Zugang fürs Kapital – Der Westen und arabische Despoten

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Abrams, ehemaliger, stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater von Obamas Vorgänger George W. Bush und derzeit leitendes Mitglied der einflußreichen Denkfabrik »US-Council on Foreign Relations« freute sich in einem Zeitungsbeitrag schon am 7. Januar dieses Jahres auf den bevorstehenden Sturz von Präsident Ben Ali. Den hofierte zu diesem Zeitpunkt noch die Regierung in Paris und bot sogar militärische Hilfe an. Ein anderer US-Thinkthank, das Washingtoner »Institute for Policy Studies«, hatte sogar bereits am 24. Dezember letzten Jahres über einen möglichen Regimewechsel in Tunis nachgedacht. Abrams schrieb: »Den Tunesiern, einschließlich Ben Ali würde es guttun, sich daran zu erinnern, wie viele Verbündete von unterschiedlichen US-Administrationen in der Vergangenheit bereits fallengelassen worden sind«. Zugleich meinte er hoffnungsvoll, daß der tunesische Geist der Freiheit auf die benachbarten Länder wie Algerien, Libyen und Ägypten überspringen werde.

Abrams und die beiden US-Institute waren stets Propagandisten der proamerikanischen, sogenannten farbigen Revolutionen. Für eine vom Westen gesteuerte bürgerliche Revolution fehlen in Tunesien und Ägypten bisher jedoch jegliche Anzeichen. Anders als in Belgrad, Kiew oder Tbilissi scheinen dort die hoch organisierten und bestens finanzierten Kampfgruppen nicht für die globale Verbreitung der US-Democracy aufgetreten zu sein. Statt dessen drängen sich jetzt Deutschland, die EU und auch die Obama-Administration in Tunis, um »Hilfe« anzubieten – kaum daß der von ihnen bis zuletzt unterstützte Despot Ben Ali verjagt worden ist.

Es scheint, daß die Bourgeoisie Nordamerikas und EU-Europas von der Entwicklung in Tunesien zwar überrascht wurde, diese inzwischen aber positiv bewertet, insbesondere weil die Eigentumsfrage nicht gestellt wurde. Daher bemüht sich der Westen nun, die weitere Entwicklung in wirtschaftsliberale Bahnen zu lenken. Das garantiert dem Kapital weitaus besseren Zugang zu den Rohstoffen und Märkten des Landes, als das früher unter der korrupten Ben-Ali-Clique möglich war. Die wollte unzulässigerweise alles selbst kontrollieren.

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Erstveröffentlich in www.jungewelt.de, 28.01.2011, junge Welt, Seite 8, 29.01.2011. Alle Rechte beim Autor.

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