Hilfe für Haiti wird auch von Bonn aus koordiniert: Bis zu 500 Kinder und Jugendliche der Straßenkinderzentren und Schulender Salesianer hatten keine Überlebenschancen

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222 UNO-Freiwillige waren zum Zeitpunkt des Erdbebens in Haiti im Einsatz. Flavia Pansieri, Leiterin des Freiwilligenprogramms der Vereinten Nationen, wies in Bonn darauf hin, dass zwar aktuell noch das Schicksal von 71 Personen unklar sei, dies aber auch an der schwierigen Kommunikation liegen mag. "Wir bleiben voller Hoffnung."

Keine Überlebenschance hatten dagegen nach Auskunft von Don Bosco Jugend Dritte Welt bis zu 500 Kinder und Jugendliche, die in den Straßenkinderzentren und Schulen der Salesianer betreut wurden. "Wir müssen komplett von vorne anfangen, denn es ist wirklich alles kaputt", schildert Pater Pierre Lephene per E-Mail die Lage in Port au Prince. Die Soforthilfe der Don Bosco Familie werden von der Geschäftsstelle in Bonn und von New Rochelle (USA) aus koordiniert. Die UNO und andere große Hilfsorganisationen sind eingebunden.

Im Verbund sind auch die Mitglieder des Bündnisses Aktion Deutschland Hilft, das 2001 in Bonn von zehn deutschen Hilfsorganisationen gegründet wurde, im Einsatz für Haiti. World Vision verteilt Hilfsgüter, Handicap International bereitet Nahrungsmittelverteilungen vor. Die Malteser leisten medizinische Hilfe, ebenso die Mitgliedsorganisation ADRA, deren Krankenhaus das einzige noch funktionstüchtige Hospital in der Hauptstadt Haitis ist. Doch auch dies ist völlig überlastet und Medikamente inzwischen Mangelware. HELP bringt zusammen mit action medeor ein Health Kit mit Medikamenten auf den Weg nach Haiti, der ASB und die Johanniter entsenden so genannte Assessment Teams, die vor Ort ermitteln, welche Hilfeleistungen am nötigsten sind.

Das Technische Hilfswerk (THW) mit Sitz in Bonn hat Trinkwasserexperten entsandt, deren Anlagen mindestens 30 000 Menschen mit Trinkwasser versorgen können. Darüber hinaus unterstützt ein THW-Team auf Ersuchen des Auswärtigen Amtes die Botschaft bei der Koordinierung der deutschen Hilfe. In der Dominikanischen Republik unterstützt ein THW-Logistiker das Welternährungsprogramm (WFP). Die Vereinten Nationen haben in Santo Domingo einen Stützpunkt für die logistische Versorgung der Erdbebenregion eingerichtet

Auch die in Bonn ansässige Welthungerhilfe ist vor Ort und hat mit der Verteilung von Trinkwasser begonnen. Zwar sorgen lokale Polizisten für Sicherheit, doch nach Schilderung von Michael Kühn, Regionalkoordinator der Welthungerhilfe in Haiti, sei die Lage in Haiti nicht von Gewalt gekennzeichnet. "Die Sicherheitslage ist erstaunlich ruhig, Plünderungen kommen nur sehr vereinzelt vor", sagt Kühn. "Die Menschen sind immer noch traumatisiert. Sie schildern das erlittene Leid erschreckend emotionslos. Trotzdem wollen die Haitianer mit anpacken und tun alles, um sich und andere aus dem Elend zu befreien. Doch ohne Hilfe von außen geht es nicht." Die Welthungerhilfe ist seit 1974 in Haiti tätig und arbeitet dort zurzeit mit sechs deutschen und 105 haitianischen Mitarbeitern.
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