8:2 Torspektakel am Brentanobad – 1. FFC Frankfurt lässt der TSG 1899 Hoffenheim keine Chance

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© Foto: Dietmar Tietzmann

Respektvolles Verhältnis

Keine neun Minuten dauerte es bis der 1. FFC Frankfurt unter den  interessierten Augen des Ex-DFB-Präsidenten, derzeitigem FIFA-Exekutiv-Mitglied und ambitionierten Frauenfußballförderer Dr. Theo Zwanziger gegen die Kraichgauerinnen in Führung ging. Zwanziger, der auch nach frühzeitiger Aufgabe seines Präsidentenamt durch zahlreiche Besuche von Bundesligaspielen immer wieder ein persönliches, respektvolles Verhältnis zum Frauenfußball  pflegt, bezeichnete in seiner Autobiographie „Die Zwanziger Jahre“ den internationalen Frauenfußball als Leistungssport mit gesellschaftlicher Dimension. Nicht von ungefähr engagierte sich sein Sohn Ralf Zwanziger beim plangerechten Aufbau professioneller Strukturen in der Frauenabteilung des Lizenzvereines TSG 1899 Hoffenheim. „Anders als der Männerfußball, der von der Sensationsgier alleine leben kann, ist der Frauenfußball ein zukunftsorientiertes gesellschaftliches Phänomen, das mit der Stellung und Entwicklung der Frauen in der Gesellschaft untrennbar verbunden ist,“ so Zwanziger in seinem im Vorjahr erschienenen Buch.

Nicht mehr zu spüren

In der Sommerpause hatten sich noch beide Teams während eines Freundschaftsspiel freundschaftlich beschnuppern können. Bei einem  Frauenfußball-Turniers der Theo-Zwanziger-Stiftung in Diez hatten sich beide Teams durch ein 0:0 Remis den Turniersieg geteilt. Diesmal war von kollegialer Freundschaft beider Vereine beim Kampf um Punkte auf dem Bundesliga Rasen nichts mehr zu spüren. Tabellenführer 1. FFC Frankfurt nutzte die Gunst der Stunde, um die nach der Schlappe Münchens übriggebliebenen Verfolger Potsdam und Wolfsburg mit einem 8:2 (5:0)-Heimsieg mächtig unter Druck zu setzen. Die Mannschaft von Cheftrainer Colin Bell blieb auch im letzten Bundesliga-Heimspiel des Jahres ungeschlagen. Verfolger Turbine Potsdam konnte am Nachmittag bei seinem Sieg beim BV Cloppenburg wieder auf drei Punkte heranrücken, während Pokalsieger FC Bayern München scheinbar ohne Biss aus dem Meisterschaftsrennen geflogen ist. Die Münchnerinnen unterlagen gestern überraschend dem FCR Duisburg und liegen nun bereits sechs Zähler zurück. Eine bravouröse Münchner Heimserie im neuen Stadion an der Grünwalder Straße fand ihr Ende. Im Löwenkäfig siegten die Löwinnen.

Zusammenprall

© Foto: Dietmar TietzmannEx-Nationalspielerin Kerstin Garefrekes (9.) und die Japanerin Kozue Andō (11.) legten früh den Grundstein zum FFC-Sieg. Frankfurt erwischte im letzten Heimspiel des Jahres einen perfekten Start. Nach einem famosen Freistoß von Europameisterin Melanie Behringer aus halbrechter Position nutzte Kerstin Garefrekes – spitzbübisch auch unter KG bekannt – die Unordnung in Hoffenheims Abwehr und drückte den Ball zur frühen Führung über die Linie. Für die Aufsteigerinnen aus dem Kraichgau lief es gegen den favorisierten Spitzenreiter dagegen denkbar schlecht. Denn nur zwei Minuten prallte TSG-Keeperin Alisa Vetterlein mit einer Mitspielerin zusammen und musste verletzt ausgewechselt werden. Die schützende Pfiff von Schiedsrichterin Natalie Eisenhardt unterblieb zunächst. Ando nutzte die undurchsichtige Situation und verwandelte den Ball zur beruhigenden 2:0 Führung. Die eingewechselte Ersatztorfrau Kristina Kober machte im Tor der Hoffenheimer zunächst keine glückliche Figur. Ihr Versuch den Freistoß von Frankfurts Behringer mit den Fäusten abzuwehren scheiterte, der Ball rollte über die Linie und markierte den dritten Treffer für den deutschen Rekordmeister 1. FFC Frankfurt (25.).

Doppelschlag

Nach einem Steilpass Dzsenifer Marozsán schob die Rechtsverteidigerin Bianca Schmidt das Leder aus spitzem Winkel ins lange Eck (33.). Nur vier Minuten später flankt erneut Dzsenifer Marozsán, Ana Crnogorcevic stand am zweiten Pfosten frei und erhöhte auf 5:0 (37.). Mit dieser deutlichen Führung ging es in die Kabine. Ex-FFC Spielerin Birgit Prinz, die als Sportpsychologin die 1899-Frauen im Stadion am Brentanobad zu coachen hatte, hatte wohlweislich  in der Halbzeit wohl eine Menge Aufbauarbeit bei ihren Spielerinnen leisten. Und welch ein Wunder, nach der Pause bewies Leonie Keilbach, dass auch die Gäste torgefährlich waren – mit ihrem Tor zum 1:5 in der 54. Minute. Nur eine Minute später brachte die schweizerische Nationalspielerin Martina Moser Hoffenheim weiter heran. Der Doppelschlag beeindruckte die routinierten Frankfurter Nationalspielerinnen offensichtlich nicht. "KG" Garefrekes zerstörte jede Hoffnung der Hoffenheimerinnen mit ihrem Tor zum 6:2 in der 64. Minute nach exzellentem Zuspiel von Å aÅ¡ić.

Tabellenführung

© Foto: Dietmar TietzmannDanach krachte es weiter im Gebälk von Hoffenheim. Torjägerin Célia Å aÅ¡ić stellte den alten Abstand mit dem siebten Treffer wieder her (66.). Den 8:2-Endstand besorgte die zuvor eingewechselte Japanerin Tanaka, die kurz vor dem Schlusspfiff aus 22 Metern abzog und den Ball in die Maschen knallte. Der FFC bleibt nach dem Sieg in der laufenden Saison ungeschlagen und verteidigte mit 23 Zählern nach neun Partien und einem Torverhältnis von 41:8 Toren erfolgreich die Tabellenführung. „Wir haben auch in der Höhe verdient gewonnen. Die Mannschaft ist auf dem dem richtigen Weg. Mit den guten Leistungen der Hinrunde im Gepäck können wir selbstbewusst nach Potsdam reisen", bilanzierte Manager Siegfried Dietrich im Gespräch mit dem hr-sport. Der nun anstehende Klassiker gegen den 1. FFC Turbine Potsdam gegen den 1. FFC Frankfurt am  8. Dezember steht nun im Focus der gesamten Liga.

Rivalität meldet sich

Erfolgstrainer Bernd Schröder von Frankfurts Rivalen verkündete gleichfalls nach dem Sieg seiner Mannschaft: „Den ersten Advent haben wir gut über die Bühne gebracht. Mit dem Sieg in Cloppenburg haben wir natürlich die Erwartung für das Spiel gegen Frankfurt hochgeschraubt. Hätte mir vor der Saison jemand erzählt, dass wir zu diesem Zeitpunkt der Saison noch oben dabei und ohne Niederlage sind, als eine von nur drei Mannschaften insgesamt, hätte ich das im Leben nicht geglaubt.“ Ein wenig Recht wird  man Schröder geben müssen, denn seit seiner "Lyoner Bändigung" hat es der deutschen Sportpresse ein wenig die Sprache verschlagen. In kaum so einiger Dummheit verbunden, fragt sich Deutschlands Schreiberelite jeweils zu Saisonbeginn, meist zwei bis vier Generationen jünger als Schröder, ob seine altersbedingte Demission jetzt endlich vorläge. Das dieses Gebahren hörbar vom Frankfurter Rivalen unterstützt würde, sei dahin gestellt. Jedenfalls werden die Fans kommenden Sonntag etwas Großes erleben können – die Wiederauferstehung Schröders im Kreise der Sportpresse, seiner Fans und seiner Widersacher im Kampf um den Meistertitel.

Die interessante Partie des 10. Bundesliga-Spieltags am kommenden Sonntag, den 8. Dezember 2013, wird um 14 Uhr im Karl-Liebknecht-Stadion Potsdam angepfiffen. Sowohl der rbb als auch hr übertragen das Spiel im Internet als Live-Stream, in der ARD Sportschau (18 Uhr) gibt es zudem einen Bericht mit allen Highlights der Partie.

So spielten sie:

1. FFC Frankfurt – TSG Hoffenheim 8:2 (5:0)

1. FFC Frankfurt: 1- Desirée Schumann – 23- Bianca Schmidt ( 19- Fatmire Bajramaj, 46.),  25- Saskia Bartusiak, Peggy Kuznik, 11- Simone Laudehr – 7- Melanie Behringer ( 24- Asuna Tanaka, 75.)- 18- Kerstin Garefrekes, 10- Dzsenifer Maroszan, 14- Kozue Ando, 21-Ana Maria Crnogorcevic ( 12- Meike Weber, 60.) – 9- Célia Sasic – Trainer Colin Bell 

TSG 1899 Hoffenheim:31- Alisa Vetterlein ( 25- Kristina Kober, 13.) – 10- Sabine Stoller, 4- Kristin Demann, 5- Madita Giehl, 212- Leonie Pankratz – 7- Martina 

Moser, 8- Christine Schneider, 27- Silvana  Chojnowski ( 18- Anne Fühner, 77.), 13- Mana Iwabuchi, 33- Fabienne Dongus ( 12- Stephanie Breitner, 46.) – 15-Leonie Keilbach – Trainer Jürgen Ehrmann

Tore: 1:0 Garefrekes (9.), 2:0 Ando (11.), 3:0 Behringer (25.), 4:0 Schmidt (33.), 5:0 Crnogorcevic (37.), 5:1 Keilbach (54.), 5:2 Moser (55.), 6:2 Garefrekes (64.), 7:2 Sasic (66.), 8:2 Tanaka (90.)

Schiedsrichter: Nathalie Eisenhardt (Holzgerlingen)

Zuschauer: 1.790

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