Das Leiden in den Buchläden und der Bankrott der KNV-Gruppe

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Bücherkasten in Berlin.
So und nicht anders: Ein Bücherkasten am Alex in Berlin, fotografiert am 22. November 2017. © 2017, Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Jetzt ist auch noch die KNV-Gruppe, die laut Koch, Neff & Volckmar GmbH eine „Drehscheibe für Medien und mehr“ sei, pleite. „Die Geschäftsführer der KNV Gruppe melden beim Amtsgericht Stuttgart Insolvenz an“, heißt es im „Börsenblatt“ (15.2.2019). Das war am 14.2.2019. „Am Tag zuvor waren Verhandlungen mit potenziellen Investoren endgültig gescheitert – Insidern zufolge soll es mehrere Interessenten gegeben haben,“ wird weiter mitgeteilt.

Laut „Deutschlandfunk“ (15.2.2019) seien „1.900 Mitarbeiter in Stuttgart und dem Logistikzentrum in Erfurt“ betroffen. Doch das dürften längst nicht alle sein.

Dass immer mehr und vor allem inhabergeführte Buchhandlungen aus deutschen Landen verschwinden, das ist nämlich nichts Neues. In manchen Städten in der Schweizer Eidgenossenschaft, der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland ist der Kahlschlag vollendet. In dieser Woche traf die Transformation auf dem Buchmarkt einen Branchenriesen. Auch neue Investoren genannten Geldgeber würden reinbuttern müssen und wenig rausholen können, auch wenn die Pleite zum Teil hausgemacht ist.

Dieser Bankrott der KNV-Gruppe mit Sitz in Stuttgart-Vaihingen ist für den Buchhandel von existenzieller Bedeutung. Darüber informiert Wolfgang Tischer im „Literaturcafe“ (14.2.2019) wie folgt: „Das ist zum einen das so genannte ‚Barsortiment‘. KNV agiert hier als Großhändler im Buchhandel. Das Unternehmen kauft von den Verlagen Bücher zum Großhandelspreis und verkauft sie auf eigene Rechnung an die Buchhandlungen. Das KNV-Barsortiment ist das Unternehmen, das dafür sorgt, dass der Buchhändler im Computer nachschauen und sagen kann: »Bis morgen kann ich Ihnen das Buch besorgen.« Mit einer eigenen Infrastruktur, den sogenannten Bücherwagen, beliefert das Unternehmen nach eigenen Aussagen über 5.600 Buchhandlungen über Nacht. Neben KNV gibt es nur zwei weitere relevante Konkurrenten im deutschsprachigen Bereich: die Firmen Libri und Umbreit.

Der zweite Unternehmensbereich von KNV ist die Verlagsauslieferung. Als Dienstleister übernimmt die KNV-Gruppe Lagerhaltung, Auslieferung und Rechnungserstellung für über 250 kleinere und größere Verlage wie beispielsweise Suhrkamp, Piper oder dtv.“

In der „Stuttgarter Zeitung“ (14.2.2019) heißt es dazu: „Der Großhändler fungiert als Bindeglied zwischen Verlagen und Buchhandlungen und hat nach eigenen Angaben rund 590 000 lieferbare Titel von mehr als 5000 Verlagen ständig auf Lager. Die Webseite nennt 5600 Buchhandelsfilialen als Kunden, davon rund 4200 in Deutschland. Auch bei der Distribution von E-Books, Spielen, DVDs, CDs, Kalendern und weiteren Artikeln mischt das Unternehmen mit.“

Ferner wird darauf hingewiesen, was die Spatzen in von den Dächern pfeifen. „In der Branche heißt es, ein Scheitern von KNV könne auch die Konditionen für die Buchhändler verschlechtern. Denn dann würden Libri und Umbreit große Teile des Geschäfts unter sich ausmachen.“

Simone Barrientos von der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag fordert daher laut Pressemitteilung vom 15.2.2019: „Wenn sich politisch nichts ändert, bleibt stets die Gefahr der Insolvenz. Monika Grütters hat der Buchbranche in den vergangenen Monaten immer wieder ihre Unterstützung zugesagt. Jetzt hat sie die Gelegenheit zu handeln: Es braucht eine konzertierte Aktion der Kulturministerien der Länder, der Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung, der Verlage und Großhändler sowie den Auslieferungen. Es muss eine Lösung gefunden werden, die die Marktstrukturen im Interesse der Vielfalt und der Freiheit des Wortes erhält.“

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