Mit luxuriösen Farben in Bildern erzählen – Serie: „Berthold Furtmeyr – Meisterwerke der Buchmalerei. Aufbruch zur Renaissance in Regensburg“ im Historischen Museum der Stadt (Teil 3/3)

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Letzteren ganz zu Recht. Denn Albrecht Altdorfer soll in der Werkstatt Furtmeyrs ausgebildet worden sein. Und da Altdorfer der berühmteste Sohn der Stadt ist, gilt ihm in einem besonderen Raum Aufwartung zu machen. Auf seinen Bildern findet man dann auch im rotgestrichenen Prachtsaal die jungen Damen wieder, die schon bei Furtmeyr erfreuten. Es ist aber nicht nur das Bildpersonal, es ist die Freude am Erzählen, die beide eint, die allerdings bei Altdorfer in größerem Rahmen und mit sehr viel mehr Personal stattfindet. Und dann blickt man verblüfft auf die beiden Johannes, den Evangelisten und den Täufer, die Altdorfer 1507 als Treffen in der Natur malte und die dem Historischen Museum Regensburg gehören.

So etwas von deutscher Malerei! Das Gesicht des Evangelisten schreit nach Grünewald und die ganze Figur hat etwas Erdverbundenes, auch wenn Johannes gen Himmel blickt, wo sich ihm die Visionen vermitteln und er sein Evangelium gerade niederschreibt. Für die Formulierungen seiner Apokalypse ist die Stimmung im Bild zu angenehm, denken wir uns, deshalb muß es das Evangelium sein. Das sanfte Wasser im Hintergrund, von einem außerordentlichen Grün, mehrfach schattiert, oben in der Gloriole die Himmelskönigin und unten gegen den Baum gelehnt der Naturbursche Johannes der Täufer, dessen Lämmlein seinen Kopf an seinem Bein reibt. Es ist ein friedliches Bild, in dem die Natur eine leicht abgestorbene, aber strotzende Kraft verbreitet.

Wir müssen uns zurückhalten. Hier geht’s um Furtmeyr. Und so schauen wir weiter und als wir am krönenden Schluß angekommen sind, dem Heidelberger Schicksalsbuch, da gehen wir gleich noch einmal denselben Rundgang, diesmal nur konzentriert auf Furtmeyr selber. Und da erst merkt man so richtig, wie eigenständig und phantasievoll er zu Werke geht. Allein die Ranken. Jede sieht anders aus und keine gleicht der anderen, so soll es auch in den über 1000 Miniaturen Furtmeyrs zugehen. Daß er von alleine auch im Einzelbild ins Erzählen kommt, das sagten wir schon, nun aber betrachten wir die Bilder noch einmal unter dem Gesichtspunkt, wie er Natur malt und stellen fest, daß dies eine Mischung aus Realität und Phantastik ist. Es sind nicht Welten, die er malt, sondern er erfindet Bilderwelten. Man glaubt, sicher zu wissen, daß er unsere Augen schon beim Skizzieren und Ausfertigen seiner Miniaturen im Blick hatte: wie wir nämlich über soviel Formen und Farben auf so kleiner Fläche Freude und Bewunderung empfinden können. Eine wunderbare Ausstellung.

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Info: 

Ausstellung: bis 13. Februar 2011.

Beachten Sie das umfängliche Begleitprogramm unter www.regensburg.de/furtmeyr und versuchen Sie es mit einer Führung

Katalog: Furtmeyer. Meisterwerke der Buchmalerei und die Regensburger Kunst in Spätgotik und Renaissance, hrsg. von Christoph Wagner und Klemens Unger, Schnell & Steiner 2010

Wie sollte man all das den meisten Unbekannte von und über Berthold Furtmeyr, zwischen 1460 und 1506 als Künstler nachweisbar, sowie die außerhalb Regensburg weithin unbekannte dortige Kunst der Spätgotik und Renaissance anders darstellen können, als im Format eines steinernen Gehwegplatte. Ja, tragen können müssen Sie, wenn Sie den Katalog nach Hause schleppen, aber dann erfahren Sie über viele Stunden, Tage, Wochen und Monate immer wieder ein großes Glück.

Tatsächlich ist es so, daß illuminierte Buchmalerei in Vergrößerungen uns erst die Augen öffnen können, für die vielen kleinen, oft versteckten Feinheiten der Originale, die nicht dafür gedacht waren, hinter Glas mit Abstand betrachtet zu werden. Wir sind froh, daß sie überhaupt wenigstens im Ausstellungszeitraum dem Licht ausgesetzt werden und wirklich glücklich, Sie in diesem wunderbaren Bildband in Ruhe betrachten zu können. Auffällig dabei ist, daß die wirklich hervorragenden Reproduktionen Furtmeyrs dennoch seine „Luxusspezialitiät“ nicht nachdrucken können: sein Aquaraminblau und sein Gold.

Der eigentliche Wert des Bandes geht natürlich über diese wunderbaren Bilder hinaus. Er liegt in der kunsthistorischen Erforschung der Zusammenhänge um den Künstler, sein Oeuvre, die Wechselwirkungen mit anderen Künstlern, die damaligen gesellschaftlichen und historischen Lebens- und Arbeitsbedingungen in und um Regensburg, dann aber auch um die Buchmalerei selbst, ihre Korrespondenz mit der Malerei auf Tafel, Leinwand und Fresko, die Zeichnung, der Druck – es ist kein Gebiet der Kunstgeschichte ausgespart, wenn man sich wie in einem Biotop allein Regensburg vornimmt. Und es wird auf einmal tatsächlich so, wie es sich die Herausgeber des Katalogs vorgestellt haben mögen, daß einem der Text erneut Lust auf die Bilder macht, in denen man mit dem Wissen im Hintergrund nun noch mehr sehen und erkennen kann.

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