Männer, Meer und Musik – „Billy Budd“ Opernaufführung in der Deutschen Oper Berlin

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© Foto: Markus Lieberenz, 2014

Mitten im Krieg – rauhes Matrosenleben. Ein jeder an Bord liebt platonisch den süßen, herzensguten und gut aussehenden Billy Budd. Ein Vorgesetzter verliebt sich jedoch so tief in ihn – das kann nicht sein, das darf nicht sein. Um seine Gefühle für ihn unter Kontrolle zu bekommen, muss Billy Budd sterben. Hierfür fädelt der fiese Claggart eine bösartige Intrige ein, die Billy Budd der Meuterei bezichtig. Billy Budd wird gehängt.

Eine Oper ohne Frau? Nur Männer? Es ist überwältigend, wenn sowohl die Chöre in geballter Form als auch Einzelszenen gesungen werden, wie z.B. der  zu Tränen rührende Abschiedsarie Billy Budds, gesungen vom hierfür preisgekrönten, jungen John Chest. Der Bösewicht John Claggart, interpretiert vom herausragenden Gidon Sacks singt seine Versuchungen und Intrigenspinnereien in dramatisch aufschreckender, eingehender Art.

Die Inszenierung David Aldens von „Billy Budd“ in der Deutschen Oper kann nur als herausragend bezeichnet werden. Eine hochkarätige Besetzung von international renommierten, preisgekrönten Sängern unter der musikalischen Leitung von David Runnicles, ebenfalls von höchster, internationaler Reputation, ist herzergreifend und durchdringend. Das Orchester spielt die exzellente Musik Brittens herausragend. Begleitet werden sie vom Orchester der Deutschen Oper, dem Herrenchor, den Herren des Extra-Chors und dem Kinderchor der deutschen Oper.

2014 ist Homophobie ein ganz großes Thema. In der ganzen Welt werden Homosexuelle eingekerkert, aufgehängt und erschossen. Kampagnen und Aufschreie dagegen finden in Form des Welttags der Antihomophobie und  die Wahl des homosexuellen Transvestiten „Conchita Wurst“ zur Siegerin des Eurovision Song Contests statt – alles deutliche Proteste gegen die zunehmende Homophobie weltweit.

Ob es jetzt in der Absicht der  Intendanz lag, mit der „schwulen“ Männeroper „Billy Budd“ von Benjamin Britten sich in diesen Reigen der Proteste einzureihen sei dahingestellt. Die geballte Manpower in Lederkluft und Uniformen erinnert sehr an das Schwulenoutfits in der Szene – an Bord und im Krieg ein Must.

Der Brite Benjamin Britten (1913-1976), Verehrer des britischen Komponisten  Henry Purcell, ist einer der größten Komponisten des 20. Jhdt. Der Pazifist emigrierte während des 2. Weltkrieges und schuf  bedeutende Werke wie die Oper „Peter Grimes“ oder das berühmte „War Requiem“. Er wuchs am Meer auf und das rauhe englische Meeresklima prägte seine Kompositionen.

Als Homosexueller und Pazifist fühlte sich als Außenseiter. Er war „schwul“ und lebte es öffentlich, obwohl die Homosexualität in Großbritannien erst 1967 legalisiert wurde. Er und sein Lover Peter Pears wirkten so konservativ, dass niemand auf die Idee kam, sie sexuell zu assoziieren.

Benjamin Britten kann jedoch auch ohne die Hintergrundsbeleuchtung seiner und Homosexualität insgesamt genossen und verstanden werden.

Es handelt sich um eine Koproduktion der English National Opera und dem Bolschoi Theater.

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