Streit ums Geld – Sebastian Polter darf seinen Vertrag nur noch trainierend erfüllen

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Fans des 1. FC Union Berlin in der Wuhlheide.
Quo vadis 1. FC Union Berlin. © Foto: Hans-Peter Becker

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Sebastian Polter, der Derby-Held vom vergangenen Herbst – er verwandelte in der Alten Försterei einen Elfer gegen Hertha BSC –, wird nicht mehr für den 1. FC Union Berlin im Wettkampf auflaufen. Seine weitere fußballerische Zukunft hat er bereits seit einiger Zeit nicht mehr in Berlin-Köpenick gesehen.

Der gebürtige Wilhelmshavener kam kurz nach dem Beginn der Saison 2014/15. Er wechselte auf Leihbasis vom FSV Mainz 05 zu den Eisernen. In Berlin wurde er zum Stammspieler der Mannschaft, die in der 2. Bundesliga spielte, und erzielte bei 29 Einsätzen 14 Tore.

Er blieb, obwohl inzwischen zum Publikumsliebling avanciert, nicht Berlin, sondern reise nach England. Sein neuer Arbeitgeber wurden die Queen Park Rangers. In der zweiten englischen Liga erzielte er in 51 Spielen 10 Tore und schloss sich am 10. Januar 2017 erneut dem 1. FC Union an. Seine Torgefahr stellte er in Berlin erneut unter Beweis. Sein Schicksalsmoment wurde der 2. März 2018, als er sich beim Aufwärmen vor dem Spiel in Kaiserslautern einen Achilessehnenriss zuzog. Erst im September kehrte er auf den Rasen zurück. Im Heimspiel gegen Holstein Kiel wurde er nach siebenmonatiger Pause in der 76. Minute eingewechselt und traf in der Nachspielzeit mit einem spektakulären Fallrückzieher (Tor des Monats) zum 2:0. In der Aufstiegssaison 2018/19 gelangen ihm noch weitere 8 Tore in der Liga und dazu 2 Treffer im Pokalspiel in Dortmund. In der laufenden Bundesligasaison nach dem Aufstieg kamen lediglich 13 Einsätze. Hinter Sebastian Polter und Anthony Ujah war er als Mittelstürmer nur die Nummer drei.

Bis zum Auslaufen seines Vertrages am 30.6.2020 darf Polter lediglich – aus arbeitsrechtlichen Gründen – am Training teilnehmen. Die Führung des 1. FC Union Berlin wirft ihm unsolidarisches Verhalten vor. Auf der Homepage des Vereins war dazu folgendes zu lesen: „’Es gehört zu den elementaren Werten des 1. FC Union Berlin, dass wir Unioner eine solidarische Gemeinschaft bilden, in der wir füreinander und für unseren Verein einstehen. Sebastian tut das als einziger Spieler der gesamten Lizenzspielerabteilung mit Mannschaft, Trainer- und Betreuerteam leider nicht. Das ist für uns nicht nachvollziehbar und sehr enttäuschend. Es ist meine dringlichste Aufgabe, gerade in schwierigen Zeiten, den Zusammenhalt aller Clubmitarbeiter und Spieler zu schützen, um unsere sportlichen Ziele nicht zu gefährden. Wir haben deshalb entschieden, dass Sebastian ab sofort nicht mehr Teil unseres Spieltagskaders sein wird‘, erklärt Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin, die Entscheidung der Vereinsführung.“

Sebastian Polter
Sebastian Polter © Foto: Hans-Peter Becker

Was war geschehen? Nur einen Tag später sah sich die Vereinsführung genötigt, eine Erklärung nachzuschieben. Sie endet mit einer Erklärung der Anwälte von Sebastian Polter. Zitat nach der FC-Union-Berlin-Pressemitteilung vom 29.5.2020: „Sebastian Polter bedauert die ihm am 28.05.2020 mitgeteilte Entscheidung des 1. FC Union Berlin. Sebastian Polter weist den Vorwurf des unsolidarischen Verhaltens jedoch ausdrücklich zurück. Wahr ist, dass sich der 1. FC Union Berlin und Herr Polter wechselseitig Vereinbarungen zur Handhabung des Gehaltes aufgrund der Corona-Pandemie unterbreitet haben. Keine Vereinbarung hat die Zustimmung beider Seiten gefunden. Sebastian Polter betont, dass er sich nicht verweigert hat, seinem Herzensverein während der Corona-Pandemie wirtschaftlich entgegen zu kommen und zu helfen.“

In den Medien hat sich Polter bisher nicht geäußert. Nach Informationen der Berliner Boulevard-Zeitung „BZ“ soll Polter ein Saison-Gehalt von ca. 1,5 Millionen Euro bekommen haben und ist sicher einer der am höchsten bezahlten Profis des Aufsteigers.

War es nötig, jetzt diese Baustelle aufzumachen? Der Aufsteiger hat den Klassenerhalt nicht sicher und braucht jetzt alle Konzentration, um in den verbleibenden 6 Spielen die fehlenden Punkte zu holen. In gut 4 Wochen ist Polter sowieso beim FCU vertragslos und ohne dessen Moneten. Und die Moral von der Geschicht?

Anmerkung:

Siehe auch den Artikel „Pacta sunt servanda oder holterdiepolter – Präsidium oder Polter, wer ist hier plemplem beim Poker um Penunzen?“ von Ralf-Rüdiger Okudera.

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