Soja oder nein: Vom Viehfutter über Fleischersatz zur Gesundheitsdelikatesse? – Serie: Soja – die goldene Bohne? (Teil 1/3)

Nachdem Pop-Star Madonna, der Schauspieler und Ex-Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger und US-Designerin Donna Karan sich öffentlich bekannten, von Milchprodukten auf Sojaerzeugnisse umgestiegen zu sein, gilt Soja nicht nur als gesund, sondern soll auch noch schön machen. Angeblich wurde nachgewiesen, dass die Sojabohne zellschützende Antioxidantien, Vitamin E und Vitamine aus dem B-Komplex enthält. So wurden Soja-Produkte als Better-Aging-Mittel unter die Leute gebracht. Der Absatz von Sojamilch stieg 2005 weltweit um etwa 30 Prozent. Weil die Bohne tatsächlich hochwertiges Eiweiß, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe liefert, gelten Sojaprodukte dem gesundheitsbewussten Laien als Wundermittel. Frauen, die unter Wechseljahres-Beschwerden leiden, erhalten sogar oft von ihrem Arzt den Rat, es mit Soja-Präparaten zu versuchen. Seit mehr als 20 Jahren glaubt man, dass es an der sojareichen Ernährung liegt, dass beispielsweise Japanerinnen kaum über Wechseljahresbeschwerden klagen, was aber auch damit zusammen hängen könnte, so Wissenschaftler, dass Japanerinnen generell weniger Gewicht auf die Waage bringen, nicht rauchen und sich auch sonst gesünder ernähren. Beweise für die Auswirkungen auf Wechseljahresbeschwerden von Soja fehlen bislang.

Tatsächlich soll die Sojabohne Phytoöstrogene enthalten, pflanzliche weibliche Sexualhormone, die dabei helfen könnten, Wechseljahresbeschwerden zu lindern, aber welche Auswirkungen hätte das, wenn man Säuglingen und Kindern Sojamilch gibt? Das war eine der Fragen, die wir dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Sojaherstellers „Solae“, David Welsby, stellten. Er sagte uns, es gebe Studien, die über 30 Jahre Personen begleiteten, die mit Sojamilch, bzw. Sojaprodukten aufwuchsen und es seien keine Veränderungen des Hormonhaushalts, Wachstumsstörungen oder andere Auffälligkeiten festgestellt worden.

Studien von 1990, die von New Yorker Wissenschaftlern durchgeführt wurden, fanden jedoch einen Zusammenhang mit Soja-Nahrung in den ersten Lebensmonaten und Schilddrüsen-Erkrankungen. Ebenso verhält es sich mit der Cholesterin senkenden Wirkung, die Soja-Produkten nachgesagt wird. Da Kinder normalerweise keine Probleme mit einem erhöhten Cholesterin-Spiegel im Blut aufweisen, könnte es unter Umständen eher schädlich als nützlich sein, wenn man ihnen Soja-Nahrungsmittel verabreicht. Eine Senkung des Cholesterin-Spiegels ohne Krankheitsbild könne gefährlich bis tödlich sein, heißt es. So rät Udo Pollmer, der Lebensmittelchemiker und das „enfant terrible“ der Lebensmittelindustrie vom Verzehr von Soja generell ab und nennt das isolierte Sojaprotein, aus dem die Soja-Produkte hergestellt werden, ein Abfallprodukt, das in etwas verwandelt werde, das „schrecklich aussieht und riecht“ und mit Aromen, Konservierungsstoffen, Süßstoffen, Emulgatoren und anderen Zusätzen „aus dem hässlichen Entlein der Nahrungsmittelhersteller zum Schwan eines neuen Zeitalters“ gemacht werde.

Das Angstwort heißt „Cholesterin“. Ein erhöhter Cholesterin-Spiegel wird für viele Herzerkrankungen verantwortlich gemacht und so hat sich verbreitet, dass eine Senkung des Cholesterinspiegels entweder durch Medikamente oder durch reduzierte Fettzufuhr zu erreichen ist. Seitdem schlachtet die Industrie das Thema „Fett“ aus und bringt Nahrungsmittel unter die Leute, die mit dem Titel „fettarm“ gesunde Ernährung suggerieren. Doch gibt es offensichtlich gar keine Beweise zur Ursache-Wirkung zwischen Cholesterin und Herzkrankheiten. Die Schulmedizin nimmt an, dass Herzinfarktsopfer, die einen erhöhten Blut-Cholesterinspiegel aufweisen, von dem man wiederum annimmt, dass der für die Verhärtung der Arterien verantwortlich ist, die wiederum für als Ursache für den Herzinfarkt gelte. Von Wissenschaftlern in London soll nachgewiesen worden sein, dass Inhaltsstoffe von Soja entzündungshemmend und antioxidativ wirken und freie Radikale abfangen können. Weil die Entstehung von Krebs auf chronische entzündliche Prozesse zurückgeführt wird, nimmt man an, dass der Verzehr von Soja gegen Tumorerkrankungen wirkt, indem die Pflanzenhormone in der Bohne den Körper unterstützen, Substanzen aufzubauen, die das Wachstum von Zellen – auch Krebszellen – kontrollieren.

Nun gibt es Studien die besagen, dass Menschen, die durch eine Diät oder Medikamenten eine Senkung ihres Cholesterinspiegels herbeiführen, einer größeren Gefahr ausgesetzt sind, eines gewaltsamen Todes durch Selbstmord zu sterben, als durch einen Herzinfarkt. Untersuchungen ergaben, dass Menschen mit niedrigen Cholesterinwerten eher zu Selbstmord neigen. Es heißt, dass Cholesterin senkende Medikamente oder eine sehr fettarme Ernährung möglicherweise zu einer Abnahme des Gehirnhormons Serotonin beitragen, das für die Kontrolle negativer Impulse zuständig ist. Wenn also sojareiche Ernährung den Cholesterin-Spiegel senkt, wie kann man dann Kindernahrung auf Sojabasis verantworten? Ebenso verhält es sich mit einer Schilddrüsen-Unterfunktion, die zu Depressionen führen kann. Nahrungsmittel auf Sojabasis stehen im Verdacht, die Funktion der Schilddrüse herabzusetzen. Das wären Fragen, die geklärt werden sollten.

Weiterhin steht die Fettleibigkeit so vieler Kinder und Jugendlicher zur Diskussion. Sind nicht Lebensmittel aus Soja letztlich industriell hergestellte Produkte, die viele Zusätze enthalten? Und wie ist es mit gentechnisch veränderten Sojapflanzen? Laut „foodwatch“ landen sie zumindest in den Futtertrögen der Bauernhöfe, bisher ohne Kennzeichnungspflicht, das sei hier nebenbei bemerkt.

Fest steht, dass der Mensch täglich pro Kilogramm Körpergewicht etwa 1 Gramm Eiweiß zu sich nehmen soll. Eiweiß ist in allen Fleisch- und Fischsorten enthalten, in Milchprodukten und Eiern. Pflanzliches Eiweiß in Hülsenfrüchten, Getreide, Nüssen und eben in Sojaprodukten, die – sind sie qualitativ hochwertig – ein reiner Protein-Lieferant sind. Eiweiß stärkt die Abwehrkräfte, ist wichtig für die Erneuerung der Knochensubstanz sowie Zellen des Muskelgewebes, für Haut, Haare und Nägel und in den Wechseljahren.

Quellen:

Telefongespräch mit David Welsby von „Solae“ am 7. Juli 2011

Udo Pollmer: „Karriere der Giftpflanze Soja“

Mag. Sabine Stehrer: „Soja: Bohne mit Power – Wie gesund Soja wirklich ist“

Catherine Ebeling: „Die dunkle Seite des Soja“