Berlin, BRD (Weltexpress). Diese schockierenden Bilanz von Massakern am Arbeitsplatz zog der Generalsekretär der CGIL, Maurizio Landini, auf der Plattform Collettiva der Gewerkschaft zum Weltgesundheitstag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 28. April 2026. Sie stürzen von hohen Gerüsten, kommen unter Traktoren um, durch Hitze, Erschöpfung, durch das hohe Arbeitstempo, werden in Maschinen gezogen, von herabfallenden Materialien getroffen oder auf dem Betriebsgelände von Lastwagen und Gabelstaplern überfahren. Es ist der Mangel an Kontrolleuren, der es vielen „Chefs“ ermöglicht, wegzusehen, sich zu bereichern, Zeitarbeiter zu bedrohen und die Angestellten von Subunternehmern zu ignorieren, so Landini, der hinzufügte, dass weitere Todesfälle durch Berufskrankheiten hinzukommen, auch nicht die Verletzten gezählt werden, von denen es jedes Jahr.
Zehntausende gibt. Oft erleiden sie dauerhafte Verstümmelung oder Behinderung, werden von grausamen Tumoren geplagt, deren arbeitsbedingter Zusammenhang schwer nachzuweisen ist. Oft sterben auch sie am Ende eines langen Leidens, verursacht durch die Krankheit, doch sie tauchen in keiner offiziellen Statistik der Arbeitsunfälle auf. Das Leben ganzer Familien ist von Ereignissen geprägt, die praktisch nicht gemeldet werden, außer in den regelmäßigen Berichten des Instituts für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten INAIL.
Ein stiller Killer ist außerdem Asbest. Der Kontakt mit einer der gefährlichsten und am weitesten verbreiteten Substanzen des 20. Jahrhunderts fordert laut WHO weltweit jährlich über 200.000 Todesfälle. Der 28. April wird deshalb auch als Welttag der Asbestopfer begangen. Todesfälle durch Asbest zählen zu den schwerwiegendsten ungelösten globalen Gesundheitsnotständen“, betont die Nationale Asbestbeobachtungsstelle (ONA) in einer Erklärung. In Italien ist die Lage mit Jährlich etwa 10.000 neuen Fällen von asbestbedingten Erkrankungen und 7.000 Todesfällen besonders dramatisch. Asbesthaltige Materialien sind, wie ONA erklärt, auch heute noch in Wohnhäusern, Schulen, Krankenhäusern, Bibliotheken, Sportanlagen und sogar in Wasserleitungen sowie in zahlreichen Produktionsstätten und Industrieanlagen vorhanden, darunter befinden sich die Streitkräfte – insbesondere Marine, Heer und Luftwaffe – und andere Regierungsbehörden.
Schwere Gesundheitsschäden verursacht im süditalienischen Taranto das größte Stahlwerk Europas, die Acciaierie Ilva, einer der größten Umweltverschmutzer Italiens. Dioxine, Schwefeldioxid und andere tödliche Gifte entweichen aus den Schornsteinen des 15 Quadratkilometer großen Werks, die Bewohner der Region leiden überdurchschnittlich häufig an Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, bösartigen Tumoren und Leukämie, Tausende Arbeiter und Anwohner erkrankten an Krebs, 2024 zählte man 400 daran Gestorbene. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilte den italienischen Staat 2019 und t 2022, weil er Leben und Gesundheit der Ilva-Arbeiter nicht ausreichend geschützt hatte.
Alarmierend ist, so wird seitens der CGIL betont, der wachsende Anteil von Toten bei Arbeitsunfällen im Alter von über 60 und sogar 70 Jahren, die arbeiten müssen, weil die Rente nicht zum Leben reicht. 2025 entfielen, wie dem Jahresbericht von INAIL in Bologna zu entnehmen war, 323 Todesfälle am Arbeitsplatz auf Personen über 60 Jahren. 164 waren älter als 70 Jahre. Dieser Personenkreis arbeite, so hieß es, trotz der erhöhten Risiken weiter, weil die soziale Lage dazu zwingt, oft sogar illegal – und zwar in fast allen Branchen. Schon mit 60 oder 65 Jahren kann man nicht mehr so auf einer Baustelle arbeiten wie mit 20 oder 30. Collettiva führte aus einer langen Reihe solcher Unfälle den eines 66jährigen Rentners in Ceccano bei Frosinone an, der mit seiner viel zu niedrigen Rente nicht leben konnte und von einem Baugerüst in etwa 900 Meter Höhe stürzte. Er war sofort tot. In Palermo kam ein Rentner ums Leben, als er im Policlinico-Krankenhaus von einem Gerüst stürzte.
Landini hatte in seinen Ausführungen zum Jahrestag am 28. April 2026 daran erinnert, dass in der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember 2007 bei ThyssenKrupp in Turin in den Lagerhallen am Corso Regina sieben Arbeiter an schrecklichen Verbrennungen starben oder kurz vor dem Tod standen. Danach setzten die Gewerkschaften das umfassende Arbeitsschutzgesetz, Gesetz Nr. 81 von 2008 durch, das, wie die jüngste Entwicklung zeigt, kaum etwas geändert hat. Baustellen, Fabriken, Felder und Straßen sind weiter mit Blut getränkt.
„Es muss Schluss sein“, so der CGIL-Generalsekretär, dass unter solchen Bedingungen gearbeitet werden muss, und verlangte Artikel 1 der Verfassung müsse „das Fundament der Republik und nicht eine Todesfalle“ sein. Dazu fordert die CGIL seit Jahren, die Tötung am Arbeitsplatz unter Strafe zu stellen. Denn nur so könne auf die Unternehmer eingewirkt werden, Maßnahmen zur Sicherheit am Arbeitsplatz zu ergreifen.
Anmerkung:
Siehe die Beiträge
- Italien: Tötung am Arbeitsplatz vor Gericht – Agrarunternehmer „entsorgte“ schwerverletzten Landarbeiter im Lieferwagen von Gerhard Feldbauer
- Ausländische Arbeitskräfte protestieren in Italien gegen ihre unmenschliche Behandlung – Sie forderten gleiche Arbeitsbedingungen und die Achtung ihrer Menschenrechte von Gerhard Feldbauer
im WELTEXPRESS.
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