VW Golf erstmals mit Flügeltüre

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Erhalten geblieben ist das visuelle Erscheinungsbild mit der soliden Formensprache des wieder als Drei- und Fünftürer erhältlichen Verkaufsschlagers aus Wolfsburg. Das Gesicht mit dem zu einem schwarzen Band zusammengefassten Kühlergrill, die ausgestellten Radläufe und der typische hintere Dachpfosten mit seiner massiven Fläche sind Designelemente, die sich seit der ersten Golf-Generation von 1974 stets fortsetzen.

Dennoch wirkt der neue Golf spätestens auf den zweiten Blick in den Proportionen verändert und dadurch etwas erwachsener. Laut VW-Designer Frank Büse rückten die Vorderräder um 4,3 Zentimeter nach vorn, was zu einem knackig kurzen Überhang führte. Die Schulterlinie wurde deut-lich abgesenkt, ebenso die Kotflügel. Dadurch wirkt die Motorhaube optisch länger und der In-nenraum nach hinten gerückt – was als Merkmal von Oberklasseautos gilt. Die Ladekante des Kofferraums liegt mit 66,5 Zentimetern eine Daumenbreite tiefer, der schwarze Heck ¬diffusor ver-strömt einen Hauch von Sportlichkeit. Besonders stolz ist Frank Büse auf den Tank ¬deckel, der erstmals formal in das Karosseriedesign integriert wurde und der sich wie das Portal eines Su-persportwagens öffnen lässt: „Die erste Flügeltüre an einem Golf.“

Um 5,6 Zentimeter ist der siebte Golf gegenüber dem Vorgänger auf jetzt 4,26 Meter gewachsen, der Radstand legte um 5,9 Zentimeter zu. Die geringfügige Zunahme in der Breite um 1,3 Zentimeter kam in erster Linie dem Schulterraum zugute. Die um 2,8 Zentimeter flachere Karosserie führt zu einer geringeren Kopffreiheit um 1,5 Zentimeter vorn und 1,2 Zentimeter hinten. Gunnar Austermann von der Technischen Projektleitung sieht das nicht als Nachteil an: „Der Golf VI hat das Thema Kopffreiheit übererfüllt.“

Um 30 auf 380 Liter wurde der Gepäckraum des neuen Golf vergrößert. Durch Umklappen der asymmetrisch geteilten Rücksitzbank fasst das Ladeabteil 1.270 Liter. Allerdings ist es den In-genieuren nicht gelungen, den Laderaumboden komplett eben zu gestalten. Die minimale Schräge dürfte aber im Alltag kaum stören. Lobenswert ist dagegen die Liebe zu manchem Detail. So kann die Gepäckraumabdeckung platzsparend unter dem Kofferraumboden deponiert werden, wenn man sie nicht braucht. Praktisch ist auch der Mechanismus der Seitentüren, die bei größeren Öffnungswinkeln nicht mehr in festen Stufen einrasten, was unliebsamen Kontakt zum Nach-barfahrzeug oder zur Garagenwand verhindern soll.

Ob bei den Motoren, bei Fahrwerk, Lenkung und Hinterachse, bei der Elektrik, der neuen Sitz-struktur, dem Klimagerät oder bei der Karosserie: Durchbrochen haben die VW-Ingenieure die ständig nach oben weisende Gewichtsspirale der letzten Golf-Generationen. Mit konsequentem Leichtbau ist es ihnen gelungen, die siebte Auflage des Erfolgmodells trotz höherer Steifigkeit und bei besserer Akustik um bis zu einhundert Kilogramm abzuspecken. Das wirkt sich auch auf den Verbrauch aus, der nach Aussage von Karosserieentwickler Tomas Schorn zu „fast einem Viertel vom Gewicht“ bestimmt wird.

Verbrauchsarme Motoren, neue Assistenzsysteme, ausgezeichnetes Handling

Auch die Motorenbauer legten die Hände nicht in den Schoß, sondern schufen eine komplett neue Generation von Benzin- und Dieselaggregaten, bei denen es sich um aufgeladene Direkteinspritzer handelt. Die Triebwerke haben einen um bis zu 23 Prozent geringeren Verbrauch und ebenso reduzierte Kohlendioxidemissionen und sind dank neuer Werkstoffe leichter. So bringt der 1.4 TSI um 40 Kilogramm weniger auf die Waage, davon entfallen allein 16 Kilo auf die Umstellung des Zylinderblocks von Grauguss auf Aluminium.

Komfortabel und dennoch agil ist das Fahrwerk des Golf ausgefallen. Die zweite Generation der adaptiven Dämpferregelung bietet ein ausgezeichnetes Handling. Serienmäßig an Bord sind unter anderem Start-Stopp-Automatik, Bremsenergierückgewinnung, ein Fünf-Zoll-Touchscreen-Display und eine Multikollisionsbremse, die nach einem ersten Aufprall das Auto lenkbar erhält lässt und einen zweiten Aufprall abschwächen oder ganz verhindern soll. Mit einer ganzen Reihe von Assistenzsystemen, in der Regel als Extras, kann der Kompaktwagen mit der Technik aus höheren Segmenten ausgestattet werden, etwa mit dem proaktiven Insassenschutzsystem (bereitet den Wagen auf einen unvermeidbaren Crash vor; 150 Euro).

Zwei Benziner und zwei Selbstzünder bilden das Motorenquartett zum Start. Der 1.2 TSI leistet wie sein Vorgänger 85 PS/63 kW, ist aber mit einem Normverbrauch von 4,9 Liter Super auf 100 Kilometer (113 g/km CO2) deutlich sparsamer. Bei ersten Testfahrten hinterließ der 1.4 TSI einen temperamentvollen und dank des früh zur Verfügung stehenden maximalen Drehmoments (250 Newtonmeter bei 1.500 bis 3.500 Umdrehungen) auch durchzugsstarken Eindruck. Das 140 PS/103 kW starke Aggregat (5,2 Liter Super; 119 g/km CO2) gibt es auch mit aktivem Zylindermanagement, bei dem zwischen 1.400 und 4.000 Umdrehungen und bis 85 Newtonmeter zwei „Töpfe“ automatisch abgeschaltet werden, was zu einem niedrigeren Kraftstoffverbrauch führt (4,7 Liter Super; 109 g/km CO2).

Die Dieselfraktion beginnt mit dem Basismodell 1.6 TDI (105 PS/77 kW; 3,8 Liter Diesel; 99 g/km CO2). Kraftvoll und zugleich dynamisch zu Werke geht nach den ersten Fahreindrücken der 150 PS/110 kW starke 2.0 TDI (4,1 Liter; 106 g/km CO2). Mit 320 Newtonmeter Zugkraft zwischen 1.750 und 3.000 Umdrehungen kann der 216 km/h schnelle Selbstzünder auch schaltfaul bewegt werden.

Bei 16.975 Euro für den dreitürigen 1.2 TSI in der Basisausstattung Trendline beginnt der Einstieg in die Welt des neuen Golf. Damit liegt der Grundpreis exakt auf dem Niveau der sechsten Generation. Der Mehrpreis für den Fünftürer, der nach Auskunft von Michael Kanitzky vom VW-Produktmarketing einen Anteil von 80 Prozent beim Vorgänger ausmachte, beträgt einschließlich elektrischer Fensterheber 900 Euro.

Bereits in den Startlöchern befinden sich weitere Versionen des neuen Golf. Zum Jahresende kommen ein 1.2 TSI mit 105 PS/77 kW (4,9 Liter Super; 114 g/km CO2) und ein 122 PS/90 kW starker 1.4 TSI sowie zwei Allradmodelle: Der 1.6 TDI 4motion soll 105 PS/77 kW leisten (4,5 Liter Diesel; 119 g/km CO2), der 2.0 TDI 4motion ist mit 150 PS/110 kW angekündigt (4,7 Liter Diesel; 122 g/km CO2). Beim wieder vom schwedischen Hersteller Haldex gelieferten Allradantrieb handelt es sich um eine weiterentwickelte Technik, die in der Kraftverteilung zwischen den Achsen noch feiner arbeiten soll.

Weitere Ergänzungen stehen für Mitte 2013 auf dem Programm. Zunächst kommt ein besonders auf Sparsamkeit getrimmter 1.6 TDI mit 110 PS/81 kW, der mit einem Normverbrauch von 3,2 Liter Diesel (85 g/km CO2) der bislang genügsamste Golf sein soll. Die sportliche Komponente bedienen dagegen der etwa 184 PS/135 kW starke 2.0 GTD sowie der schon legendäre Golf GTI, der mit 220 PS/162 kW unter der Haube der „Wolf unter den Gölfen“ werden dürfte. Außerdem ist für 2013 erstmals ein Golf CNG mit Erdgasantrieb vorgesehen, ebenso eine Version mit Elektromotor.

Im Herbst 2013 erhält die Golf-Familie Zuwachs durch die Neuauflage des Kombis Golf Variant. Die Großraumlimousine Golf Plus ist für 2014 geplant. Die Frischluftfreunde des Golf müssen bis 2015 auf das Cabriolet warten.

Im Detail: VW Golf 1.4 TSI

Fahrzeugsegment: Kompaktklasse; Motor: Vierzylinder-Turbobenziner mit Direkteinspritzung und 16 Ventilen; Hubraum: 1.395 ccm; Leistung: 140 PS/103 kW bei 4.500 bis 6.000 U/min.; Maximales Drehmoment: 250 Nm bei 1.500 bis 3.500 U/min.; Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 8,4 sec., Höchstgeschwindigkeit: 212 km/h; Kraftstoffart: Super; EG-Normverbrauch: innerstädtisch: 6,4 Liter/100 km, außerstädtisch: 4,5 Liter/100 km; insgesamt: 5,2 Liter/100 km; CO2-Emission: 119 g/km; Abgasnorm: Euro V; Effizienzklasse: B; Tankinhalt: 50 Liter; Theoretische Reichweite: 962 km; Übersetzung: Sechsgangschaltgetriebe; Antrieb: Vorderrad; Maße (Länge/Breite/Höhe): 4.255 mm/1.799 mm/1.452 mm; Radstand: 2.637 mm; Kofferraumvolumen: 380 bis 1.270 Liter; Leergewicht: 1.268 kg; Nutzlast: 512 kg; Zulässiges Gesamtgewicht: 1.780 kg; Anhängelast gebremst/ungebremst: 1.500 kg/630 kg; Wendekreis: 10,9 m; Bremsen vorn/hinten: Scheiben innenbelüftet/Scheiben; Räder: 6 ½ J x 16 Leichtmetall; Bereifung: 205/55 R 16; Versicherungsty-penklassen: k. A.; Preis: 22.525 Euro.

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