Leise Töne bei den Eisbären vor Saisonbeginn – Der neue Trainer Jeff Tomlinson muss mit einer kaum verstärkten Mannschaft klarkommen

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Während Manager Peter John Lee zwar von „neuen Zielen“ nicht nur in der DEL, sondern auch beim Finale in der European Trophy in der heimischen O2-Arena sprach, aber diese nicht näher benannte, meinte Cheftrainer Jeff Tomlinson, man wolle ein „Topteam in der DEL“ und eine der besten Mannschaften in Europa sein!

Vom achten Titelgewinn, dem vierten hintereinander, war beim DEL-Rekordmeister nicht die Rede!

In der Ära des Meistermachers Don Jackson, unter dessen Fitttichen die Eisbären in sieben Jahren fünf Titel eroberten und eine Dominanz ausstrahlten, war es zur Standardformulierung geworden: Ja, wir wollen Erster in der Hauptrunde sein und ja, wir wollen natürlich die Meisterschaft verteidigen!

Der US-Amerikaner mit glanzvoller NHL-Vergangenheit aber wollte im Frühjahr die Option auf Vertragsverlängerung nicht einlösen. Die letzten zwei Meisterschaften hatten auch ihm das Letzte an Nerven und Durchhaltevermögen abverlangt. Obwohl die Konkurrenz personell besser bestückt schien und das eigene Team durch Ausfälle und nicht immer gelungene Ergänzungen in der Vorrunde manch schwache Vorstellung ablieferte, präsentierten sich die Eisbären im entscheidenden Moment topfit.
Jackson heuerte jenseits der Alpen bei Red Bull Salzburg an. Sein Erbe in der deutschen Hauptstadt hat sein einstiger Assistent Tomlinson angetreten. Nach zwei kurzfristigen Stationen als Chefcoach zuvor in Düsseldorf und Nürnberg.
Nicht nur deswegen hat die Umfrage unter den DEL-Trainern nach den Meisterschafts-Favoriten diesmal die Eisbären nicht eindeutig auf Rang eins ergeben. Tomlinson spricht einschließlich der Eisbären von „sechs Mannschaften, die Chancen auf die Meisterschaften haben“. Insider sehen Köln, Mannheim und Berlin am aussichtsreichsten.

Bei der Beurteilung der Leistungsstärke fließt natürlich die Qualität des aktuellen Kaders ein. Und da scheinen die Berliner kaum noch Vorteile zu haben. Neben dem Wechsel auf zwei Verteidiger-Positionen (Borer/ Lalonde neu) und der Verpflichtung des Stürmers Kris Sparre aus Ingolstadt sowie dem Burn-Out des wichtigen Defensiv-Spezialisten Constantin Braun hat es keine wesentlichen Änderungen gegeben.

Von dem halben Dutzend Nachwuchs-Akteuren, die sich in der Vorbereitung inklusive der Euro Trophy zeigen konnten, machte der Südtiroler Alex Trivellato den größten Leistungssprung. Der 20-jährige Verteidiger, italienischer Junioren-Auswahlspieler, erhielt so überraschend die achte Ausländer-Lizenz. Elf davon darf jeder DEL-Club davon vergeben. Im Spiel selbst können neun eingesetzt werden.

Die anderen Eigengewächse – Henry Haase, Thomas Supis, Vincent Schlenker, bereits im Meisterteam eingesetzt – werden bei Bedarf in DEL-Partien eine Chance bekommen. Oder dann in der DEL II in Dresden Erfahrungen und Spielpraxis sammeln können.

In der rund fünfwöchigen Vorbereitungsperiode hat Tomlinson in den Aufstellungen viel experimentiert. Und "in der Euro Trophy gute und weniger Auftritte geliefert. Die Absicht war, topfit in die DEL-Saison zu gehen und da sind wir voll im Plan".

Zum Kapitän wurde wie in der Vorsaison der Berliner und deutsche Nationalspieler Andre Rankel gewählt. Seine Assistenten sind Jimmy Sharrow (USA) und der eingedeutschte Kanadier TJ Mulock.

Derweil vermeldete Billy Flynn, zweiter Geschäftsführer neben Lee und zuständig für das Marketing, neben neuen Sponsoren ein neuer Vereinsrekord beim Verkauf von Dauertickets: Trotz der Querelen um die Preisgestaltung im letzten Jahr wurde diese Marke um rund 300 auf nun 4424 gesteigert. Die Eisbären hätten damit – so Flynn stolz – ihren Status als "sportliches Aushängeschild der Hauptstadt" bestätigt.

Ob man das am Freitag in Ingolstadt oder beim ersten Heimspiel am Sonntag (16.30 Uhr) gegen Iserlohn bestätigen kann, bleibt abzuwarten. Denn die stärkste Formation steht wegen Verletzungen nicht auf dem Eis.

Ob aus dem Beginn eines neuen Abschnitts in der Vereinsgeschichte der Start in eine neue Ära wird, lässt sich erst sagen, wenn unter das Spieljahr ein Bilanzstrich gezogen wird.

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