Uri Avnery ist tot – Die Welt verliert einen großartigen Kämpfer für Israel und für einen fairen Frieden mit den Palästinensern

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Uri Avnery
Uri Avnery © Uri Avnery

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Uri Avnery lebt nicht mehr. Wir trauern. Der in der Welt bekannte israelische Friedenskämpfer, der am 10. September 1923 als Helmut Ostermann im westfälischen Beckum geboren wurde, starb im Alter von 94 Jahren Montagnacht in einem Krankenhaus in Tel Aviv.

Avnery, der im ersten Nahostkrieg von 1948 im Kampf schwer verwundet wurde, stritt viele Jahrzehnte für eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts. Gemeinsam mit seiner 2011 gestorbenen Frau Rachel erhielt er 2001 den Alternativen Nobelpreis.

„Die Grundlage für jeden denkbaren Frieden ist es, das Westjordanland mit Ostjerusalem und dem Gazastreifen in einen palästinensischen Staat umzuwandeln“, sagte der Mann, der in Israel am wortgewaltigsten für eine Zweistaatenlösung eintrat, die „zwei Staaten für zwei Volksgruppen“ vorsieht.

Dafür kämpfte er bis zuletzt. Bereits am Samstag vor zwei Wochen brach er in seinem Haus zusammen, als er gerade auf den Kikar Rabin, den Rabin-Platz in Tel Aviv, gehen wollte, um an einer Demonstration gegen das Nationalstaatgesetz teilzunehmen.

Auch dagegen kämpfte Uri Avnery mit der Feder in der Hand. Wenige Stunden vor seinem Schlaganfall schrieb er seinen letzten Beitrag „Wer zum Teufel sind wir?“, der im WELTEXPRESS unter dem Titel „Wer zum Teufel sind wir? – Friedliche Nachbarn in einer semitischen Region“ am 5. August 2018 veröffentlicht wurde.

Avnery war von Anfang an Autor, also ab Frühjahr 2004, davor schrieb er seit 1997 für das Politmagazin Kalaschnikow, dessen Chefredakteur ich war. So lange kannten wir uns. Vor allem war Avnery einst Chefredakteur der Wochenzeitung „haOlam haZeh“ und schrieb bis zum Schluss für die israelische Tageszeitung „Haaretz“, die in gewisser Weise noch als Leitmedium des Landes gelten kann.

Avnery widmete sich in seinen Texte und Leben vor allem dem Kampf um den Frieden zwischen dem Staat Israel und dem palästinensischen Volk in seinem unabhängigen Staat sowie zwischen Israel und der arabischen und muslimischen Welt. Er, der seit 1948 „die Idee des israelisch-palästinensischen Friedens und die Koexistenz zweier Staaten: des Staates Israel und des Staates Palästina, mit Jerusalem als gemeinsamer Hauptstadt“ vertrat, vor Journalist, als Abgeordneter der Knesset und mit der Friedensorganisation Gush Shalom (Friedensblock), die er 1993 gründete, musste Zeit seines Lebens auf diesen Frieden und die Friedenslösung „zwei Staaten für zwei Volksgruppen“ warten.

„In der Geschichte des Staates Israel wird Uri Avnery als ein weitblickender Visionär bezeichnet“, schreibt Adam Keller, Sprecher von Gush Shalom heute, „der auf einen Weg weist, den andere nicht sehen konnten. Es ist das Schicksal und die Zukunft des Staates Israel, mit seinen Nachbarn Frieden zu schließen und sich in die geographische und politische Region, in der er sich befindet, zu integrieren. Avnerys größte Gegner werden letztlich in seine Fußstapfen treten müssen – denn der Staat Israel hat keine andere Wahl.“

Keine Frage, dass Avnery, der sich in erster Linie zuerst als Israelie und dann als Jude bezeichnete, um als solche als erster Israeli den PLO-Führer Yasser Arafat zu besuchen – das zwar 1982 in Beirut, Libanon, als Kontakte mit der PLO noch unter Hochverrat standen -, den einen als engagierter Kämpfer für den Frieden und die Völkerverständigung, den anderen als Verräter an der zionistischen Sache galt. Avnery bezeichnete nicht nur denn Siedlungsausbau und die israelischen Militäreinsätze in den Palästinensergebieten als „Unglück für Israel“, er stellte sich auch dazwischen.

Die Journalistin und Menschenrechts-Aktivistin Anat Saragusti, die Avnery nahestand, schrieb vor einigen Tagen auf „Facebook“ unter anderem Folgendes: „Wir können davon ausgehen, dass er diese Woche seine wöchentliche Kolumne nicht schreiben wird. Er sagte mir einmal halb im Scherz und halb im Ernst: ‚Wenn du meine Kolumne bis Freitag nicht bekommen hast, solltest du wissen, dass ich gestorben bin.‘“

WELTEXPRESS verliert einen klugen Kolumnisten, die Welt verliert einen großen Kämpfer für ein bisschen Frieden.

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