niveau weitergehen wird, wie man das von uns und unserem Turnier gewohnt ist." 2013 hatte der SC 07 Bad Neuenahr in Bielefeld gewonnen. Auch vom in den vergangenen Jahren parallel stattfindende Nordcup in Kiel, bei dem u.a. schon Teams wie der 1. FFC Frankfurt, Turbine Potsdam, der VfL Wolfsburg und der FCR Duisburg angetreten waren, gibt es 2014 keine Auflage. Als Lichtblick im Süden der Republik ist das Engagement der SAP beim Regio- und SAP-Frauen-Fußball-Cup 2014 – in Rauenberg/Metropolregion Rhein-Neckar, wo die Fußballerinnen-Elite in Süddeutschland zu finden sein wird.

Treffen der Jugend Europas

Es sollte im Sinne des DFB liege, dass den Veranstaltern in Bielefeld und Kiel aus den Einnahmen des laufenden Jahres mit der sehr erfolgreichen Frauennationalelf, kostenreduzierende Hilfen  für Marketing und Ausstattung gewährt werden, um das Risiko der privaten Veranstalter zu mindern. Die internationalen Hallenfußball Turniere wie in Jöllenbeck und Potsdam sind Treffen der Jugend Europas. Sehr vorbildlich läuft die Zukunftsplanung beim Turnier in Potsdam, wo es den Verantwortlichen immer wieder gelingt, der Abteilung DFB Frauen- und Mädchenfußball zu zeigen, dass eine Vermarktung ohne der Marke DFB möglich ist.

Beim DFB-Hallencup am Wochende wird es in Gruppe C eine Premiere geben, in der die bisher als FCR 2001 bekannten Duisburgerinnen erstmals im Trikot des MSV antreten werden. Die Zebras müssen sich mit dem FC Bayern München, dem SC Freiburg sowie den Triple-Gewinnerinnen vom VfL Wolfsburg auseinandersetzen.

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