„Trallari trallahey tralla hoppsasa“ – Eisbären-Fans feiern – Berlin besiegt Wolfsburg nach Krampf und Kampf mit 2:1

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Warmschießen vor dem Spiel zwischen Eisbären und Grizzyls am 23. Dezember 2016 in Berlin. © 2016, Foto: Joachim Lenz

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Das Punktspiel zwischen den Berliner Eisbären und den Grizzlys Wolfsburg in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) begann so richtig, als Spencer Machacek ins Tor traf (6.). Keine Frage: Die Berliner begannen druckvoll und belohnten sich früh für ihr Engagement in der stets umkämpften Begegnung. Zuvor passte Julian Talbot perfekt auf den in den Slot gelaufenen André Rankel, der jedoch am guten Wolfsburger Torhüter Sebastian Vogl scheiterte. Vogl konnte klären, aber seine Verteidiger bekamen die Scheibe nicht weg. Weil Machacek nachsetzte zappelte der Puck im Netz.

Als Jeffrey Likens zwei Strafminuten wegen unkorrekten Körperangriffs direkt hinterm von Vogl gehüteten Tor erhielt (7.), hätten die Berliner nachlegen können, doch deren Überzahlspiel ließ erneut Wünsche offen. Doch die Grizzlys machten es wenig später nicht besser, als Jamie McQueen wegen Stockschlags vor der Berliner Bank zwei Strafminuten absaß. Das Beste, was angeblich 11 110 Zuschauer, die der Hallensprecher verkündete, in der hohen Mehrzweckshalle an der Spree sahen, war ein Schlagschuss von Jimmy Sharrow von der blauen Linie.

Ein scharfer Schuss an den Pfosten des Berliner Tores, der das Gehäuse zum Klingen brachte, war alles, war die Wolfsburger schafften und die Eisbären, die zwischenzeitlich einen Gang runterschalteten, weckte (18.). Die Berliner antwortet mit einem gefährlichen Angriff und ließen die große Chance liegen. Dabei holte sich Grizzly Tyson Mulock von den Schiedsrichtern Lars Brüggemann und Bastian haupt eine Zwei-Minuten-Strafe wegen hohen Stocks (18.). Die blieb für die Gäste folgenlos, weil die Hausherren harmlos agierten.

Die letze Möglichkeit im ersten Drittel hatten die Spieler von Grizzly-Trainer Pavel Gross, die in Unterzahl klug konterten, weil die Berliner blöd wechselten. Petri Vehanen im Eisbären-Tor verhinderten Schlimmeres.

Im Mitteldrittel mussten alle mitansehen, wie die Eisbären von Minuten zu Minute schlechter wurden. „Die spielen die Halle leer“, lamentierte ein altgedienter Fan im Oberrang.

Weil Sharrow Nicholas Petersen mit dem Stock schlug, musste er für zwei Minuten auf die Strafbank (31.). Alle Anwesenden sahen wieder ein schlechtes Überzahlspiel der Berliner und einen üblen Fehlpass von Kyle Wilson (34.). Im Gegenzug ergab sich eine Großchance für die Gäste. Wieder kein Tor. Dann fuhr McQueen allen auf Vogl zu, doch den aus kurzer Distanz geschossenen Puck konnte der Torsteher aus Niedersachsen fangen (35.).

Das Spiel war derart unansehnlich, dass fast alle Zuschauer anfingen, sich selbst zu feiern. Unglaublich, aber das musste man gesehen haben und war das Eintrittsgeld wert. Nach der Titelmusik von Pippi Langstrumpf machten die Fans, was ihnen gefiel. „Trallari trallahey tralla hoppsasa!“ Tausende Zuschauer sangen und hüpften.

In die gute Stimmung in der ganzen Halle fiel der Ausgleichstreffer. Garrit Fraser traf zum 1:1 (39.). Doch Tausende zahlende Zuschauer scheint das wenig zu stören. Sie sangen, klatschten und hopsten weiter so gut sie konnten, während die Eisbären in dieser Phase der Partie schlicht schlecht spielten. Die Fans schienen kurz vorm Mana-Mana-Song der Muppets zu stehen, doch dann war das zweite Drittel vorbei und sie stellten sich nach Getränken an.

Offensichtlich fand Eisbären-Trainer Uwe Krupp in der zweiten Pause die richtigen Worte. Wie zu Beginn des ersten Drittels drückten die Berliner. Micki DuPont kam, sah und schoss. Tor (43.). Erneut gehen die Gastgeber in Führung. Die Vorarbeit leistete Florian Busch.

Beide DEL-Mannschaften kämpften fortan mit mehr Anstrengungen für den Sieg und die Punkte. Der Einsatz stieg, die Stimmung auch. Doch nur Tylor Haskings erhielt zwei Strafminuten wegen unkorrekten Körperangriffs (45.). Die Grizzlys gaben sich Mühe, aber sie belohnten sich nicht, denn die Berliner verteidigten engagiert.

Als Peterson vor lauter Ärger einen Puck aufnahm und auf seinen Gegner warf, weil er zuvor mehrfach einstecken musste und zumindest ein Wolfsburger hätte vom Eis fliegen müssen, erhielt er zwei Strafminuten (54.). Die Grizzlys und Schiesrichter mussten sich ein lautes Pfeifkonzert anhören. Dynamo-Rufe erschallten im Rund. Doch den ausgepowert wirkenden Gästen gelang erneut kein Powerplay. Den Berliner allerdings auch nicht, als zum Schluss Sharrow erneut die Strafbank drückte (57.).

„Steht auf, wenn ihr Eisbären seid“, sangen die Berliner und Brandenburger und standen, klatschten und sangen bis zum Sieg, weil die Verteidigung und Vehanen hielt. Die Abwehr hielt so gut, dass die Wolfsburger nur rund 40 Schüsse, davon knapp 20 aufs Tor brachten. Die Berliner schossen über 60 Mal und brachten über 40 Schüsse aufs Tor, doch die Effizienz bliebt wie oft in den letzten Wochen: nicht gut genug.

Mit 48 Punkten aus 32 Spielen bleiben die Berliner Eisbären auf dem siebten Platz in der DEL-Tabelle. Die Grizzlys Wolfsburg stehen mir 53 Punkten aus 30 Spielen auf Platz vier.

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