Größtes Schiff in Stralsund – von „Corona“ stillgelegt

MS Crystal Endeavor am Ausrüstungskai der MV-Werften Stralsund. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Stralsund, Deutschland (Weltexpress). Auf der MV-Werft Stralsund ruht coronabedingt die Arbeit. Auf ihre Fertigstellung wartet an der Ausrüstungspier das 165 Meter lange und 23 Meter breite 20.000 BRZ-Expeditionskreuzfahrtschiff „Crystal Endeavor“ der Polar-Klasse PC 6, größte Megayacht der Welt mit Eisklasse.

Zum Vergleich die Stralsunder „Gorch Fock“ (I) von 1330 Tonnen: Sie ist mit 82 Metern nur halb so lang, mit zwölf Metern Breite nur halb so breit wie der Kreuzfahrer, der insgesamt aber 15 Mal größer ist. Nur in der Höhe zwischen 35 und 42 Metern nehmen sie sich nicht viel.

Größte je im vorpommerschen Stralsund gebauten Schiffe waren die drei „Container-Fregatten“ der „Maersk-Boston-Klasse“: 294 Meter lang, 32,20 Meter breit, 55 Meter hoch und vermessen mit 53.701 BRZ. Sie sind darüber hinaus die schnellsten Containerschiffe der Welt mit 31 Knoten Geschwindigkeit. Im Vergleich: Sie sind gut zweieinhalb Mal größer als die „Crystal Endeavor“ und vierzig Mal größer als die „Gorch Fock“ (I).

Auf Kajak-Fototörn bei kabbeliger See vor MV-Werften Stralsund mit Neubau MS Crystal Endeavor. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Reißleine gezogen

Seitdem das elegante 350-Millionen-Luxus-Schiff am 21. Dezember 2019 ausgedockt worden ist, wurde noch mit Hochdruck an dem luxuriösen Innenausbau gearbeitet, weil schon ab August 2020 die erste Reise starten sollte. Arbeiter und Spezialisten von Firmen aus ganz Europa, darunter Italien, Polen, China, Rumänien, Russland usw. sind bis her daran beteiligt gewesen.

Noch bevor die Corona-Quarantäne für Heimkehrer oder Urlauber beschlossen wurde, fuhren diese rund 800 externen Mitarbeiter zurück in ihre Heimatländer. Bis Oktober, so hieß es aus Werftkreisen, sollen die Arbeiten ruhen, zumal die Arbeiten meistens von Teams mit engem Kontakt untereinander verrichtet werden müssen. Auch die körperliche Nähe in der Kantine hätte eine Ansteckung beschleunigen können. Daraufhin wurde von der Werftleitung die Reißleine gezogen.

Die rund 800 Mitarbeiter aus der Region können jetzt ihre Überstunden abbauen bzw. Kurzarbeitergeld, also 60 Prozent des normalen Lohns, beziehen. Im Januar 2021 sollte dann die erste Eisfahrt ins antarktische Rossmeer beginnen, die schon jetzt mit 200 Passagieren, die von 200 Crewmitgliedern betreut werden sollen, komplett ausgebucht ist.

Der Steven von MS Crystal Endeavor – vom Kajak aus aufgenommen. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Höhere Gewalt

Darüber hinaus ist geplant, Regionen anzulaufen, die zu den entlegensten der Erde gehören. Zwei Hubschrauber und ein U-Boot werden dabei völlig neue Perspektiven und Eindrücke bieten. Alles unter dem Motto: zwischen Abenteuer und Luxus. Die Gäste sind ausschließlich in Suiten von bis zu 105 Quadratmetern untergebracht, für die pro Person 25.000 Dollar hingeblättert werden müssen. Davon profitiert die Reederei Crystal Expedition Cruises, die zur Genting-Gruppe gehört, die auch Werfteigner ist. Inwieweit die grassierende Pandemie die fristgerechte Fertigstellung und Ablieferung hinauszögert, vermag niemand vorherzusagen. Auf jeden Fall ist „höhere Gewalt“ verantwortlich – und damit ein Versicherungsfall – nicht die renommierte Werft am Strelasund. Das gilt auch für die beiden in Wismar in Arbeit befindlichen Superschiffe der GLOBAL-Class. Es heißt sogar, dass das zweite Schiff, kürzlich erst auf Kiel gelegt, nicht weitergebaut werde wegen des coronabedingten ostasiatischen Markteinbruchs.

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