Der Stummfilm wird im Sommerkino der Bundesstadt Bonn wieder quicklebendig – Ein sensationeller Fund einer Kopie in Buenos Aires verspricht überraschendes Kinoerlebnis

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Die Internationalen Stummfilmtage – 26. Bonner Sommerkino 2010 sind eine Veranstaltung des Fördervereins Filmkultur Bonn e. V. in Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum München. Gefördert wird das Festival in diesem Jahr von der Stadt Bonn, der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen und dem BKM – Filmförderung des Bundes.

Ja, sie sind etwas Besonders, diese Stummfilme, die ein ganz anders Kinogefühl vermitteln und eine eigene Aktualität, Neben der Aktualität neu gefundener oder restaurierter Stummfilme ist ebenso die programmatische Vielfalt Markenzeichen des Festivals, das jetzt bis zum 22. August im Arkadenhof der Bonner Universität nicht nur bekannte Titel, sondern auch Fragmente, Kurzes und Überraschendes zeigt. Dieses Festival lässt die Geburtsstunde des Films aufleben, für die jüngere Generation eine Überraschung nach der anderen. Und Bonnerinnen und Bonner, sowie Gäste aus nah und fern wollen sich dieses Festival nicht entgegen lassen. Die Pressestelle der stadt Bonn informiert sehr ausführlich über die Filme, die auf dem Programm stehen.

Dazu gehören etwa der chinesische Stummfilm "Poet from the sea" und die verrückte japanische Komödie "Horror 100 000 000 Yen" von Tatsuo Saito. Unbekannte, frühe Werke später bekannter (Tonfilm-)Regisseure harren ihrer Entdeckung: Josef von Sternberg, der später Marlene Dietrich zum Star machte, drehte sein Erstlingswerk "Die Heilsjäger" mit Minimalbudget. Vor allem für den innovativen Einsatz von Licht und Schatten, der zu einem seiner Kennzeichen werden sollte, erntete er großes Lob. Auch der Dokumentarfilm "Grass" über iranische Nomaden könnte eine kleine Sensation werden. Die Filmemacher Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack sind keine geringeren als die Regisseure von "King Kong und die weiße Frau", der Mutter aller Monsterfilme. Ebenso versteckt sich hinter dem Titel "Fiaker Nr. 13" ein großer Name: Mihály Kertész schuf als Michael Curtiz den Evergreen "Casablanca".

Géza von Bolváry – ein Name, der Fachfremden wenig sagt. Dabei gehörte der Ungar zu den Regieprofis des europäischen Kinos der 1920er- bis 1950er-Jahre. Als Hommage an Bolváry werden der hintersinnig-schauerliche Krimi "Der Geisterzug" und die Slapstick-Komödie "Königin der Vagabunden" gezeigt.

Ebenso vor dem Vergessen bewahrt wurden die Kurzfilme von Max Davidson, der unter anderem an der Seite von Stan Laurel und Oliver Hardy spielte. Über das Restaurationsprojekt spricht Stefan Drößler, Leiter des Filmmuseums München, im filmhistorischen Rahmenprogramm. Zu sehen ist der Komiker Davidson außerdem in zwei Filmen: Neben der Stummfilmdiva Pola Negri in Mauritz Stillers "Hotel Stadt Lemberg" und im Kurzfilm "Kleine Geheimnisse".Alte Bekannte für die regelmäßigen Besucher der Stummfilmtage sind bereits berühmte Komiker wie Stoneface Buster Keaton oder der exzentrische W. C. Fields. In "Der Kameramann" zeigte Keaton noch einmal sein ganzes Talent, bevor die Produktionsfirma Metro-Goldwyn-Mayer seine kreative Freiheit entscheidend einschränkte. Und auch "Der geniale Erfinder" ist wohl der beste Stummfilm, den der Regisseur Gregory La Cava mit W. C. Fields realisierte.

Doch richtig, Stummfilm bedeutet aber nicht automatisch Slapstickkomödie, das wird spätestens mit der nächsten Präsentation klar: Victor Sjöström, einer der Leitfiguren der Blütezeit des frühen schwedischen Films, widmet sich in "Das Mädchen vom Moorhof" einem melodramatischen Stoff. Vorlage für die Verfilmung bildet erstmals ein Roman von Selma Lagerlöf, die sich bis dato geweigert hatte, ihre Bücher verfilmen zu lassen. Bis sie die Kunst Sjöströms kennen lernte.

Die Filme des Bonner Programms haben bei aller Unterschiedlichkeit eines gemeinsam: Sie werden live von renommierten Stummfilmmusikern wie Joachim Bärenz, Günter A. Buchwald, Neil Brand und Stephen Horne begleitet. Denn nur im Zusammenklang von Filmbildern und professioneller Musikbegleitung entsteht für den Moment das einzigartige Gesamtkunstwerk.

Weitere Informationen unter:www.film-ist-kultur.de

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