Montag, 06. April 2026
Wissenschaft Geisteswissenschaften Zur Konfliktsituation zwischen Israel und Palästina

Zur Konfliktsituation zwischen Israel und Palästina

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Name "Palästina" auf der Friedenskonferenz von Paris einem klar definierten Gebiet zugeteilt: dem Areal, dass heute gemeinsam von Israel und Jordanien eingenommen wird. Man kam überein, dass "Palästina" ein Völkerbundmandat werden sollte, welches das VK verwaltete.

Berlin, BRD (Weltexpress). Zunächst ist zu fragen, welche Kräfte sich in diesem  wohl längsten Konflikt des 20. Jahrhunderts bis heute gegenüberstehen?  Geographische Besonderheiten, d.h. Trennlinien sollten dabei nicht unbeachtet bleiben.  Tatsache scheint mir zu sein, daß die äußeren Kräfte, denen es um die Delegierung ihres Machtinteresses zur Beherrschung nicht nur eines Kontinents, sondern der gesamten Region Eurasien bis Nordafrika geht, gerade nach der durch den deutschen Faschismus ausgeübten Massenvernichtung jüdischer Bürger, nun den Juden wiederum instrumentalisiert als Märtyrer  zum Stellvertreter Ihrer politischen Interessen in maßgeblich entscheidender Form des Zionismus  auserkoren und aufgebaut haben.

 Faktisch konnte  in einen der drei revolutionären Hauptströme ein Keil getrieben werden. D.h., daß die mit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution in Rußland eingeleitete Epoche des weltweiten Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus nach der Zerschlagung des deutschen Reiches einen riesigen Aufschwung nahm, der die nationalen Befreiungsbewegungen erfaßte.

 Mit der Installation des Staates Israel konnte ein Joker für die nun nach dem Ende des 2.Weltkrieges gespaltene Macht des Weltimperialismus und seines stärksten Faktors, den imperialistischen USA, geschaffen werden. Dieser wird bis zum heutigen Tage in nahezu  X-Varianten, wenn auch immer verschlissener, ausgespielt.

Zum anderen. Der US-Imperialismus hat mit der Instrumentalisierung ethnischer  und vor allem religiöser Fragen insbesondere zum Islam ein Spiel mit dem Feuer betrieben, das nun zunehmend seinen eigentlichen Interessen zuwiderläuft. 

Zunächst konnten die Kräfte des Pentagon den Afghanistan-Konflikt fördern und radikale Islamisten militärisch aufrüsten. Schließlich mußten die 1979 von B. Kamal angeforderten sowjetischen Streitkräfte mit samt einer international westlicherseits in Gang gesetzten ungeheuerlichen Mediendemagogie im Jahre 1989 zum Rückzug gezwungen werden, das war auch auf Grund des spürbar gewordenen Opportunismus im Korb 3 der  KSZE-Schlußakte als Folge revisionistischer  Auswirkungen mit  Spaltungstendenzen seit Tito und  Chruschtschows bzw. letztlich Gorbatschows  Revision des Leninismus möglich geworden.

Die moslemischen Fundamentalisten – zu denen bereits Osama bin Laden gehörte – hatten  nach Lesart bürgerlicher Publizisten einen Sieg gegen die »kommunistischen Eindringlinge« errungen. In diesem religiös-bürgerlich wie halbfeudal erwachten nationalen Machtgefühl war aber keinerlei Platz für die imperialistische Oberhoheit aus den  USA. Da jene – gemäß ihrem imperialen Hegemoniebestreben – dies bis heute nicht begriffen haben, kam es auch zu jenen Ereignissen, die heute die Möchtegernprimaten menschlichen Werdens und Vergehens aufheulen lassen, weil ihnen buchstäblich mit dem 11. September 2001 ihre über Jahrzehnte eigens geschürte  Lunte den Schwanz versengt hat. Tatsache ist, daß dieser Terrorakt ein Beweis für die Brüchigkeit der alten imperialistischen Welt bildet, die sich nun einem imaginär erscheinenden Gegner gegenüber sieht, von dem sie in Angst und Schrecken gesetzt  wird.

Nicht der Kommunismus hat diese Situation bewirkt, sondern vielmehr das Nichtvorhandensein kommunistischer Weltmacht. Insofern ist der vorübergehende Sieg des Revisionismus  dafür mitverantwortlich, daß beispielsweise das vom  XXIV. Parteitag der KPdSU angenommene 6-Punkteprogramm, dessen erster Grundsatz auch die Liquidierung des Kriegsherdes im Nahen Osten, statt umgesetzt,  fortwährend eskaliert. Was letztlich wiederum einen Beweis dafür liefert, daß der Imperialismus unfähig ist, die Probleme der Menschheit zu lösen.

Nicht unbeachtet darf dabei das entscheidende Kriterium bleiben, die menschliche Produktivkraft, die – eingebunden in die derzeitigen als Fesseln agierenden kapitalistischen Verhältnisse – sich selbst entfremdet und die Produktionsweise destruktiv beeinflussend, also  eigentlich selbst Destruktivkraft ist. Ein Ausdruck dafür stellt die global betriebene Aggressionstätigkeit  in Form der NATO dar; die Evakuierung des  UN-Gebäudes kann somit  symbolisch mit  einer Kraftloserklärung gleichgesetzt werden und als Alibi für die NATO gelten.

Dick zu unterstreichen ist  die Feststellung von Winfried Wolf in junge Welt vom 13.09.01 auf Seite 10, daß die Anschläge in New York und Washington als Beschleuniger dieser zerstörerischen und selbstzerstörerischen Entwicklungstendenz wirken. Und es ist  dem Autor eingeschränkt zuzustimmen, wenn er zuvor schreibt, daß die in Teilen kurzzeitig lahmgelegte Kriegsmaschinerie zu kaum kontrollierbaren Gegenschlägen veranlaßt,  weltweite Militarisierung hervorrufen kann.  Ich denke allerdings, daß dem Verursacher einer Wirkung nicht das Gegenschlagsrecht zukommt – ohne den Vorfall gut heißen zu wollen. Der Nährboden für Gewalt ist nun einmal die Gewalttätigkeit selbst  mit ihren Formen von teile und herrsche mittels Rassismus,  Zionismus und Faschismus, die imperialistischer Natur sind. Apropos  Zionismus. Was jenen auszeichnet ist sein Rassismus gegenüber den Arabern. Der israelische Staat selbst betreibt als Satellit des US-Imperialismus und mit Unterstützung maßgeblich der  BRD eine Politik, die jeden, der sich gegen die israelisch-profaschistische Besatzermentalität seinen arabischen Nachbarn gegenüber oppositionell verhält, zum Antisemiten stempelt.

Der Staat Israel wurde am 14.05.1948 auf Grund eines entsprechenden UN-Beschlusses gegründet. Seinen Nachbarn gegenüber verhält sich der von der zionistischen Großbourgeoisie  beherrschte Staat von Anfang an kriegerisch aggressiv, so 48/49, als es zu riesigen Landnahmen und zur Vertreibung hunderttausender  Araber kam.  Vier weitere Kriege folgten bis schließlich zum sogen. Sechstagekrieg 1967.  Laut einiger bezeichnender Aussagen des Multimedia-Weltatlas  ist Israel eine starke Militärmacht. Die ca. 5.420.000 Einwohner, von denen 81 Prozent Juden sind, leben auf einer Fläche von 20255 Km2  , von denen 6700 Km2   bis 1967 okkupiert wurden.

Bezeichnend ist die Feststellung in der erwähnten bürgerlichen Publikation, daß die Wirtschaft durch Kriegs- und Verteidigungslasten, hohe Auslandsschulden und eine unausgeglichene jährliche Handelsbilanz in Schwierigkeiten ist. Die Inflation schießt in die Höhe, die Verteidigungsausgaben und die Rückzahlung der Auslandsschulden fressen einen großen Teil des jährlichen Staatsbudgets auf. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei den höchsten der Welt. Israel hat keine schriftlich niedergelegte Verfassung. Die israelische Armee ist die stärkste und am besten ausgestattete im Mittleren Osten. Für alle Männer über 18 besteht Kriegsdienstpflicht für 36 Monate. Ledige Frauen zwischen 18 und 26 Jahren müssen zwei Jahre dienen, es sei denn sie werden aus religiösen Gründen befreit. Die israelischen Verteidigungstruppen verfügen über hoch entwickelte, kampferprobte amerikanische Waffen … Soweit dieser »Steckbrief« des Staates Israel. Ich meine, er sagt genug über die Konfliktsituation, die in den Bildungseinrichtungen der BRD kaum benannt sein dürfte. Hieraus kann  die Tatsache geschlossen werden, daß  Millionen von Bundesbürgern sich Marionetten gleich instrumentalisieren lassen und spenden – wenn auch oft ehrlich gemeint (spendeten sie jemals, als NATO-Bomben auf Belgrad und serbische Flüchtlingstracks  oder auf zivile irakische Einrichtungen fielen?) sowie als Produkt ihrer gesellschaftlichen Umgebung  bereit sind, die besondere Form des Rassismus, die Treibjagd gegen Araber, u.U. zwar zunächst geistig, mitzumachen.

Im Übrigen steht die Vermarktung auch hier an erster Stelle. Folgt man den Bildern  beispielsweise im Fernsehen, so offenbart sich für den nüchternen Betrachter von aus den Trümmern lebend Befreiter, der Schaulauflauf  von Siegern, als würde gerade ein Sportfest stattfinden. Mag sein, daß dies der amerikanischen Mentalität des way of life entspricht; es wirkt befremdend. Denn die Mitwirkenden spielen alle eine Rolle, die ihnen nicht bewußt ist; sie sind nicht Menschen, sondern vermarktete Ware – Opfer des Systems.  Das ganze schreckliche Geschehen verkommt zu einer miesen, die Betroffenen verhöhnenden Schmierenkomödie. Und betroffen sind wir eigentlich alle – bewußt oder unbewußt.

Schließlich hat sich der Jahrzehnte währende Konflikt im Nahen Osten nach Prophezeiung Martin Luther-Kings von einem Stellvertreterkrieg ins Zentrum der Macht verlagert – die USA haben sich ja bereits in Ihrer Entstehung mit der fast vollständigen Ausrottung der Ureinwohner, die zwischen Engländern und Franzosen aufgerieben worden, begründet.  Opfer sind all jene, die auf den „Gegenschlag“ hereinfallen, aber auch die, die das Bombengeschäft beispielsweise der Zeitungsverlage mitfinanzieren. Und wenn eine deutsche Radio-Moderatorin erklärt, sie hätte zuerst eine riesige Verzweiflung empfunden, die nun in  unerträgliche Trauer umgeschlagen sei, so fehlt in der Konsequenz nur noch das Umschlagen in einen unerträglichen Haß: »Wollt ihr den totalen Krieg?«

Übrigens hat Peter Scholl-Latour in Zusammenhang mit den Ereignissen tatsächlich mal etwas vernünftiges hervorgebracht. Er meinte, Deutschland könne sich solidarisieren mit den Amerikanern, aber es solle sich militärisch heraushalten.  Wenn nämlich die militärische Präsenz  erfolge, so wäre Deutschland auch ein Ziel gegnerischer Handlungen; und dies sei leichter auszumachen als jenes Ziel USA.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von E. Rasmus wurde 2001 u.a. in „Die Rote Fahne“ veröffentlicht wurde.

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