Computer Chess (USA, 2013) – Nerds, Esoteriker und ein paar Katzen

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© Rapid Eye Movies

Die Handlung als solche ist bei Computer Chess nebensächlich. Die „existentielle Komödie über diese verkorksten Genies“, so Regisseur Andrew Bujalski, setzt den Schwerpunkt auf Bilder, die so unsubtil danach schreien interpretiert zu werden, als würde ein gigantischer Neonpfeil zum Hinweis neben der Leinwand aufleuchten. Immerhin, die Rahmenhandlung hält alles schön ordentlich zusammen: in einem Hotel versucht eine esoterische Selbstfindungsgruppe mit ihrem afrikanischen Lehrer zu sich zu finden, während gleichzeitig ein Kongress und Turnier von Computer-Schach-Experten dort stattfindet. Man trifft aufeinander.

Anfangs ist der Film unterhaltsam und schräg auf eine eigentlich recht charmante Art. Aber sehr schnell fragt man sich, ob da wer was geraucht hat oder ob man vielleicht nach einem schweren, unverdaulichen Essen eingeschlafen ist. So liebevoll dieser Film gemacht ist, man muss sich fragen, für wen er eigentlich gemacht wurde. Für die Computer-Nerds oder für die intellektuellen Geister, die in sicherer Ferne vom Mainstream Kino über die „verkorksten Genies“ schmunzeln wollen. Apropos verkorkst, die Mitglieder und Aktionen der Selbstfindungsgruppe sind so befremdlich, dass die Nerds dagegen wohltuend normal wirken.

Dass der Independent Film in den USA so hervorragende Kritiken bekam, liegt zum einen sicherlich an den sehr guten darstellerischen Leistungen und am perfekt getroffenen Zeitkolorit. Haare, Bekleidung, Ausstattung – alles ist wundervoll getroffen. Wer sich an die Zeit erinnern kann, wird sicherlich großen Spaß an diesen Details haben.

Man muss keine Ahnung von Schach oder Computern haben, um diesen Film zu sehen. Hier brauch man ganz andere Erfahrungen. Computer Chess ist schräg gut für ein ausgesuchtes Publikum, das Geduld, Freude an bedeutungsschwangeren Bildern und Erfahrung im Independent Kino mitbringt. Für alle anderen gilt: schräg schlecht.

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Computer Chess (USA, 2013); OT: Computer Chess; Filmlänge: 92 min; Regisseur: Andrew Bujalski; Darsteller: Patrick Riester, Myles Paige, James Curry, Robin Schwarz, Wiley Wiggins, uvm; FSK: o.A.; Kinostart: 07. November 2013 (Deutschland). Webiste: www.computerchess-film.de

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