Preisverleihung: „Goldene Schultüte“ für die Kleinen, „Produkt des Jahres“ für die Großen – Serie: Auf einen Schlag: Paperworld, Creativworld, Christmasworld und Hair & Beauty auf dem Frankfurter Messegelände (Teil 3/5)

Diese zur Freude anstiftende Lage, denn auch für das Jahr 2011 erwartet man jetzt das Beste, diese Freude ist auf der Messe deutlich zu spüren und an zufriedenen Ausstellergesichtern zu sehen. Allerdings betrifft es nicht alle, vor allem die nicht mehr, die das Jahr 2010 nicht überstanden haben, wie die Firma Atlanta. Das wissen wir daher, weil wir an verschiedenen Ständen Atlanta-Produkte sichteten, die die Konkursmasse aufgekauft hatten. Und da wundert man sich dann über eigentlich sehr ansprechende Artikel, die die Firma trotzdem nicht retteten.

Atlanta war insbesondere im Bereich der Hängeregistraturen vielseitig und anerkannt. Diese kleineren am Boden oder auf dem Schreibtisch stehenden Metallverstrebungen, die sehr übersichtlich die Hängemappen vor die Augen bringen und einfach im Umgang praktikabel sind, die stehen zwar derzeit noch mit Atlante gekennzeichnet bei PAGNA zur Ansicht; sie werden aber dann mit der Aufschrift PAGNA versehen ausgeliefert. Ein anderes Beispiel ist die holländische Firma Jalema. Da hängen die Hängemappen von Atlanta direkt auf Trägern an der Wand, eine sehr gute Idee, die wir uns abschauen werden, denn man braucht an einer freien Wand nur zwei der alten Eisenträger für Büchergestelle, die genau in der Breite der Mappen die langen Bügel eingehängt haben, an denen die Mappen oben hängen. Es sind aber auch die bunten offenen Hängemappenboxen aus „hochschlagfestem Polystyrol“ vorhanden und auch die tragbaren Varianten mit Deckel und Träger.

Frank Dermateau, Stellvertretender Geschäftsführer Sales & Marketing hat uns genau über die umfangreichen Atlantaübernahmen informiert, auch über die Entwicklung und das Sortiment seiner eigenen Firma. Am Stand selbst sieht es bunt aus; ganz anders als das Grau, das früher für Büros angesagt war. Zwar fanden wir das in der Richtung Bauhaus sehr elegant, aber sicher weniger, wenn es abgegriffen und oll geworden war. Das bunte Büro, so erfahren wir auch an anderen Ständen, ist nicht nur Mode, sondern wird derzeit zum „Grünen Büro“. Dieses Stichwort hat eine eigene Veranstaltung produziert und das Thema der Wiederverwendbarkeit von Materialien, aber auch die dem Menschen angemessenen Luft- und Lichtverhältnissen bleibt sicher Thema der nächsten Messen.

BBW ist eine wichtige Abkürzung auf der PBS-Messe. Der Bundesverband für Bürowirtschaft liefert die meisten Aussteller für die Papier-Büro-Schreibwarenmesse, die hier weltumspannend Paperworld heißt. Am Nachmittag des Eröffnungstages verleiht dieser Verband Preise in zwei Kategorien. Das eine ist die „Goldene Schultüte“ und das andere „Produkt des Jahres“ mit Unterscheidungen wie fürs Büro oder den Schul- und Privatbedarf und mehr. Für das beste Präsentationskonzept erhielt die Firma Durable den Preis, weil sie eine besonders sinnige Bewerbungsmappe zusammengestellt hat.

Das erste Mal verliehen wurde ein Nachhaltigkeitspreis, von dem der Vorsitzende des Verbandes, Maier-Hunke betonte, daß dieser Begriff zwar unsubstantiell in aller Munde sei, ihr Preisträger ihn aber rundherum verdient habe. Es ist die Firma Tesa, die inzwischen alle Produkte auf der Basis der ökologischen Wiederverwertbarkeit produziert. Sich diesen so transparenten Stand anzuschauen, machte schon deshalb Spaß, weil die Produktpalette auch ästhetischen Ansprüchen genügt; aber nach Jahren der Abstinenz von der Messe gehört Tesa auch zu den zurückgekehrten Firmen, die wieder zur Gesamtheit der Hersteller auf der Paperworld gehören möchte. Was sich lohnt, wie man sieht.

Das eigentliche, emotionale Ereignis war aber die zuvor verliehene „Goldene Schultüte 2010“. Diese Verleihung wird jedes Jahr erstaunlicher, weil hier gezeigt wird, was die Kleinen, meist 1-Frau-Betriebe mit Stunden- oder Familienhilfen, auf die Beine stellen, um den Endverbraucher dafür zu gewinnen, nicht billig produzierten Mist für die Schulanfänger und Grundschüler zu kaufen, sondern solide und auch formschöne Materialien. Dabei geht das Konzept dahin, die Einschulung von Erstklässlern als gesellschaftliches Ereignis für alle zu gestalten. „Beates Stöberstübchen“ im hessischen Witzenhausen war diesjähriger Sieger, mit einem Scheck über 3 000 Euro, was deshalb bemerkenswert ist, weil der Geldeinsatz von Beate Oetzel sich bei 465 Euro bewegt. Dies zeigt aber auch, daß nicht das eingesetzte und hier auch gar nicht vorhandene Kapital ausschlaggebend für das Ergebnis einer guten Aktion ist, sondern die Ideen und die Leute, die diese Ideen mittragen.

Zündend dann auch die vier vom Chor, drei männliche Begleiter und die Sängerin, die den Ton angab, die akustische Referenz lieferten, was sich da in Witzenhausen fast schon als Volksfest zur Einschulung abgespielt hat. „Beates Stöberstübchen“ hatte zum Karaoke-Wettbewerb aufgefordert, womit sie alle Schüler bis zur sechsten Klasse samt Familien mitdabeihatte. Das wurde zum Schulfest und gleichzeitig war ein richtiger Schulbedarfsstand zur Stelle, wo Eltern und Kinder sich über das Angebot informieren konnten und selbst in die Hand nehmen konnten, was Kinder für die Schule brauchen und dabei unterscheiden lernten, worin Markenartikel unschlagbar sind. Das heißt, ein Geschäft wurde das auch, diese Aktion. Sinnvoll also, eine gute Idee, die Geschäfte machte, zu ehren.

Das galt auch für die vier zweiten Preisträger, die jeweils 500 Euro erhielten. Die Preisverleihung war auch äußerlich ansprechend gestaltet. Da wurde auf Video vorgeführt, um welche Aktion es ging, der Einsatz an Geld und Personen benannt und dann vom Ergebnis geschwärmt. Da es bei den Preisträgern Appeldorn für das Projekt „Schule von gestern und heute“ , Schoen & gut aus Görlitz für die Aktion „Elchstark“ und Buck’s Papier- und Buchladen für den „Schulanfänger-Empfang“ in Hungen, sowie in Wuppertal für die Aktion „Schulmarkt – Klasse”¦alles für die Schule“ immer um die Kleineren im Papier-Büro-Schreibwarenhandel geht, konnte man sehen, welch gute Ideen auch ohne Werbeetat von den Leuten selbst kommt.

Und diese Lust, die Sachen selber in die Hand zu nehmen und im eigenen Geschäft und am eigenen Ort Aktionen zu gestalten, das merkte man auch bei der Preisverleihung, die richtig etwas fürs Herz war, weil hier Leute auf der großen Bühne standen, die das sonst nicht tun, aber genau diejenigen sind, die innovativ und erfolgreich ihre kleinen Läden ins Gespräch bringen. So ganz nebenbei war dann doch auffällig, daß die Ein-Mann-Betriebe meist Ein-Frau-Betriebe sind, die auch ausgezeichnet wurden, während die Preisreden und Scheckübergaben ausschließlich von Männern vorgenommen wurden. So scheint es wohl auch im PBS-Verband noch so zu sein wie in vielen Verbänden: die letze Bastion von Männern. Wie sich das nach und nach ändert, darüber berichten wir im nächsten Jahr.

***

Christmasworld vom 28.1. bis 1.2.

Paperworld vom 29.1. bis 1.2.

Creativworld vom 29.1. bis 1.2.

Hair & Beauty am 30. und 31. 1.

Vorheriger ArtikelWinter-Universiade: Gold und Silber am Wochenende für deutsches Team
Nächster Artikel„Gute Plakate“ – Der Plakatwettbewerb im Netz