„Unser Sommermärchen“ – Das 8. Deutsche-Down-Sportlerfestival 2010 startet am 12. Juni in Frankfurt am Main

Wer das letztjährige Festival in Frankfurt erlebte, so wie wir, der wird nie wieder vergessen, daß diese Behinderung auch etwas hervorbringt, was die innere Freude stärker nach außen dringen läßt, als üblicherweise, was daran liegt, daß die Emotionen bei Dow-Syndrom-Menschen dichter unter der Haut liegen, also ungehindert sich innere Freude auf den strahlenden Gesichtern und den freudigen Anfeuerungsrufen und einem Riesenapplaus zeigt.

Das wird auch am 12. Juni so sein und wir wollen alle die, die im Umkreis Frankfurts wohnen, auffordern, sich als Zuschauer auf den Weg zu machen und mitzuverfolgen, was am Samstag im Sport- und Freizeitzentrum, Frankfurt-Kalbach so passiert. Denn das Programm ist reichhaltig und auch dieses Mal werden die Sportler von Prominenten unterstützt. Es kommen Joachim Hermann Luger, besser bekannt als Vater Beimer aus der Lindenstraße und Bambi-Preisträger Bobby Brederlow, die schon einige Male dabei waren. Bobby Brederlow ist derjenige, der selbst das Down-Syndrom hat und im Fernsehen die Massen durch sein authentisches Spiel bewegte. Dieses Jahr ist erstmals als echter Hesse Henni Nachtsheim dabei, der der eine Teil vom Comedy-Duo „Badesalz“ ist, das auf Hessisch spricht und musiziert. Aber es wollen auch kommen Claus Theo Gärtner, der Matula der Fernsehserie ’Ein Fall für zwei“, André Willms als Ruderweltmeister und Olympiasieger, Annette Dytrt, fünffache Deutsche Meisterin im Eiskunstlauf und Renate Lingor, Ex-Fußballweltmeisterin.

Klar, daß die Eltern der Down-Kinder dabei sind und sie sind auch diejenigen, die die positive Wirkung des Sportfestivals auf ihre Kinder am besten einschätzen können. Jakob ist so einer, der wiederkommen wird, nachdem er im vergangenen Jahr zum ersten Mal beim Down-Sportlerfestival dabei war. „Er war so begeistert, daß er das Festival T-Shirt Tag und Nacht anbehalten hat. Wir haben uns mit Mühe und Not auf nur nachts einigen können!“, äußern die Eltern. Wie geht es erst denen, die auf dem Siegertreppchen stehen, zu dem am Nachmittag aufgerufen wird. Denn wo siegen diese Menschen sonst?

Was das Schönste daran ist, ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Sportler gegeneinander antreten und kein Mitleidsbonus eine Rolle spielt, sondern echter Wettbewerb herrscht. Auch dieses Jahr sind die Sportarten ausgedehnt worden und im Jahr der Fußballweltmeisterschaft spielt auch der Fußball beim Samstagsfestival eine Rolle, wobei das Elfmeterschießen der Hauptspaß bleibt.

Ausrichter des Festivals ist die Hexal Foundation GmbH. Wir finden das richtig, daß Arzneimittelhersteller, die von Kranken reich werden, auch solche Ereignisse durch großzügige Unterstützung möglich machen, die aus Kranken ganz normale Menschen machen, denn die Grundgefühle sind bei allen Menschen gleich. Und inzwischen ist das Down-Syndrom-Festival schon eine Institution geworden. Angefangen hatte es im Jahr 2003, wo in Frankfurt das erste Mal 75 Sportler zusammenkamen, deren Wettkämpfe rund 250 Zuschauer begleiteten. Seit 2005 kam als zweiter Austragungsort Magdeburg hinzu. Längst ist das Festival zu einer Großveranstaltung geworden, mit mehr als 800 Sportlern und 3 500 Zuschauern. Auch rund vierhundert ehrenamtliche Helfer werden wieder nötig sein, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, denn immerhin sind zehn Sportdisziplinen zu bewältigen, das sind: 100-Meter-Lauf, 1000-Meter-Lauf, Weitwurf, Weitsprung, Fußball, Tennis, Tischtennis, Judo, Tanz und Musical.

Renate Lingor wird eine Mini-WM veranstalten und auch hier wird der Sieger wie alle anderen dann in der Siegerehrung aus den Händen der Schirmherren – das sind die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth und Lutz Trümer, Oberbürgermeister von Magdeburg – eine Medaille und eine Urkunde entgegennehmen. Daß in Frankfurt jeweils sehr viel mehr Sportler antreten und Zuschauer kommen, bringt die Tradition und die günstige Verkehrslage mit sich. Bleiben wir noch einen Moment bei dem Down-Syndrom, das dieses Festival zu etwas Besonderem macht.

Jährlich kommen in Deutschland etwa 1 200 Neugeborene mit Down-Syndrom auf die Welt, insgesamt leben rund 50 000 hierzulande, weil deren Lebenserwartung unter der Norm, als kürzer ist. Grund für diesen „Geburtsfehler“ ist die „Trisomie 21“ , wie diese Menschen auch in Frankreich genannt werden. Der Grund liegt in dem Chromosom Nr. 21, das bei der Normalausstattung der menschlichen Zelle zweifach vorkommt, so daß die insgesamt 46 Chromosomen, zusammengefaßt zu 23 Paaren existieren. Aber bei denen mit einem Down-Syndrom liegt das Chromosom Nr. 21 dreifach vor, eine genetische Veränderung, die bestimmte Auswirkungen hat. Typische körperliche Merkmale sind schräge Lidachsen, Vierfingerfurche und eine verringerte Muskelspannung. Es gibt unterschiedliche Grade der kognitiven Beeinträchtigung und auch geistige Behinderungen verschiedenartiger Ausprägung.

Anders als früher weiß man heute, daß viele der körperlichen, seelischen und geistigen Beeinträchtigungen auch dadurch stabilisiert und sogar verschlimmert wurden, weil man einen Krankenstatus konstituierte, der diese Menschen aus der Gesellschaft absonderte und ihre Verschiedenartigkeit zum Hauptthema machte, statt umgekehrt die menschliche Grundeigenschaft zu betonen. Heute, wo schon von Kindheit an die meisten in Regelkindergärten und allgemeinen Grundschulen aufwachsen, ’verwachsen’ sich auch manche Besonderheiten. Das noch Entscheidendere ist dabei, daß es eben normal wird, daß nicht jeder Mensch mit den gleichen Fähigkeiten ausgestattet ist, daß man aber durch das Miteinanderleben die Unterschiede immer weniger wahrnimmt, was sich positiv nicht nur auf das Leben derer mit dem Down-Syndrom niederschlägt, sondern auch statistisch mit einer höheren Lebenserwartung belohnt wird. Dieses Festival ist etwas, worauf sich die Beteiligten ein ganzes Jahr freuen und ihre Zuschauer auch.

www.down-sportlerfestival.de