Wein, Waffen, Klopapier – suum cuique

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Quelle: Pixabay, Foto: Jasmin Sessler

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Wem bei den Worte Jedem das Seine Unwohlsein in den Verstand kommt, der möge sie lateinisch suum cuique nehmen und sich an die Dichter und Denker erinnern, deren Gedachtes und Gesagtes niedergeschrieben, erhalten und übermittelt wurde.

Ein bekannter Schüler von Sokrates sagte einmal, dass Gerechtigkeit besteht, wenn man das Seine tue und nicht vielerlei Dinge treibe. Umgekehrt, ergänzte Platon, müsse jeder auch das Seine bekommen und niemand dürfe es ihm wegnehmen.

In Zeiten von Krisen wie diesen, die (noch) nicht mit Bezeichnungen wie Banken-, Finanz- oder Wirtschaftskrise belegt werden, sondern mit einem Virus aus Wuhan, VR China, besorgen sich die Deutschen Klopapier, die Franzosen Wein und die VS-Amerikaner Waffen und Munition. Jedem das Seine!

Von Hüten …

In den VSA profitieren Hersteller und Händler von (Handfeuer-)Waffen und Munition. Doch wenn man ehrlich ist, dann geht es auch der Pharmabranche nicht schlechter und auch die Popapierproduzenten, die das ihre tun und treiben, kommen auf ihre Penunzen wie die Plebejer an die Pistolen und Patronen, weil sie Plünderungen fürchten.

Und Überfälle und so weiter. Was des einen Erfahrungen sind, das sind des anderen Erkenntnisse, die sich durchsetzen und weitergegeben werden, sodass auch allerlei Erstkäufer an den Schusswaffen-Shops Schlange stehen.

Will man das den Leuten in einem Land verdenken, in dem jeder seines Glückes Schmied ist, aber nur wenige Schmiede Glück haben?

Einem Volk – wenn dieser Begriff mir an dieser Stelle erlaubt ist – ohne Kultur – ach, ich will in Anbetracht dessen, was sich anzubahnen scheint, akzentuierter meine Anschauungen vortragen -, ein Volk von Grenzstürmern und Goldgräbern, Landräubern und Ladendieben, Invasoren und Besatzern, Öl-, Gas- und Blutsaugern, mit einem aus dem europäischen, afrikanischen und asiatischen Allerlei zusammengerührten Kulturbrei geht halt schneller die Hutschnur hoch.

Man könnte auch so schreiben: „In Amerika ist der Firnis der Zivilisation dünner als an anderen Stellen des Globus.“ (Vgl. Guido Mingels, Waffen-Boom wegen Corona in Kalifornien – ‚Die Leute werden gierig'“, „Spiegel“, 21.3.2020).

… und Fliegen

Damit sich das nicht ändern, behalten die eigentlichen Herren – und das sind weder die Winzer aus dem Napa Valley noch die Wlaner aus dem Silicon Valley, sondern die des militärisch-industriellen Komplexes, den Hut auf. Diese bitten die Herren anderer Kapitalfraktionen höchstens in der Not an den Herrentisch – zum Fressen von Fliegen.

Die Leute, die sich um die Krümel im gelobten und geraubten Land schlagen, werden vor allem „gierig“ und grob, wenn nicht jeder, dem beigebracht wird, von dem zu träumen, was der andere hat, das Seine bekommt.

Nein, das ist jetzt von Aristoteles. Vielleicht sollte der eine oder andere in Politik und Presse mal wieder die „Nikomachischen Ethik“ lesen, bevor er sich im Allgemeinen lustig über das Hamstern von Wein, Klopapier und Waffen und Besonders über das Horten von Waffen bei Schaffenden, von den Heerscharen von Scheck zu Scheck leben, auch noch echauffiert.

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