Lorrain im Städel

© WELTEXPRESS, Foto: Dr. Jürgen Pyschik

Ein Kabinettstückchen ist diese Ausstellung auch von den Formaten her: Neben einem guten Dutzend großformatiger Gemälde, davon eines aus Städelbesitz, wer-den in der Darbietung von über 100 kleinformatigen Zeichnungen und Radierungen nicht nur das Spektrum seiner Werke sondern auch seine Arbeitsweise anschaulich. Schon lange vor der Schule von Barbizon ging Lorrain zum Malen in die Landschaft, allerdings nicht um das Vorgefundene in ein Bild zu übersetzen. Vielmehr sammelte er „Bausteine“, einzelne Impressionen, die er dann zu Landschaften zusammensetzte, die man so (leider) in der Wirklichkeit nicht wiederfindet. Außer vielleicht in England, denn Lorrains Werk hatte, nachdem seine Bilder in großer Zahl von den sich auf der „Grand Tour“ befindlichen Gentlemen aufgekauft und mit nach Hause genommen wurden, erhebliche Wirkung auf der Insel entfaltet. Es beeinflusste nicht nur Maler wie Turner sondern prägte auch die Architektur des englischen Landschaftsgartens. Von daher ist es folgerichtig, dass das Städel für diese Ausstellung im Ashmolean Museum of Oxford einen starken Partner fand, der bei der Zusammenstellung der Exponate hilfreich war. Bei manchem Leihgeber, wie dem Museum von Cardiff, war das Städel aber sogar erfolgreicher als der englische Partner.

Lorrains Zeichnungen dienten einerseits also der Erfassung von Landschaftselementen als Vorbereitung größerer Werke, sie erfüllten aber auch sehr modern  anmutende Zwecke: Mit zunehmender Berühmtheit Lorrains tauchten auf dem römischen Kunstmarkt auch immer mehr Fälschungen auf, so dass Lorrain dazu überging, seine Gemälde noch einmal zeichnerisch zu dokumentieren. Dass ihm dies mehr war als schnöde Katalogisierung zeigt die Feinheit und Elaboriertheit der in der Ausstellung vorhandenen Beispiele.

Wie immer ist eine solche Ausstellung für den Städel auch eine Gelegenheit, pas-sende Neuerwerbungen zu präsentieren. Im vorliegenden Fall eine Radierung aus dem bekannten Feuerwerkszyklus und die Zeichnung „Tänzerin mit Tamburin und Dudelsackspieler“.

Die sehr sehenswerte Ausstellung läuft noch bis zum 6.Mai 2012.

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