FEAST Thessaloniki – Zukunftsplanung beim Abendessen

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Argyro im ”˜ApoDec”˜ Projektraum in Thessaloniki. © EUdyssee

Das Konzept ist schnell erklärt: Einen Monat vor jedem Event ruft FEAST Thessaloniki dazu auf, Projektskizzen einzureichen. Die besten Unternehmer in spe erhalten die Möglichkeit, ihre Idee im Rahmen einer Veranstaltung zu präsentieren, die kreativen Austausch mit einem lockeren Abendessen verbindet. Die Teilnehmer bezahlen 10 Euro Eintrittsgeld. Speisen und Getränke werden von Sponsoren bereitgestellt. Menschen essen, reden, hören sich Ideen an, erläutern ihre Meinung und tauschen sich aus. Dann wird abgestimmt – geheim und demokratisch – und die Gewinner-Idee wird unterstützt mit dem Geld, das durch den Eintritt zusammengekommen ist. Um Transparenz zu wahren, muss der gewählte Sieger auch an der nächsten Veranstaltung teilnehmen und offenlegen, wofür er das Geld verwendet hat.

Inspiration – Austausch – Handlung

„Feast wurde im letzten September auf meinem Balkon geboren, als Niki und ich für ein paar Drinks zusammen saßen“, erinnert sich Argyro. „Ich war gerade aus Berlin zurückgekommen, wo ich eine Ausstellung besucht hatte über Kultur im öffentlichen Raum und wie Kulturinstitutionen das Stadtbild prägen.“ Dort erfuhr sie vom amerikanischen Projekt Detroit Soup. Beide mochten die Idee so sehr, dass sie sich dazu entschlossen, sie nach Griechenland zu bringen.

Argyro im `ApoDec` Projektraum in Thessaloniki. © EUdysseeMit Erfolg. Zwei Veranstaltungen sind bereits über die Bühne gegangen und im September geht das Projekt in die zweite Phase. „Wir werden eine genaue Analyse der ersten Events vornehmen und darauf basierend unsere weitere Strategie ausrichten. Wir werden das schriftlich festhalten und uns genaue Vorstellungen darüber machen, wie wir das ganze weiterführen“, erklärt Niki.

Die Feast-Events kombinieren das Konzept des sogenannten Online-Crowdfundings, bei dem Startups und Projekte sich auf einer Webseite präsentieren, um öffentlich für finanzielle Unterstützung zu werben, mit der Idee des Netzwerkens. „Unser Hauptanliegen ist die Finanzierung der Projekte“ , sagt Niki. „Aber Netzwerken steht sicherlich an zweiter Stelle, denn auch wenn nur einer am Ende mit dem Geld nach Hause geht, kommen die Teilnehmer in Kontakt mit anderen Leuten aus der Kreativwirtschaft und so ergibt sich eine Eigendynamik.“

Zweifelsohne ist die Zusammenführung verschiedener Kompetenzen ein wesentlicher Faktor in der Kreativwirtschaft. Viele arbeiten allein. Und wenn Aufgaben wie Projektmanagement, Finanzierung oder Marketing nicht die nötige Aufmerksamkeit erhalten, kann selbst die beste Businessidee scheitern. Wenn aber ein gutes Geschäftskonzept auf professionelle PR stößt, besteht weitaus mehr Aussicht auf Erfolg.

Der kreative Boom der Krise

Niki nimmt Teil am kreativen Boom in Thessaloniki. © EUdysseeNeben Braindrain, Arbeitslosigkeit und den Absurditäten politischer Fehlentscheidungen hat die Krise (nicht nur) in Griechenland auch zu einer neuen Denkart geführt. „In schwierigen Zeiten musst du kreativ sein“, erklärt Niki, und Argyro wirft ein, dass sich auch die Einstellung bezüglich der Höhe von Investitionen verändert hat. „Man denkt nicht mehr an hunderttausende von Euros. Man konzentriert sich auf das Wesentliche, auf Dinge die am Großradar vorbei in deiner eigenen Umgebung passieren. Ich sehe z.B. dass Konzerte, Veranstaltungen oder Ausstellungen zunehmend an Qualität gewinnen. Ich denke, dass der Trend in die Richtung local und live geht, dass man Teil seiner Gemeinschaft sein und zusammen Erfahrungen sammeln will.“

Argyro, die lange im Bereich Kulturmanagement tätig war und Niki, die einen Postgraduierten-Abschluss in European Urban Culture in der Tasche hat, scheinen ein Konzept nach Griechenland gebracht zu haben, das eine große Lücke füllt. FEAST Thessaloniki wurde bereits nach Athen, Katerini, Veria und Kreta eingeladen.

Dies macht deutlich, dass viele Griechen sich auf die Zukunft konzentrieren; eine Zukunft IN Griechenland. Viele Menschen sind gut ausgebildet, sind gereist, haben im Ausland studiert und kommen zurück mit Ideen, die individuelle Wege aus dem wirtschaftlichen Chaos und der finanziellen Abhängigkeit bereithalten. Gleichzeitig bieten Konzepte wie FEAST Thessaloniki eine Umgebung, in der diese Ideen gedeihen können und – vor allem – die Unterstützung finden, die sie benötigen.

 Finanzierung und Netzwerken. Die `FEASTS’ sprechen viele Ebenen an. © John SimitopoulosAllem voran aber geben Niki und Argyro Unternehmern neue Perspektiven, die über den Faktor der Finanzierung weit hinausgehen. Ihr Konzept vereint Kreativität, verantwortungsbewusste Wirtschaft, lokale Bedürfnisse und demokratische Werte. Dennoch scheinen die Europäische Union und der griechische Staat immer noch auf Milliardeninvestitionen von global agierenden Unternehmen zu warten.

Und während sie warten, versäumen sie Verwaltungshürden abzubauen und Menschen zu unterstützen die willens sind und die Fähigkeiten besitzen, kleine aber funktionale Geschäftsmodelle zu verwirklichen. FEAST Thessaloniki will dabei nicht das Rad neu erfinden. Niki und Argyro halten lediglich ihre Augen offen, hören zu, registrieren das, was bereits besteht und bringen Menschen zusammen – eine simple Strategie mit dem Potenzial, viele jener Probleme zu lösen, die unsere gewählten Vertreter seit Ausbruch der Krise einfach nicht in den Griff bekommen.

Weblinks

FEAST Thessaloniki: http://feasthessaloniki.wix.com/feasthessaloniki

Detroit Soup: http://detroitsoup.com

ApoDec project room: https://www.facebook.com/apodecdesign/info

Crowdfunding (Beispiel) https://www.indiegogo.com

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