Ägypten nach dem Putsch der Generäle: Zwischen 600 und 3000 Tote nach Massaker in Kairo – Militärdiktatur kündigt Einsatz scharfer Munition gegen „Terroristen“ an

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Wie RIA Novosti mitteilt, werde die Polizei scharfe Munition nutzen. Die russische Nachrichtenagentur verweist auf eine am Donnerstag veröffentlichten Erklärung der Innenbehörde. Der englischen Nachrichtenagentur Reuters zufolge betrachtet die "Regierung" Handlungen der Anhänger der Moslembrüder als die Realisierung eines "kriminellen Plans zur Vernichtung der Grundlagen des ägyptischen Staates" und wird bei der Unterbindung der Attacken mit scharfer Munition schießen.

Keine Frage, ein demokratisch gewählter Präsident muß selber kein Demokrat sein, doch ein Putsch ist ein Putsch und eine Diktatur ist eine Diktatur. Nach dem Putsch der Generäle um oder besser unter Abd al-Fattah al-Sisi, der seine Männer gerne mal "Jungfräulichkeitstests" durchführen läßt, ist die Militärdiktatur offensichtlich fest entschlossen, die Proteste der Islamisten im Blut zu ertränken.

Nach dem Massaker am Mittwoch in Kairo, die Demonstranten sprachen von rund 3000 Toten in ihren Reihen, während die Behörden heute von 638 Toten sprechen (mehrere Tausend Menschen wurden zum Teil schwer verletzt), gilt der Notstand, der Ausnahmezustand in allen wichtigen Städten und die Ausgangssperre. Mursi-Anhänger, Moslembrüder, Islamisten aller Couleur werden sich nicht daran halten. So viel steht fest. Bereits am Donnerstag bildeten sie Bürgerwehren, die sich gegen die Militärdiktatur wehrten und sogar staatliche Einrichtungen, Behörden und Polizeistationen und -kasernen angriffen. Auch in Kairo brannten viele Häuser. Wie Spiegel-Online mitteilt, würden "radikale Islamisten … die Demonstranten über den Kurznachrichtendienst Twitter" auffordern, "sich zu bewaffnen".

Auch die von Kapitalisten und aus der Großbeourgoisie – Naguib Sawiris, nicht nur der reichste Mann Ägyptens sondern gleich ganz Arikas, zieht die Fäden und überweist Millionen – finanzierte Tamarud ruft auf, sich zu wehren, will Bürgerwehren bilden. "Das ägyptische Staatsfernsehen strahlte am Abend den Aufruf von Mahmud Badr, dem Koordinator der Tamarud-Bewegung, aus", teilt Spiegel-Online heute mit. Auch über Twitter verkündet Tamarud, daß ihre Bürgerwehren sich "in allen Straßen, vor Häusern und Kirchen" platzieren sollen, "um sich einheimischem Terrorismus und ausländischer Einmischung entgegenzustellen".

Keine Frage, die Lager rüsten auf – mit Worten und mit Taten. EU-Europa ist zu schwach, um Einfluß auszuüben und die USA nimmt den Putsch der Generäle und die de facto Militärdiktatur billigend in Kauf.

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