Donnerstag, 02. Juli 2026
Politik Scharfe Kritik an der venezolanischen Interimspräsidentin Delcy Rodríguez

Scharfe Kritik an der venezolanischen Interimspräsidentin Delcy Rodríguez

Delcy Rodríguez. Quelle / Rechte: Regierung der Russischen Föderation, government.ru, Datum der Aufnahme: 26.9.2024

Berlin, BRD (Weltexpress). Der kubanische Singer-Songwriters Raúl Torres hat die venezolanische Interimspräsidentin Delcy Rodríguez einem offenen Brief des Paktierens mit jenen, die venezolanische Wirtschaft durch kriminelle Sanktionen ruiniert haben, kritisiert und eine kritische Auseinandersetzung über die aktuelle politischen Lage Venezuelas und der Zukunft des bolivarischen Projekts im Kontext der gegenwärtigen internationalen Spannungen gefordert. Das Dokument, das die Cuba Mambí – Internationalist Action Group ins Italienische übersetzte, hat das kommunistische Magazin „Contropiano“ am 1, Juli 2026 veröffentlicht. Es lautet:

„Liebe lateinamerikanische Brüder und Schwestern,
es ist wichtig zu erkennen, dass die aktuelle Lage in Venezuela außerordentlich heikel ist. Nach den dramatischen Ereignissen vom Januar 2026 steht die Übergangsregierung unter Delcy Rodríguez unter erdrückendem Druck von außen und sucht nach einem Gleichgewicht, das für viele von uns im revolutionären Lager an Kapitulation grenzt. Die Grenze zwischen taktischem Widerstand und strategischer Unterwerfung ist für viele schmerzhaft verschwommen. Dieser Brief soll daher keine Lehren vermitteln, sondern vielmehr die Angst eines Volkes zum Ausdruck bringen, das spürt, wie seine historischen Flaggen eingeholt werden. Er soll diejenigen, die nun die Führung des bolivarischen Vaterlandes innehaben, daran hindern, die Augen davor zu verschließen.

An Frau Delcy Eloína Rodríguez Gómez, Interimspräsidentin der Bolivarischen Republik Venezuela.

Von den Söhnen und Töchtern der Lateinamerikanischen Revolution, aus der verwundeten Seele des rebellischen und solidarischen Kubas.

Frau Präsidentin,
ich schreibe Ihnen aus tiefstem Schmerz, der in den Herzen all jener wütet, die ihr eigenes Blut in die Knie gezwungen sahen. Ich schreibe Ihnen mit der unsichtbaren Tinte der Tränen eines Kontinents, der sich seit Jahrhunderten erhoben hat, um niemals die Peitsche irgendeines Herrschers zu küssen. Heute blickt die Geschichte mit ihren steinernen und feurigen Augen auf uns und fragt uns: Wo ist die Würde geblieben? An welcher Weggabelung haben wir den rebellischen Geist verloren, den uns unsere Befreier hinterlassen haben?

Sie wuchsen im Schatten der Legende ihres Vaters Jorge Antonio Rodríguez auf, eines Märtyrers, der sein Leben opferte, gefoltert von der politischen Polizei des Puntofiji-Systems, ohne jemals seine Genossen in der Sozialistischen Liga zu verraten. Sie, Delcy, sind die Tochter dieses Opfers. Deshalb schmerzt es so sehr, sie heute nicht als die „Tigerin“ zu sehen, die stolz die Souveränität gegen die Kanzlei verteidigte, sondern als diejenige, die mit einem selbstgefälligen Lächeln flüstert, sie werde „respektvolle Beziehungen“ zu demselben Imperium aufbauen, das ihren Vorgänger entführt hat.

Wir beobachten Sie, Frau Präsidentin, und erkennen den Glanz der Revolution kaum noch wieder. Wir sehen, wie Sie mit jenen paktieren, die die venezolanische Wirtschaft durch kriminelle Sanktionen ruiniert haben; wir sehen, wie Sie die Öltore für dieselben multinationalen Konzerne öffnen, die Chávez mit so harter Hand verstaatlicht hat. Sie sprachen von einem „neuen politischen Moment“, doch in den Arbeitervierteln, in den Kommunen, in den Kasernen, wo noch immer die Flagge des Großvaters weht, klingt dies wie die traurige Rechtfertigung jener, die Besonnenheit mit Unterwerfung verwechseln. Vor dem Imperium niederzuknien, das uns blockiert, ist kein „neuer Moment“: Es ist schlicht und einfach eine Abkehr.

Wo bleibt das Vermächtnis des ewigen Feldherrn Hugo Chávez Frías? Jenes Mannes, dessen donnernde Stimme schlafende Völker aufrüttelte und Simón Bolívars philosophisches Schwert wieder entfachte. Jener Kämpfer des Sozialismus des 21. Jahrhunderts, der uns lehrte, dass wahre Freiheit nur durch absolute Souveränität möglich ist. Chávez beugte sich weder der Ölsabotage noch dem Putsch vom April 2002 oder Morddrohungen. Er zog es vor, ein unbequemer Riese zu sein, anstatt sich gewinnbringend unterordnen zu lassen. Angesichts der aktuellen politischen Lage fragen wir uns heute schweren Herzens: Verabschieden wir uns von der Niederlage, anstatt Widerstand zu organisieren?

Das Kuba von Martí, Fidel und Che blickt mit geballten Fäusten zu. Wir, die wir 65 Jahre lang einer völkermörderischen Blockade widerstanden haben, ohne jemals unsere Würde aufzugeben, fühlen uns zutiefst verletzt, wenn wir sehen, wie mit dem Machtwechsel in Caracas die Energieversorgung, die unsere Insel teilweise am Leben erhielt, in stillschweigender Komplizenschaft zusammengebrochen ist. Sie, die Sie sich mit dem CIA-Direktor trafen, während unsere Kinder unter endlosen Stromausfällen litten, werden unsere Bestürzung verstehen.

Es ist schmerzlich zu sehen, wie die bedingungslose Solidarität Kubas mit Venezuela – Ärzten, Lehrern, im Kampf für sein Territorium gefallenen Soldaten – nun mit Herablassung gegenüber denen erwidert wird, die unsere Wirtschaft ruinieren. Kuba hat diese Gleichgültigkeit nicht verdient, Schwester. So ehrt man nicht das gemeinsame Blut.

Der Geist des Befreiers Simón Bolívar durchdringt heute ein gefesseltes Amerika. Was sollen wir von seinem Vermächtnis der antiimperialistischen Einheit halten? Bolívar warnte uns, die Vereinigten Staaten seien „von der Vorsehung dazu bestimmt, Amerika im Namen der Freiheit mit Elend zu erfüllen“. Während Sie behaupten, „wir hätten das Recht, Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu unterhalten“, antworten wir mit dem Schmerz derer, die diesen Film schon zu oft gesehen haben: Wir haben kein Recht zu betteln. Wir haben das Recht, Handel zu treiben, ja, aber auf eigenen Beinen, mit gegenseitigem Respekt, ohne die Verwaltung unseres Geldes oder die Kontrolle über unsere Ressourcen anderen zu überlassen.

Oder schmerzt vielleicht noch immer die Erinnerung an die 32 kubanischen Soldaten, die bei dem Angriff, der zu Maduros Gefangennahme führte, getötet wurden? Jene Söhne Martís, gefallen bei der Verteidigung Bolívars Land, während die venezolanische Führung, so wird behauptet, die militärische Reaktion lähmte. Diese Wunde ist nicht verheilt. Jeden Tag, an dem man sich zu Verhandlungen zusammensetzt, ohne Gerechtigkeit und die volle Wahrheit für diese Märtyrer einzufordern, schmilzt das Erbe der Revolution wie ein Zuckerwürfel im bitteren Meer der Realpolitik.

Dies ist kein Brief gegen Venezuela. Es ist ein Brief an die Seele Venezuelas. Lasst uns nicht von den Sirenengesängen täuschen. Die venezolanische Oligarchie, dieselbe, die die Sanktionen und die Putsche bejubelte, will weder Frieden noch Übergang: Sie will die Restauration. Sie will Schulen und Krankenhäuser erneut in Unternehmen und Bauern in Leibeigene verwandeln. Würde sich der Chavismus zum gefügigen Verwalter imperialer Ziele wandeln, verriet er nicht nur Chávez, sondern auch all jene einfachen Menschen, die weiterhin glauben, die weiterhin für den CLAP demonstrieren, die weiterhin vom bolivarischen Sozialismus träumen.

Ich wende mich an Delcy, die einst eine junge Revolutionärin war, die Tochter eines Guerillakämpfers, die Frau, die mit der roten Fahne in der Partei aufstieg. Reagieren Sie, Frau Präsident. Es stimmt nicht, dass die einzige Option darin besteht, sich zu beugen, um nicht zu brechen. Es gibt den Weg des aktiven Widerstands und der Mobilisierung der Bevölkerung. Es gibt den Weg der technologischen Souveränität, eines strategischen Bündnisses mit den Völkern des Globalen Südens. Letztendlich besteht die Möglichkeit, zu dem zurückzukehren, was wir waren: die brennende Hoffnung der Menschheit, das Leuchtfeuer der unterdrückten Völker.

Wie der große Pablo Neruda, selbst gezeichnet von den Intrigen seiner Zeit, schrieb: „Sie können alle Blumen abschneiden, aber den Frühling können sie nicht aufhalten.“ Sei nicht die Hand, die die Schere gegen die Blumen erhebt, die Comandante Chávez gesät hat. Schreibe deinen Namen nicht auf die Liste derer, die sich aus Angst oder Ehrgeiz auf die Seite der Sieger des Tages geschlagen haben.

Aus dieser Haltung der Würde heraus glauben wir weiterhin an das heldenhafte Venezuela. Doch wir müssen es als dieses Heldentum würdig erachten. Wir bitten es in revolutionärer Liebe, den Kurs zu korrigieren. Die Märtyrer zu ehren. Das bolivarische Ideal, den kohärenten Antiimperialismus und die uns als Völker verbindende Solidarität wiederzuentdecken.

Bis zum Sieg, immer.
Heimat oder Tod.
Wir werden siegen.

*Komponist des Liedes Die Rückkehr des Freundes‘.“

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