Tod im Tora-Knast in Kairo – Shady Habash starb in einem Gefängnis in Ägypten

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Smog über und Tristesse in Kairo. Quelle: Pixabay

Kairo, Ägypten (Weltexpress). Dass in Gefängnissen auch Gefangene sterben, das ist in deutschen Landen normal, wenn auch selten. Dass immer wieder Regimekritiker in Gefängnissen sterben, das ist auch normal, aber weder in der Bundesrepublik Deutschland oder der Republik Österreich noch in der Schweizer Eidgenossenschaft, aber in Staaten wie Ägypten.

Leider ist das so zum Leidwesen der Familien und Freunde. Der Fall ist der des Filmemacher Shady Habash. Jannis Hagmann hält dazu in der „Tageszeitung“ (3.5.2020) unter der Überschrift „Regimekritiker in Ägypten: Tot im Tora-Gefängnis“ fest, dass Habash „äußerst kreativ“ gewesen und gerade „erst 24 Jahre alt“ gewesen sei, bevor er „in einem Gefängnis in Kairo“ starb. Hagmann schreibt: „Bevor er weggesperrt wurde, hatte Habash regimekritische Musikvideos produziert – die der autokratischen Staatsführung von Präsident Abdelfattah al-Sisi gar nicht passten. Habash war im März 2018 festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, Falschinformationen verbreitet zu haben und einer „illegalen Organisation“ anzugehören. Der eigentliche Grund war aber wohl ein anderer: seine Zusammenarbeit mit kritischen Künstlern wie dem oppositionellen Sänger Ramy Essam.“

Essam lebt im Exil in Schweden, worauf im „Deutschlandfunk“ (3.5.2020) hingewiesen wird. Unter der Überschrift „Ägypten – Kritischer Filmemacher Shady Habash stirbt in Gefängnis“ wird darüber informiert, dass es „zur Todesursache“ derzeit „keine verlässlichen Informationen“ gebe, allerdings unter Bezug auf Habashs Anwalt Ahmed el-Chawaga mitgeteilt, dass der gesagte habe, dass „der Gesundheitszustand seines Mandanten … sich zuletzt verschlechtert“ habe, „er sei auch psychisch in schlechter Verfassung gewesen“. Das Arabische Netzwerk für Informationen über Menschenrechte twitterte, Habashs Tod sei das Ergebnis von Nachlässigkeit und fehlender Gerechtigkeit. Der Autorenverband PEN America sprach von einem ‚verheerenden Schlag‘ für die künstlerische Freiheit.“

Hagmann teilt in der „Tageszeitung“ weiter mit: „Für das Musikvideo zu dessen Song ‚Balaha‘ hatte Habash Regie geführt. In dem Clip geht es mehr oder weniger unverhohlen um Präsident Sisi, der 2013 als Militärchef die damals regierenden Muslimbrüder entmachtete und sich an die Macht putschte. Seither geht Sisis Militärregime brutal gegen jegliche Opposition vor – egal ob aus säkulär-demokratischer oder islamistischer Ecke.“

Er hätte dazu schreiben müssen, dass „Balaha“ der Schimpfname für El Sisi ist, der einer Figur in einem ägyptischen Film ähnelt, bei der es sich um einen notorischen Lügner handelt“, worauf im „Spiegel“ (3.5.2020) unter dem Titel „24-jähriger Filmemacher stirbt in Kairo im Gefängnis“ hingewiesen wird.

Dass El Sisi auch gegen Sozialisten und Kommunisten, ja, sogar gegen Sozialdemokraten, die für die Rechte der Lohnarbeiter kämpfen, vorgeht, das schreibt Hagmann nicht. Das darf einen bei der „Tageszeitung“ nicht wunder, ist aber die Wirklichkeit. Daher ist es besonders perfide, dass die Sozen und Christen unter den Deutschen, jedenfalls diejenigen, die sich so nennen und schimpfen lassen, vor allem die in den Parteien CDU, CSU und SPD, den sich als Präsident gebenden Putschgeneral El Sisi in permanenter Penetranz hofieren. Nicht nur das, die Sozen und Christen in Berlin bitten den Oberbefehlshaber, der Hunderte auf dem Gewissen hat, sogar an den eigenen Hof. Dass die gesamte Merkel-Regierung sich am Tod tausender Oppositioneller am Nil mitschuldig macht, das darf nicht verschwiegen werden.

Dass das Regime in Kairo auf einem Pulverfass sitzt und es im Volk brodelt, das ahnt man nicht nur in Wien und Berlin, das weiß man vor allem in Washington und fordert daher seine Vasallen immer wieder auf, El Sisi und die Seinen zu unterstützen. Daher gibt auch Berlin gute Ratschläge, schickten Polizisten und Geld, damit das Regime „kritische Berichterstattung“ nicht nur behindern kann, sondern sogar verhindern.

Etliche Zeitungen und Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender wechselten nach dem kurzen Frühling der Volksherrschaft im öffentlichen Raum den Eigentümer. Die kleinen und mittleren Medien- und Verlagshäuser wurden im Gegenzug für Geld gegen Leben von Kapitalisten der Bewaffneten Bourgeoisie aufgekauft. Zwar hatten die Medienmacher keine Medien mehr, aber sie behielten ihr Leben. Wer es nicht weiß: Die Familien der Generäle gehören in Ägypten zur Bourgeoisie. Wer es nicht glaubt: Einfach vor Ort recherchieren.

Wer behauptet, dass es unter Mubarak schlimmer gewesen sei, der hat weder Ahnung vom Ägypten unter Mohammed Hosny Mubarak, noch vom Nil- und Militärstaat unter El Sisi.

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