„Schwere mögliche Nebenwirkungen“ bei Chloroquin und Hydroxychloroquin und die Resochin-Rede des Bayer-Bosses Werner Baumann

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Quelle: Pixabay, Foto: Markus Distelrath

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Covid-19 gilt als Atemwegserkrankung, manche Männer und Frauen in Politik und Presse nennen sie auch Lungenkrankheit.

In „NTV“ (4.4.2020) wird unter der Überschrift „Kampf gegen Covid-19 – Bayer hofft auf schon entwickelte Medikamente“ mitgeteilt, dass Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG, „auf die Wirksamkeit des Mittels Resochin“ setze. „Sollte das Medikament tatsächlich helfen, „werden wir alles dafür tun, es in ausreichenden Mengen herzustellen“, wird Baumann zitiert.

Das Gute an Resochin sei, dass „das Mittel mit dem Wirkstoff Chloroquin … bereits in den 1930er Jahren … zur Malariaprophylaxe“ entwickelt worden sei.

Im „Handelsblatt“ (2.4.2020) wird unter der Überschrift „Malariamittel Resochin: Bayer-Chef Baumann macht Hoffnung im Kampf gegen Corona“ von Bert Frödhoff und Peter Brors mitgeteilt: „Der Konzernchef wirbt im Kampf gegen Corona für ein altes Malariamittel. Bayer rüstet schon Fabriken um und will den Wirkstoff kostenlos abgeben.“

Unter dem Titel „Resochin gegen Coronavirus – Zu früh für Optimismus?“ teilt Markus Grill in „Tagesschau“ 3.4.2020) der ARD mit, dass „Gesundheitsminister Spahn … im Kampf gegen Covid-19 Hoffnung auf das Uralt-Medikament Resochin“ mache. Grill notiert: „Tatsächlich ist die Basis für diese Hoffnung dünn… Tatsächlich hat Resochin eine antivirale Wirksamkeit und hemmt in Laborversuchen die Aktivität auch des neuen Coronavirus. Doch im Labor zeigen viele Mittel eine Wirkung – die Frage ist, ob die Mittel anschließend auch einem echten Patienten nützen.“

Nicht nur in Tagen wie diesen sollte man angeblich Unabhängige in Politik und Presse, Staat und Kapital kontrollieren. Ein Blick in das pharmakonzern-unabhäniges Medien „Arznei-Telegramm“. Hinter „NTV“ steckt Kapital-TV und Kapital-Radio beziehungsweise die RTL Group SA mit Hauptsitz in Köln.

Deshalb raten die Mediziner des Magazins „Arznei-Telegramm„, das angeblich „für Ärzte und Apotheker sowie „neutral, unabhängig und anzeigenfrei“ sei, auch dazu, Chloroquin und Hydroxychloroquin derzeit jenseits der Zulassung „nur im Rahmen klinischer Studien“ einzusetzen. Unter der Überschrift „Covid-19: Was ist zum Nutz von Chloroquin und Hydroxychloroquin bekannt?“ (25.3.2020) heißt es abschießend: „Ein klinischer Nutzen von Chloroquin und Hydroxychloroquin bei Infektionen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 ist bislang nicht belegt. Beide sollten derzeit zur Therapie von COVID-19 nur im Rahmen klinischer Studien verwendet werden – auch um einer Verknappung des für die Behandlung von Kollagenosen wichtigen Hydroxychloroquin zu begegnen.“

Dass Hydroxychloroquin wie in „Wikipedia“ ausgeführt „ein zu Chloroquinanaloger und chemisch mit Chinin verwandter Arzneistoff zur (oralen) Therapie und Prophylaxe der Malaria tropica, der rheumatoiden Arthritis und Kollagenosen wie dem systemischem Lupus erythematodes, sei, das wird genau so wenig bestritten wie die Wirkung von Chloroquin auch „als Zink-Ionophor“, wodurch die „intrazelluläre Zink-Konzentrationen“ erhöht werde. „Zink wiederum wirkt hemmend auf die RNA Polymerase von Coronaviren.“

Zuvor wird auf „schwer mögliche Nebenwirkungen“ aufmerksam gemacht, die „von Herzschädigungen bis zu irreversiblen Sehstörungen“ reichen würden.

Im Beitrag des Kapitalistenmediums „NTV“ wird das mit keinem Wort erwähnt.

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