Luther, der Schreibtischmörder oder Ehrt Thomas Müntzer und jeden Rebellen, der gegen die Unterdrücker kämpfte, nicht das „miese Schwein“ Luther, das die Unterdrückung nur reformierte

Noch steht das Luther-Denkmal in Magdeburg. Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Es luthert wieder. Leider. Und warum? Weil der Mann, der unter dem Künstlernamen Luther am 31. Oktober 1517 – wie gemeinhin gemeint und vermutet wird – Thesen gegen das Tun der Buße an eine Tür der Schlosskirche in Wittenberg heftete. Damit nutzte er ein nicht unübliches Schwarzes Brett des katholischen Klerus, der dort diskutierte.

An die einerseits öffentliche und andererseits interne Kritik, die letztendlich immer Rom als Adressaten wusste, hefteten sich – weil Reichtum immer schon mit Religion einherging – immer mehr Adelige aus deutschen Landen, um unabhängiger von Kirche und Kaiser zu werden.

Dass Luther mit seiner Schrift „Über die Juden und ihre Lügen“ gegen Juden hetzte, nebenbei Frauen verachtete und Behinderte als Teufel betrachtete, das steht zwar auf anderen Blättern, doch die gehören zweifelsohne zum Begleitbuch derer, die weniger an die weltlichen Obrigkeiten (auch die in Rom) abgeben wollten als sie mussten.

Dass mit dem Aufstand der Unteren gegen die da oben nur die Herren deutscher Zunge gemeint waren und nicht deren Untertanen, das spiegeln lutherische Schmähschriften und Hetzreden gegen Bauern und der Hass auf Thomas Müntzer als Revolutionär, der nicht nur gegen den Ständestaat und also für die Befreiung der Bauern zur Feder griff, sondern auch als Pfaffe gegen den Papst wetterte, wider. „Steche, schlage, würge hie, wer da kann“ (1), forderte Luther und hetzte weiter: „So wie man einen tollen Hund totschlagen muss: schlägst du (ihn) nicht, so schlägt er dich und ein ganzes Land mit dir“ (2). Der „tolle Hund“ oder neudeutsch das „miese Schwein“ – um einmal den Fußballer Thorsten Legat zu zitieren – ist Luther selber.

Kein Wunder, dass Müntzer als Anführer der revolutionären Bauern nach der verlorenen letzten Schlacht gegen die die lutherischen Fürsten bei Frankenhausen am 15. Mai 1525, „als die berittenen Fürstenheere Tausende von flüchtenden Aufständischen“ (3) unter Geschützfeuer und mit Fußvolk vor sich hertrieben und niederschlugen, gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet wurde. Die Herrschenden und ihre Gefolgsleute ergriffen, erstachen und erschlugen Tausende Rebellen, die für ihre Freiheit kämpften.

„Die kargen Grasmatten …, auf denen das Bauernheer eine Wagenburg errichtet hatte“, unterhalb des Panoramamuseums und das umliegende Karstgebirge sind „getränkt mit dem Blut der Rebellen, für die es auf dem Fels kein Grab gab“ (4).

„Steche, schlage, würge, wer da kann“, schrieb das Schwein Luther, als er zum Abschlachten der Bauern anstachelte. Die Philosophen kamen besser weg. Luther: „Ich wenigstens glaube, Gott diesen Gehorsam zu schulden, gegen die Philosophie wüten [wörtlich: „bellen“, nach dem Bilde des Wachhundes] (…) zu müssen.“ (5)

Luther war nicht nur ein Hetzer in den Hallen der Herren, Luther war ein Schreibtischmörder. Müntzer war vielleicht naiv, aber er stand auf der richtigen Seite. Das ist die Seite, die das Schwein Luther und seine Ferkel auf den Scheiterhaufen der Geschichte schicken sollte. Subito!

Anmkerungen:

(1) Luther über die aufständischen Bauern, Weimarer Ausgabe 18, Seite 357 f
(2) Martin Luther: Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern, zitiert nach Fromm, Erich (1985): „Über den Ungehorsam“, dtv München, Seite 15
(3) Günter Kowa, Henning Kreitel, Gespaltene Welt, Schauplätze der Reformation, Halle 2016
(4) Günter Kowa, Henning Kreitel, Gespaltene Welt, Schauplätze der Reformation, Halle 2016
(5) Hubert Mynarek, Luther ohne Mythos, Seite 25

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