Sbornaja (noch) nicht in Verlegenheit gebracht – Volleyballer unterliegen Olympiasieger Russland

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Nur Kapitän Jochen Schöps und Außenangreifer Sebastian Schwarz machten halt: Schlecht gespielt. Nicht unser Spiel gefunden. Russland war taktisch bestens eingestellt. Paar Fehler zu viel am Ende des zweiten Satzes. Russland hat verdient gewonnen. Alles abhaken und volle Konzentration auf den Abschluss der Zwischenrunde am Sonntagabend gegen Kanada. Da würden zwei Sätze genügen, um in die Vorschlussrunde mit den sechs besten Teams einzuziehen!

Dabei waren die Männer um Schöps so zuversichtlich gewesen: Sechs Siege nacheinander davor. Angeblich die längste Gewinnserie einer deutschen Mannschaft bei einer WM – natürlich auch ein Resultat des Spielplans. Vor vier Jahren gab es  in neun Spielen nur vier Erfolge der Deutschen und Rang acht.

Am Donnerstag hier eine Vorstellung der Extraklasse beim 3:1 zuvor gegen den Olympiavierten Bulgarien. Bilanz der letzten vier Begegnung mit den russischen Riesen: 2:2. 3:1-Paukenschlag im Vorjahr beim EM-Auftakt in Gdynia.
Dann die Personalprobleme der „Sbornaja“ (Auswahl): Seit April ohne Superstar Maxim Michailow. Bei der WM verletzte sich dessen Vertreter auf der Diagonalposition Hauptangriff, Nikolaj Pawlow. Kapitän Sergej Makarow angeschlagen…zudem Anreise per Bus am Ruhetag über 160 km aus Wroclaw und Gewöhnen an die neue Halle!

Unser Tag – unser Moment?

Es ist unser Tag, es ist unser Moment, hatte Bundestrainer Vital Heynen noch vorher das Selbstbewusstsein stärken wollen. Es half alles nichts. Der Rekord-Weltmeister – sechsmal Champion, aber zuletzt 1982 (!) – rückte durch die besonderen Umstände zusammen. Gewarnt durch die bisherige Demonstration der Stärke des Gegners. Animiert durch die antirussische Stimmung unter den 3800 Zuschauern (nur wenig russische und deutsche Fans), sich hier nicht geschlagen zu geben.

Präzise und harte Aufschläge hinderten die Deutschen daran, an ihre gegen Bulgarien traumhaften Quoten anzuknüpfen. Weil Zuspieler Lukas Kampa so keine Bälle erhielt, um schnelle, überraschende Kombinationen aufzuziehen. Angreifer Georg Grozer schaffte so lediglich eine Erfolgsquote von rund 25 %. Denis Kaliberda rutschte unter 50 %, wo er gegen Bulgarien 15 Angriffsversuche in 15 Punkte verwandelt hatte. Auch Mittelblocker Markus Böhme, vorher mit mehr als 90 % erfolgreich und einer ganz starken WM bisher, bekam nur wenig optimale Bälle aufgelegt.

Auf der Gegenseite mauserte sich Pawel Moros als Ersatz des Ersatzangreifers Pawlow mit 13 zum erfolgreichsten Punktesammler des Abends. Und 2,18-m-Mann Dmitri Muserski (Block) und Angreifer Dmitri Ilinich halfen, ihren Kollegen beim Champions League-Gewinner und Klubweltmeister Belgorod, Georg Grozer, ganz empfindlich zu stoppen.

Bundestrainer Vital Heynen zog alle Register. Er schimpfte lautstark in den Auszeiten. Holte alle zwölf Spieler aufs Feld. Probierte sein Glück beim Video-Challenge, um strittige Entscheidungen gegen Schwarz-rot-gold überprüfen zu lassen…

Heynen: Russische Mannschaft verdient Respekt

Erkannte jedoch nach Abpfiff in fairer Manier an: „Russland war heute stärker. Hat die bessere Mannschaft. Wir können nur gewinnen, wenn wir viel Glück haben. Russland und Brasilien sind die beiden Topmannschaften hier. Und ich habe nie gesagt, dass wir Weltmeister werden. Ich habe gesagt, die deutsche Mannschaft ist reif für eine Medaille. Das hat sie im Turnier unterstrichenund näher an die Weltbesten herangerückt. Wenn wir unter die Top sechs kommen, wäre das ein deutlicher Schritt nach vorn. Spätestens 2016 wollen wir im Medaillenbereich sein.“

Bemerkenswert, dass der 45-jährige Belgier, seit zwei Jahren Bundestrainer, das antirusssische Verhalten der polnischen Zuschauer rügte. Die während der Nationalhymne vereinzelt pfiffen und  lautstark gegen Schiedsrichter-Entscheidungen pro Russland protestierten. Man solle so und hier nicht Politik mit Sport vermischen: „Die russische Mannschaft hat ein großartiges Team, ist Olympiasieger und hat herausragende Spieler mit fairem Auftreten – die verdienen jeden Respekt.“ Später fügte er an, dass Boykotte im Sport nichts brächten. Da seien eher Politik und Wirtschaft gefordert, um Konflikte (Ukraine) zu entschärfen. Mutig von Heynen, weil er ja in der polnischen Liga als Klubtrainer in Bydgoszcz tätig ist.

Die globalen Konflikte haben dazu geführt, dass der WM-Gastgeber logischerweise seine Sicherheitsvorkehrungen für alle Teams – USA, Russland, Iran, Deutschland u.a.– verschärft hat. Busse mit Polizeieskorten, Polizei und Sicherheitspersonal vor und in den Hallen. Unter der Hallendecke hängen die Flaggen friedlich nebeneinander:  Neben dem Union Jack der USA die Tunesiens und von Venezuela, neben der des Iran die deutsche und die  Mexikos, neben der Russlands jene von Puerto Rico und Serbien,  neben der deutschen die französische Tricolore und des Iran…eine geordnete Welt ohne Waffen und Sanktionen.

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