„Crystal Endeavor“: Vier führende Köpfe und ihr Schiff – Mit Enthusiasmus, Engagement und Empathie um die Welt

Kapitän Jan G. Rautawaara am Steuerpult der Crystal Endeavor. © Jan Rautawaara

Stralsund, Deutschland (Weltexpress). Der Zeitungs-Aufruf am vergangenen Donnerstag hat anscheinend gewirkt. Denn die Stralsunder kamen zwar nicht in Massen, aber doch ins Nautineum geströmt, um das jüngste Schiff aus der Produktion der MV Werften gebührend zu verabschieden.

Kapitän Jan Rautawaara und seine Crew haben sich dazu etwas einfallen lassen: An der Bordwand befestigten sie ein großes Transparent mit der Aufschrift „Stralsund – Endeavor – explore the world“. „Endeavor“ – aus dem Englischen übersetzt „Bemühung“. Sich darum bemühen, die Welt zu entdecken. Könnte auch das Schiffsmotto sein. Da die „Crystal“ ein Expeditionskreuzfahrtschiff und kein Liner ist, kann es schon mal beim Bemühen bleiben, wenn Wetterbedingungen das Anlaufen einer Destination verhindern sollten. Dann haben die führenden Köpfe an Bord neben dem Plan A auch einen B-, eventuell sogar einen C-Plan auf der Pfanne. Da kann eine Reise auch schnell mal zum Abenteuer werden. Damit das für die viel Geld bezahlenden Passagiere auch weitgehend kalkuliert bleibt, gibt es Menschen an Bord, die sich darum kümmern.

„Hyvää päivää! Guten Tag!“ und „Tervetuloa! Willkommen!“ wird man vom Master höchstpersönlich begrüßt. Kapitän Jan G. Rautawaara (51) aus dem westfinnischen Hafenstädtchen Porvoo/Borgas bedauert es in fließendem Deutsch, die beiden Stralsunder Gäste nicht an Bord „seines“ Schiffes begrüßen zu können: „Wir liegen in den letzten Zügen, das kann man niemandem zumuten!“ In der Tat: Überall wimmelt es vor und auf dem Expeditionskreuzfahrtschiff von Technikern, Handwerkern und Besatzung. Ein Kran schwenkt ständig hin und her zwischen Pier und Schiff. „Loading“ nennt die Crew das, wenn Proviant geladen wird. Rautawaara zeigt Fotos auf seinem Smartphone, auf denen man von Plastikfolie umhülltes Mobiliar sieht, mit Pappe ausgelegte Gänge und herumliegende Handwerksgeräte – Normalität vor der endgültigen Indienststellung. „Das wird auch noch während der Überfahrt nach Island so bleiben“, stellt er nüchtern fest, „denn die Jungs arbeiten bis zum Schluss an letzten Feinheiten“. Damit ist auch unser Wunschtraum geplatzt, die Jungfernfahrt nach Reykjavik vom 10. bis 15. Juli mitzumachen und darüber direkt von Bord zu berichten. Wir meinten, dass es während der noch passagierlosen Überfahrt jede Menge freie Kabinen gäbe. Von wegen! Wir dürfen uns das Stralsunder „Traumschiff“ wenigstens von der Pier aus ansehen, Kollege Christian Rödel sogar aus der Luft. Seine Drohne hat´s möglich gemacht.

Im Foyer des Werftgebäudes sitzen wir einem Mann gegenüber, der mit seinem Blick über die randlose Brille eher den Eindruck eines Intellektuellen macht, denn eines braungebrannten „Traumschiff“-Kapitäns, wie man sie aus den entsprechenden TV-Serien kennt. Keine goldenen Streifen, aber ein Schutzhelm mit der Filzer-Aufschrift CAPTAIN. Am 26. Juni, dem Tag der Taufe, sind die Uniform-Bilder von ihm durch die Medien gegangen. „Das reicht doch“, meint er bescheiden, der in eine Helsinkier Musiker-Familie hineingeboren wurde. Ein Großvater war Musikprofessor und Organist, der andere Cellist, Mutter Pianistin, Tante Opernsängerin und Vater Dirigent. Zuvor hatte der eine Karriere als Flugkapitän bei Finnair hingelegt, so dass Klein-Jan oft im Cockpit mitfliegen durfte. „Die vier Streifen haben wir also gemeinsam“, zwinkert er. Er selbst spielt Cello, Bassgitarre und Chapman Stick. Sowohl zur Unterhaltung der Passagiere als auch für die Crew. Nicht nur ein musikalisches Multitalent!

Jan Rautawaara als Schiffsjunge auf einem Kümo Anfang der 1980er Jahre. © Jan Rautawaara

PSW: Wie aber verlief Ihr seemännischer Werdegang?

Rautawaara: Immer, wenn ich als Junge in unserem Hafen einen Küstenfrachter gesehen habe, packte mich die Sehnsucht. Die Folge war, dass ich mit 15 Jahren zur See ging. Kleine Schiffe hatten es mir angetan, bis heute. 1999 hab ich mir dann das deutsche Küstenmotorschiff „Unterelbe“ gekauft. Bis jetzt mache ich sogar Urlaubsvertretungen auf solchen alten Dampfern. Absolut reizen würde mich auch die Viermastbark ´Sea Cloud`. Da muss ich noch mal rauf.

Jan Rautawaara am Ruder der Brigantine Swan fan Makkum. © Jan Rautawaara

PSW: Warum?

Weil man mit ihnen das Manövrieren lernt und natürlich auch echte Seemannschaft. Große Schiffe haben jeden Schnickschnack, so dass die Technik fast alles übernimmt. Die ´Crystal` ist zwar ein relativ kleines Schiff, aber bietet modernste nautische und navigatorische Hilfsmittel. Als Schiffs-Baby hat es zwar noch keine richtige Seele, aber das kommt mit der Zeit. Alte Zossen haben das, und das freut mich wiederum als Seemann.

Jan Rautawaara an Bord des Toppsegelschoners Vida 2001. © Jan Rautawaara

PSW: Auf was für Schiffen sind Sie so gefahren?

Rautawaara: Wie gesagt auf Kümos, dann Schlepper, RoRo-Frachter, Superyachten, ein privates Expeditionsschiff und Großsegler. Bei der finnischen Marine hab ich´s bis zum (lacht) Obermatrosen gebracht. Unglaublich viel Spaß hat mir die Fahrtzeit auf einem der letzten Frachtsegler in der Karibik gemacht. Wer erlebt das schon noch? Das war Seefahrt pur. Bis ich Anfang ´90 wieder die Bank der Steuermannsschule in Turku drücken musste. Was mich danach erwartete, war ein chinesisches Mafia-Spielbank-Schiff. 2009 bis 2013 war ich mit ´Mein Schiff 1` und ´Mein Schiff 2` unterwegs. Seitdem bin ich bei der Reederei Genting.

Jan Rautawaara am Ruder des eigenen Kümos MS Niederelbe 2013. © Jan Rautawaara

PSW: Welche Erfahrungen braucht man auf einem Expeditionskreuzfahrtschiff?

Rautawaara: Man muss unbedingt die Eisfahrt kennen, die sich grundlegend von der normalen Seefahrt in freiem Wasser unterscheidet. Ich bin viel im Winter an der finnischen Küste und auf dem Saimaa See gefahren. Bei der fast ständigen Dunkelheit ist alles schwieriger als im Sommer. Im Eis lernt man das Manövrieren und das Fahren auf Sicht mit Scheinwerfern. Das macht mehr Spaß, als wenn man quasi mit einer Playstation fährt.

PSW: Die ´Crystal Endeavor` hat die höchste finnisch-schwedische Eisklasse 1 A Super oder Polar Claas 6. Was bedeutet diese Zertifizierung?

Rautawaara: Die Stahldicke ist stärker, der Spantenabstand geringer und die Isolierung der Leitungen dicker. Unsere vier Wärtsilä-Motoren und zwei ABB-Azipods mit zusammen 20.000 PS liefern die notwendige Power.

Jan Rautawaara als Kapitän und Bass-Gitarrist von Mein Schiff 2. © Jan Rautawaara

PSW: Gibt es für Sie noch Traumziele?

Rautawaara: Reichlich! Zum Bespiel die Kerguelen im Südatlantik, die Nord-Ost- und Nordwest-Passagen, der Amazonas, ja, Arktis und Antarktis mit Kap Hoorn natürlich, aber auch der gesamte Pazifik.

PSW: Und jetzt zurück in den Nahbereich: Seit wann sind Sie in Stralsund und was haben Sie in der Zeit an Bord gemacht?

Rautawaara: Seit 2018 lebe ich mit meiner kroatischen Frau Ana-Marija samt unseren Hunden „Franky“ und „Samui von Hinkelstein“ in Andershof. Unser Hauptwohnsitz ist in der Schweiz, denn ich liebe die Natur, sowohl das Meer als auch die Berge. Hier hab ich die Bauüberwachung gemacht, war also Ansprechpartner im Auftrag der Reederei für alle beteiligten Firmen. So lernt man ein Schiff optimal kennen. Anschließend werde ich das Kommando in Reykjavik abgeben und ein Kollege übernimmt dann.

PSW: Am Samstag verlassen Sie die Geburtsstätte der ´Crystal Endeavor`. Was bedeutet das für Sie und Ihre Frau?

Rautawaara: Superschade, hier wegzugehen! Von hier in die Schweiz oder nach Finnland zu kommen, ist etwas unbequem. Aber wir werden die Stadt sehr vermissen! Ich hoffe jedoch, dass das zweite Schiff, dessen Maschinen und ein Deck bereits in der Halle stehen, bald einen Käufer findet und der Bau in Angriff genommen werden kann. Das würde dann mein Stammschiff werden – und wir wären wieder in Stralsund!

Crystal-Endeavor-Expeditionsleiter Boris Wise in zünftigem Outfit vor der Crystal Endeavor. © Foto: Christian Rödel, Aufnahme: Stralsund: 6.7.2021

Zum Beispiel Boris Wise (43), der seit seiner Jugend sportlich aktive Expedition Leader und Verantwortliche für alle Landgänge und deren Umfeld. Seine Kurzbiografie ist wahrlich bunt: geboren in Südengland als Sohn einer Französin und eines US-Amerikaners, aufgewachsen in Malaysia, Schule in der Wiege des Jazz New Orleans, Studium der Pflanzenökologie mit Bachelor-Abschluss. Dieser wissenschaftliche Hintergrund nützt ihm nicht nur beim Verstehen aller Geosysteme, sondern hat ihn auch gelehrt, Geduld und Verständnis für die Natur aufzubringen, dabei aber auch vorsichtig zu sein. Mit großer Leidenschaft zog er zehn Jahre als Wildnisführer durch Alaska, wo er mit Gästen zweiwöchige Floßtrips ohne Kontakt zur Außenwelt durchführte. „Da hab ich auch logistisch zu denken gelernt“, sagt er, „denn das ist wichtig für den Erfolg!“ Mit Bären und Walen lebte er dort auf du und du. Für die Fahrten entlang der Küste brauchte er auch einen Bootsführerschein, der ihm heute für die bordeigenen Zodiac-Schlauchboote zugutekommt.

Im Winter zog es ihn als Assistent in die Antarktis auf das russische Forschungsschiff „Akademik Joffe“, die auch schon die „Titanic“ erforschte, und 2010 kam er auf die „Crystal Esprit“, ein Kreuzfahrtschiff der neuen Reederei Crystal Yacht Cruises.

Boris ist einer, „der das Reisen liebt“, wie er lächelnd gesteht, „sowie andere Kulturen und ´weiße Flecken` entdecken will“. Das gilt auch für seine Freizeit, wenn er mal wieder in Colorado zu Hause ist. „Da kann ich Bergwandern, Skilaufen, Vögel beobachten und mit unserem VW-Bus auf Campingtour gehen“. Stillstand gebe es für ihn nicht. „Und meine Frau ist immer dabei, sogar hier an Bord als meine Assistentin. Sehr praktisch!“, findet er, „und nach zwei Monaten auf dem Schiff haben wir zwei Monate Ferien. Das passt“.

Wichtiger Teil seiner Arbeit ist die Kommunikation mit den Gästen, „wenn ich mal erklären muss, warum wir wegen eines Sturms nicht anlanden können“. Das gilt genauso für seine 20 Mitarbeiter, die aus Kajak- und Zodiacfahrern, Hubschrauberpiloten, U-Boot-Kommandant, Biologen, Geologen, Geografen und Historikern besteht. Sie halten als Lektoren auch Vorträge und führen natursensibel durch die besuchten Regionen. „Alle sind sie Teil der Expedition und sehr enthusiastisch“, erklärt Boris, „aber Konflikte, meistens Missverständnisse, entstehen trotzdem, und die gilt es im Vorfeld zu klären“. Sein Nachname Wise heißt übersetzt übrigens „weise“.

Zu Stralsund sagt er am Schluss nur drei bezeichnende Worte: „I love it!“

Crystal-Endeavor-Chef Andrew Jenkins posiert vor der Chrystal Endeavor. © Foto: Christian Rödel, Aufnahme: Stralsund: 6.7.2021

Adam Jenkins (35) ist waschechter Engländer mit dem typischen Birmingham-Slang: Statt „u“ wie „a“ zu sprechen, zum Beispiel bei „but-aber“ oder „cup-Tasse“ bleibt bei ihm das U zu hören. Dafür ist er umso fröhlicher und temperamentvoller. Ein jugendlicher Chef, der der Küchencrew vorsteht und nur „Chef“ genannt wird, ohne den Zusatz „Koch“, allenfalls französisch „chef de cuisine“

Mit 16 Jahren fing er an. „Ein Nachbar von mir, Berufsschullehrer am College of Food, fragte mich eines Tages, ob ich nicht Lust hätte, in seinem Institut Koch zu lernen. Why not?“, sagte ich mir, „und schon war ich mittendrin. Als bester Absolvent konnte ich mir dann die Arbeitsplätze aussuchen“. 2000 startete er durch am „Botanical Gardens“ in seiner Heimatstadt. Schließlich zog es ihn nach London in ein renommiertes Hotel, weitere folgten, „denn nur durch Wechsel kann man lernen“, begründet er die für seine Branche typische Mentalität. 2012 heuerte er bei der amerikanischen Reederei Disney Cruises an als Demi chef an, in der Hierarchie der Küchenbrigade zwei Stufen unter dem Chef. „Damit bewarb ich mich 2015 bei Crystal Cruises und kam auf verschiedene Schiffe in weltweiter Fahrt mit Aufstieg in die Spitzenposition. Was man denn dafür brauche? Wie aus der Pistole geschossen kommt es: „Leidenschaft, Stressfestigkeit, Flexibilität und eine gewisse innere und äußere Ruhe“. Sie kämpfen für die gemeinsame Sache, die da heißt: „Kochen auf höchstem Niveau mit besten Produkten, und alles natürlich immer knackfrisch“. Er hasst es zu brüllen, wie er das oft genug erleben musste, „denn die Kollegen sollen zu mir kommen und von mir lernen“. Gekocht wird nach Auftrag, wobei man alles haben kann, „auch Bratkartoffeln mit Spiegelei oder Senfeier wie bei Muttern“, verspricht er, „wenn ich die Bestellung einen Tag vorher bekomme“. Sein Lieblingsessen zurzeit? Filetsteak, Pilzpüree mit Sherry, Rotwein und Butter, Trüffel und Edel-Artischocken. Als generelle Menüfolge wird täglich serviert: Appetizer, Suppe, Consommé klassisch oder modern, Hauptgericht, Dessert, Käse, Obst, Kaffee. Was so für eine zwei bis drei Wochen lange Reise gebunkert wird? Zum Beispiel 15.000 Eier, 300 bis 400 Hummer, 200 Kilo Steak aller Sorten, fünf Kilo Kaviar.

Sein Credo: „Ich will kochen, ich will ich sein und bleiben, nicht Chef sein und Spaß haben!“ Das sieht man Adam an und nimmt man ihm ohne Widerspruch ab.

In Stralsund sei er gern im „Schipperhus“ am Hafen eingekehrt. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist okay“, findet er, der sich dort auch das Europameisterschaftsspiel Deutschland-England angesehen hat.

Crystal-Endeavor-Hotelmanagerin Sonja Gruber vor „ihrem“ Schiff. © Foto: Christian Rödel, Aufnahme: Stralsund: 6.7.2021

Chefin von neun Abteilungsleitern mit „Dienstaufsicht“ über rund 160 Crewmitglieder aus 40 Nationen ist die in Graz geborene Steiermärkerin Sonja Gruber (48). Ihre berufliche Ausbildung begann die Hotel-Managerin, im Bordjargon kurz „Hotman“ genannt, an der Gastronomie-Fachschule mit den Schwerpunkten Küche, Service, Rezeption, Housekeeping und Verwaltung. Nach der Konzessionsprüfung vertiefte sie den Lernstoff drei Jahre lang in einem Familienhotel, dann am berühmten Wolfgangsee im ebenso bekannten Gasthof „Schwarzes Rössel“. Im „Weißen Rössel“ urlaubte übrigens der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl.

„An Land“, denkt sie zurück, „war es mir schließlich zu langweilig“. Auch in einem Fünf-Sterne-Hotel in Kalifornien. Die charmante Österreicherin wollte unbedingt mehr aus ihrem Beruf machen. „Dafür bot sich die Kreuzfahrt mit ihren guten Aufstiegsmöglichkeiten geradezu an“. 1994 ging sie an Bord der „Meridian“ von Celebrity Cruises mit verschiedenen Stationen auf diversen Schiffen: von der Rezeptionistin bis zur Concierge und Purserin. Bewegung dabei immer treppauf.

Ab 1997 wechselte sie – mit einem späteren Flusskreuzfahrt-Zwischenspiel – zu ihrer jetzigen Reederei, die eine sehr gute Reputation habe: „Damit begann die ganz eigene ´Crystal-Schule`“, sagt sie nicht ohne Stolz, „denn das Zauberwort heißt ´Crystal attitude`, das sind besondere Verhaltensweisen gegenüber dem Gast, der im absoluten Mittelpunkt steht und alles bekommen soll“. Da müsse man immer offen für Neues sein und ein Höchstmaß an Flexibilität zeigen. „Wenn zum Beispiel etwas möchte und das auch bekommt, muss man ihn immer noch fragen: may I assist you in anything else, kann ich noch etwas mehr für Sie tun? Das ist von allen verinnerlichte Firmenphilosophie“. Auf kleinen Schiffen klappe das natürlich besser als auf großen. „Hier haben wir ein Passagier-Crew-Verhältnis von 1 : 1 und für jede Suite einen persönlichen Butler-Service“. Es gebe Kabinen von 29 bis zu 100 Quadratmeter. Die Preise variierten pro Zehn-Tages-Reise von 14.000 bis zu 25.000 US-Dollar pro Person. Unter den Gästen gebe es welche mit Erfahrung von bis zu 300 Kreuzfahrten. Die meisten sind US-Amerikaner, wenig Deutsche, aber mehr Asiaten.

Als Chefin ist sie auch Konfliktmanagerin, hier Human resources manager genannt. „Da braucht´s Taktgefühl, Diplomatie und eine Offenheit für unterschiedliche Kulturen, Nationen und Religionen. Alle müssen kooperieren. So lerne auch ich immer wieder dazu“. Im Übrigen muss man auf alle Eventualitäten gefasst sein, wobei das Wetter eine große Rolle spiele. „Auch wenn Tiere nicht auf Abruf erscheinen, muss ich das den Gästen ruhig und höflich plausibel machen“. Da werde dann schon mal das Essen unterbrochen oder auf Tierbeobachtung terminiert. Papier-Informationen gebe es nicht mehr, als läuft elektronisch. „Unsere Gäste, auch die älteren, sind da sehr affin“, erklärt sie. Wie man sehe, „ist hier doch Vieles anders als auf einem normalen Kreuzfahrtschiff“.

Seit dem 7. Mai hat sie gemeinsam mit 70 bis 80 Crewmitgliedern im Quarantäne-Hotel „Baltic“ gewohnt, wobei das Essen vor die Zimmer gestellt wurde. „Unsere Belegung war gut für die Corona-Bilanz des Hotels“, meint sie. Befragt, was sie über Stralsund denkt, sagt sie unumwunden: „Eine total schöne Hansestadt mit interessanter Architektur“. Außerdem sei das nicht ganz so süße Stralsunder Marzipan besser als das der Lübecker Konkurrenz. Last but not least der Crew-Treffpunkt im „Schipperhus“: „Natürlich aß ich da auch viel Fisch. „So frisch aus der Ostsee haben wir ihn an Bord nicht“.

Anmerkungen:

Siehe zum Thema auch die Beiträge

von Dr. Peer Schmidt-Wather.