Wahl in Armenien – Paschinjan oder Kotscharjan, wer sonst?

Platz der Republik in Eriwan. Quelle: Wikimedia, CC BY-SA 3.0, Foto: Sonanik

Eriwan, Armenien (Weltexpress). Wer einmal in Eriwan war, der sieht ständig auf den Berg Ararat, den heiligen Berg der christlichen Armenier. Er ist von den muselmanischen Türken besetzt. Der Ararat sind eigentlich zwei ruhende Vulkanberge, der eine gilt als Großer Ararat, der andere als Kleiner Ararat, stehen im Ararathochland, aus dem Armenier, die den Völkermord der Türken 1915 und 1916 überleben, vertrieben wurden. Der Ararat ist und bleib das Nationalsymbol der christlichen Armenier, die rund um den Ararat siedelten. Allerdings begannen die Verfolgungen, Ermordungen und Deportationen durch Türken bereits in den vorangegangenen Jahrzehnten und also zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Türken in der Türkei oder in Aserbaidschan, wo Aserbaidschan-Türkisch beziehungsweise Türkisch gesprochen wird, das nah am Türkei-Türkisch liegt, gelten nicht nur als Gegner, sondern als Feinde. Wenn von einem Türkisch-Armenischen Krieg die Rede ist, dann wird der von 1920 genannt und auch das Scharmützel zwischen türkischen und armenischen Soldaten bei Oltu. Nun, die Türken siegen und rauben mehr als die Hälfte Armeniens.

Doch die Kriege hören nicht auf. Zuletzt wurde von Juli bis November 2020 geschossen und zwar in der Republik Arzach (früher und also zur Zeit der Russen-Herrschaft die Autonome Oblast Bergkarabach). Der Streitkräfte und denen aus Armenien kämpften gegen Türken aus der Türkei und aus Aserbaidschan. Aus Ankara wurden Söldner aus Syrien eingesetzt. Sie machten mit der Luftwaffe aus der Türkei (Drohnen und also Killer-KI) und anderen modernen Waffen den Unterschied. Die Waffen der Armenier waren veraltet und nicht kriegsentscheidend. Mit anderen Worten: Mohammedanische Araber kämpften mit muselmanischen Türken gegen christliche Armenier. Die christlichen Russen, die als Zünglein an der Waage gelten, griffen lange nicht ein. Der Kreml schickte zum Schluß Truppen und setzte am 10.11.2021 einen Waffenstillstand durch, nachdem beinahe halb Arzach erobert worden wäre. Die Republik Arzach ist am Ende und die Reste sind de facto Teil von Armenien geworden.

In dieser Nachkriegszeit, die auch eine Vorkriegszeit sein könnte, geht es um Grundfeste, ums Wesentliche bei der Wahl in Armenien am heutigen Sonntag.

Unter dem Titel „Wahl in Armenien – Ringen um Stabilität“ teilt Silvia Stöber in „Tagesschau/ARD“ (20.6.2021) mit, daß sich die Debatten … zu einem Duell zwischen Paschinjan und Robert Kotscharjan“ zuspitzen würden. „Der Ex-Präsident stammt aus der Konfliktregion Bergkarabach und kämpfte dort als General im Krieg zu Beginn der Neunzigerjahre… Kotscharjan argumentiert, Sicherheit sei wichtiger als Demokratie. Auf Revolutionen seien auch in der Ukraine und Georgien Kriegsniederlagen gefolgt. Er kündigte an, bei einem Wahlsieg verloren gegangene Gebiete in Bergkarabach zurückverhandeln zu wollen.“ Daß der „ungerechte Frieden“ könne „nicht von langer Dauer“ sein könne, das sagte er auch.

Kotscharjan wird eine gewissen Näher zum Kreml in Moskau nachgesagt. Er betrachtet Rußland als Schutzmacht und würde den Russen mehr Einfluß geben wollen, aber auch armenisches Land zurück haben wollen.

Das Duell zwischen Kotscharjan und Paschinjan halten manche für ein Haßduell. Unter dem Titel „Paschinjan gegen Kotscharjan – Armenien vor der Wahl: Hassduell um die Macht“ teilt Stefan Scholl in „FR“ (20.6.2021) mit, daß Paschinjan … nicht wirklich wie ein Demokrat“ wirken würde. „Bei Wahlveranstaltungen schwingt er einen Hammer, kündigt ‚politische Vendettas‘ an… Oppositionskandidaten fordern schon, sich gegen Paschinjans Hämmer mit Schlagstöcken zu bewaffnen. ‚Beide Seiten werden ihren Wahlsieg ausrufen‘, prognostiziert der Jerewaner Politologe Alexander Iskandarjan. ‚Und sie werden demonstrieren.‘ Einen Bürgerkrieg erwarte er allerdings nicht. ‚Dafür braucht es mehr als böse Worte.'“

Wohl wahr, die Worte im Wahlkampf waren martialisch. Die Wahlverlierer werden die Wahlsieger akzeptieren und sich mit ihnen arrangieren müssen, am Ende auch mit den Russen. Armenien ist nämlich ein Hinterhof der Russischen Föderation und soll es bleiben.

Anmerkung:

Siehe auch den Artikel Wahlkampf in Armenien – Versammlungen und Demonstrationen in Eriwan von Mischa Medwedew.