Hohn in Berlin und Galgenhumor bei den Eisbären

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Todesstrafe
Ein Galgen. Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Ja, ist denn die Saison schon vorbei? Dass den Veranstaltern des Hauptstadteishockey genannten Käses der Kufenkurver in der Mehrzweckshalle an der Spree schon Wurst ist, denn die beweisen das bereits damit, dass sie diese, ihre offensichtliche Meinung bei Gegentoren laut ins Publikum posaunen, das sagt alles.

Vielleicht soll das auch grenzenlose Witzigkeit und also Galgenhumor sein. Genaueres weiß man wie so oft beim Anschutz-Konzern und seinen Teilen, zu denen auch die EHC Eisbären Management GmbH gehöre, wie es heißt, nicht. Der Konzern hinkt in seiner Öffentlichkeitsarbeit weit hinterher. Beispielsweise lässt er aktuell auf „Xing“ verkünden, dass seine 11 bis 50 Mitarbeiter „sportlich momentan in der DEL sogar das Maß aller Dinge“ seien. Super!

Zitat: „Sieben Meistertitel und ein Pokalsieg in den letzten neun Jahren… Die Eisbären Berlin haben sich nicht nur als Spitzenteam im deutschen Eishockey etabliert, sondern sind sportlich momentan in der DEL sogar das Maß aller Dinge. Manager Peter John Lee schuf eine einmalige Entwicklungsstruktur für junge Spieler, weshalb in den letzten Jahren weit mehr als zehn Spieler über die Eisbären zu ihrem ersten Einsatz in der deutschen Nationalmannschaft kamen.

2009/10 stellten die Eisbären mit 123 Punkten einen neuen Vorrundenrekord auf und hatten damit 25 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten. In den Play-offs war allerdings schon im Viertelfinale Endstation. Denkbar knapp unterlag man dem späteren Vizemeister Augsburg mit 2:3 Siegen.“

Mehr Galgenhumor geht nicht, oder? Immerhin stimmt Augsburg. Gegen die Panther lieferten die Eisbären in Berlin ihre letzte Pleite mit Pech und Pannen ab, es war die fünfte Heimspielniederlage in Folge.

Schön war die Zeit, zuletzt nur mit Uwe Krupp. Seine letzte Saison erinnerte an die „sieben Meistertitel und ein Pokalsieg in den letzten neun Jahren“. Das scheint man jedenfalls bei der „Berliner Morgenpost“ zu meinen. Macel Stein, der nicht gerade für Galgenhumor bekannt ist, hält unter der Überschrift „Mit Uwe Krupp wäre die Eisbären-Krise nicht passiert“ (23.12.2018) fest: „Krupp wollte bei den Eisbären bleiben. Das Gefühl aber, dass die auch mit ihm weiterarbeiten mochten, verlor er mit der Zeit.“ Dann zitiert Stein, der mit Krupp scheinbar durch die Prager Altstadt spazierte, den Vizemeister-Trainer, der ein erneutes Angebot als Bundestrainer abgelehnt haben soll: „Es war irgendwann absehbar, dass es in Berlin nicht weitergeht.“

Dass es bei den Eisbären Berlin nach der Entlassung von Clément Jodoin auch mit Stéphane Richer als Trainer nicht lange weitergehen werde, das wurde dieses Mal von Anfang an mitgeteilt und Richer vom Fleck weg als Interimstrainer von den dafür Verantwortlichen vorgestellt, der zu Beginn seines ersten Spiels als Coach seiner Eisbären-Mannschaft gegen Augsburger Panther laut Philip Häfner in der „Berliner Morgenpost“ (21.12.2018) „nervös … von einem Bein auf das andere“ wippte. Aha oder besser haha.

Offensichtlich wird Galgenhumor bei der „Berliner Morgenpost“ in Bezug auf die Berliner Eisbären groß geschrieben. Dass man Richer für jemanden halte, der den Schrott, den er einkaufte, nun auch noch selbst trainieren müsse, dass steht allerdings nur im WELTEXPRESS und zwar in dem Beitrag Erschreckend schwach im Angriff und also erneute Niederlage für die Eisbären oder „völlig Wurscht“ von Ansgar Eismann.

Auch beim „Tagesspiegel“ spielt man nicht die Schrott-, sondern die Nervös-Karte – eine Arschkarte ist das allemal -, macht allerdings auch auf Hohn. David Joram erwähnt unter „Eisbären Berlin verlieren fünftes Heimspiel in Folge“, wie Richer „seinen Oberkörper hin und her“ wiege und „sein blauer Pullover“ mitwoge, „weshalb Richer gut zu erkennen war neben all den anderen Funktionären in ihren dunklen Anzügen“. Wenn das nicht Spott ist, was dann?

Sicherlich, es ist wohlwollende Feder, denn in Wahrheit war es nicht der wallende Pullover, der sich wiegte, sondern der sichtlich fettleibige Richer, der wankte, aber nicht fiel. Hin und zwar aufs Eis und wieder mal auf die Fresse fielen seine Spieler.

Anderen fiel die Fettleibigkeit der Mannschaft auf, also und genauer gesagt: sie monierten eine mangelnde Fitness. Zwar notiert Jörg Lubrich in der „B.Z.“ (21.12.2018), dass der Kanadier Richer bei der Heimniederlage gegen die Augsburger Panther „mit blauem Wollpullover …. locker und ruhig hinter der Bande“ gestanden hätte, aber ihm, Lubrich, fielen vor allem „dumme Fouls“ auf sowie „ungenaue Schüsse, Fehlpässe und ein ganz langsames Aufbauspiel“. Lubrichs Fazit: „Man wird auch den Eindruck nicht los, dass die Berliner Profis nicht fit sind.“ Ob „Die Fitness … Richers größtes Eisbären-Problem“ ist, wie der Autor einen Tag später titelte, daran scheint er selber nicht zu glauben, wenn er wenig später davon schreibt, dass die Eisbären „dahinter noch eine ganze Reihe weiterer Schwächen“ hätten. Er zählt neben Fitness „Technik“, „System“, „Selbstvertrauen“ und „Führungsspieler“ auf. Das Führungspersonal und also den Hof lässt der Journalist, der dorthin eingeladen wird, also außen vor.

Auch der Hohn war schon mal besser in Berlin.

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