„Spitzenreiter“ – Berliner Eisbären besiegen den EHC Ingolstadt mit 2:1

© Foto: Joachim Lenz, 2015
Dafür sorgte am siebten Spieltag nicht nur der knappe Eisbären-Sieg in der Mercedes-Benz-Arena-Berlin, das Heimspiel gegen den Vorjahresfinalisten ERC Ingolstadt gewannen die Hauptstädter mit 2:1 (1:0, 1:1, 0:0), sondern die Grizzlys Wolfsburg, die am Freitagabend den alten Tabellenführer Straubing Tigers mit 4:2 bezwangen.

Doch was bedeutet der Platz an der Sonne am Anfang einer Spielzeit, die als Doppelrunde durchgeführt wird und dennoch nichts weiter ist als ein Platzierungs- und Schaulaufen für die alles entscheidende Außer-Gefecht-setzen-Spiele, bei denen am Ende nur eine Mannschaft übrig bleibt? Das ist gut fürs Gefühl, Sieger sehen glücklich aus, und den Geldbeutel, denn am Sieger hängt und zum Sieger drängt fast alles. So forderten zahlreiche der 11.624 Zuschauer die Spieler zu einer „Ehrenrunde“ auf und besangen den „Spitzenreiter“.

Die Basis des Beifalls, den sich nach Spielschluss alle Beteiligten unter stehendem Applaus abholten, wurde im Training gelegt und zeigte sich während der Begegnung vor allem in einer soliden Verteidigung. Die Abwehrarbeit aller im Laufe der Verantwortung von Cheftrainer Uwe Krupp scheint langsam aber sicher besser zu werden, und auch der Angriff läuft, vor allem schnörkel- und umstandsloser als noch vor Monaten.

© Foto: Joachim Lenz, 2015Verletzungsbedingt fehlten Mark Bell (Sprunggelenkt) und Florian Busch (Oberschenkel), dafür wurde Shuhei Kuji in die dritte Reihe befördert und Jonas Schlenker in der vierten Reihe in Berlin ran, statt wie Vladislav Filin, Kai Wissmann und Marvin Cüpper in Dresden eingesetzt zu werden.

Jugend voran auch in der ersten Reihe. Der 19-jährigen Jonas Müller traf aus dem Hintergrund das Tor (5.). Der Puck schlug mit 127 km/h ein. Nicht nur gut nach vorn gaben die Verteidiger das Gerät und brachten „viele Scheiben vors Tor“, wie Müller nach der Partie meinte, sondern er traf auch hinein. Alle Berliner Verteidiger sind offensichtlich immer wieder für Tore gut.

Zwei Minuten landete ein Schuß von Laurin Braun am Pfosten. Anschließend erneut ein Aufreger. Gäste-Torhüter Timo Piemeier behinderte Schlenker, doch die Schiedsrichter Simon Aicher und Stephan Bauer schickten den Berliner für zwei Minuten auf die Strafbank (11.). Aicher und Bauer übersahen wenig später, dass Ingolstadt zu viele Spieler auf dem Eis hatte (13.). 

© Foto: Joachim Lenz, 2015Die Berliner spielten im ersten Drittel stark, ansehnlich, waren aber nur einmal erfolgreich, während die Gäste aus Ingolstadt kaum Zeit zum Luftholen fanden, geschweige denn eigene Angriffe aufbauen konnten. Eisbären-Torwart Petri Vehanen war wenig beschäftigt.

Im zweiten Drittel liess die Dominanz der Hausherren nach, denn Ingolstadt zeigte mehr Einsatz, Willen und Können. Petr Taticek lief an Freund und Feind vorbei schnurstracks auf Vehanen zu, der auch die Nachschüsse hielt (26). Dann ballerte mit Frank Hördler ein Berliner aufs Gästetor. André Rankel fälschte den Schuß für Pielmeier unhaltbar ab ins Tor (32.). Dustin Friesen erzielte für den ERC Ingolstadt den Anschlußtreffer (38.). Trotz Videogucken gaben die Unparteiischen den Treffer, während manche unter den Eisbären-Fans eine Behinderung von Vehanen gesehen haben wollten. Ein Überzahl-Spiel der Berlin in den letzten Spielminuten des zweiten Drittels, Parick McNeill schmorrte wegen Beinstellens auf der Strafbank, bliebt ungenutzt.

Die Berliner hätten den Sack zumachen können, spielten aber "ihren Stiefel" (Krupp) runter.

© Foto: Joachim Lenz, 2015Das letzte Drittel bot zwar jede Menge Körereinsatz (46, 55. 58. und 60.), Kopfarbeit, heraus ragte ein klug vorgetragener Angriff der zweiten Reihe mit Marcel Noebels, Darin Olver und Barry Tallackson (54.), und zwei hitzige Schlussminuten, weil der Meister der Saison 2013/14 gegen die drohende Niederlage ankämpfte (eine Strafzeit von Müller (58.), jugendlichen Leichtsinn geschuldet, und die Herausnahme von Pielmeier sorgten für ein Verhältnis von sechs Angreifer gegen vier Verteidiger plus Torhüter, doch die Scheibe landete nicht mehr im Berliner Tor. Keine Frage: „Am Ende war es eng“, formulierte Krupp auf der anschließenden Pressekonferenz.

Die Eisbären landeten trotzdem auf dem ersten Platz, wollen dort bleiben und am kommenden Sonntagnachmittag in Hamburg gegen die Freezers gewinnen.