Selten so gejammert und gejault – Sportliche Bankrotterklärung der Eisbären Berlin

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Fans der Berliner Eisbären am Freitag, den 18. Januar 2019 beim Spiel gegen Adler Mannheim. © 2019, Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow

Berlin, Deutschland (Weltexpress). „Liebe Bauern, wir sind Eure Hauptstadt. Immer und gerade jetzt zum Grüne Woche genannten Ringelpietz der Agrarindustrie in Westend-Hallen, die auch nur eine Welt der Ware und des Spektakels umhüllen, sind wir dies. In der kapitalistischen Kaufrausch- und Konsumwelt, die längst den Sport erreicht hat, ist Schenken, nicht Anfüttern, die eigentliche Tat. In diesem Sinne: Willkommen Adler Mannheim im Anschutz-Container.“

So oder so ähnlich hätten sie klingen können, die Worte, mit denen das kollektive Kufenkurven in Berlin bei Feuerbällen und Boxengedröhne eingeläutet und der Gegner als Bauer begrüßt wird. Doch die üblichen dünnen Worte im Programmheftchen waren zu lesen. Dieses Mal Basisbanalitäten und Belanglosigkeiten gepaart mit Blödheiten
(„Heute fangen wir damit an“) vom Geschäftsführer Peter John Lee. Für die despektierliche Begrüßung von Bauern in der Hauptstadt sorgte der Hallensprecher. Das sagt nichts über den Gast, aber alles über den Gastgeber aus.

„Auf Wiedersehen“

Fans der Eisbären Berlin

Und über den haben wir schon früh in der Saison, als die Hofberichterstatter im andauernden Aftergang ihre Finger nicht halten konnten, alles gesagt, was es zu sagen gibt. Jetzt haben sogar die Fans die Fresse dick. Als Funktionäre und andere Lohnarbeiter und Gehaltsangestellte der EHC Eisbären Management GmbH ihre Loge mehrere Minuten vor Spielschluss verließen, wie Hunderte andere die hohe Mehrzweckhalle an der Spree, riefen sie „auf Wiedersehen“.

„Schmeißt doch mal den Trainer raus.“

Fans der Eisbären Berlin

Die lauten Pfiffe nach dem Spiel dürften diesen Männern nicht gegolten haben, die wie Stefan Ustorf, der mitunter als Spielerentwickler vorgestellt wird, und Stéphane Richer, dem Vorstellungen als Trainer widerfahren, über den Kader jammern und über sich als Kämpfer sprechen. Diesen und anderen Kampfschweinen unter der Eisbären-Fassade, die mit dem Finger auf den Kader zeigen, werden schlichte Gemüter das ganz gewiss gerne glauben. Die anderen sehen auch die drei Finger, die auf den Absender verweisen.

„Macht euch doch nicht lächerlich.“

Fans der Eisbären Berlin

Das alles und noch viel mehr war zu hören, nachdem Fans der Berliner Eisbären, die bis zur 41. Spielminute auf Tommeln und Banner verzichteten, loslegten. Zum Anfeuern war ihnen und anderen vorher wohl auch nicht wirklich zumute, abgesehen von den Anfangsminuten.

Die Anschutz-Angestellten boten als Eisbären allerdings über 60 Minuten noch nicht einmal Entertainment. Dieser Kader und die dafür Verantwortlichen sind ein Fall für die 2. Liga.

Auf- und Abstieg sind dringend nötig in der Hauptstadt und bei den Bauern … und Fischern.

Während Richer den Tadel als Trainer in Berlin anzieht und zugleich von sich als Manager und anderen Tunichtguten ablenkt, bekommen der Geschäftsführer Hauke Hasselbring und der Trainer Thomas Popiesch der Fischtown Pinguins Bremerhaven Lob. Zu Recht! An der Wesermündung wird mit wenig Kohle auf dem Konto Großes geleistet. Gratulation!

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