Der 20. Hessische Film- und Kinopreis in der Alten Oper Frankfurt – Serie: Die Frankfurter Buchmesse 2009 (Teil 3/3)

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Impression vom 20. Hessische Film- und Kinopreis aus der Alten Oper in Frankfurt

Und weil wir mit dem Gespann des Staatspreises und der Buchmesse begannen, soll auch der Preis der Buchmesse zuerst dran kommen. Den Leiter der Frankfurter Buchmesse, Juergen Boos, konnte man entspannt erleben, denn bisher ist die Buchmesse trotz des Gastlandes Chinas – vergleiche gestriger Bericht im Weltexpress – gut über die Bühne gelaufen, was allerdings nur die eine Seite berührt, denn andererseits hat das offizielle China in seinem Forumsauftritt und den vielen Übersetzungen in neuen Büchern tatsächlich große Anstrengungen unternommen, um als ein zwar widersprüchliches, aber farbenfrohes Land wahrgenommen zu werden. Wir wollen das in der Presse verächtlich gemachte China nicht mitmachen, weil es denen unrecht tut, die ihre sehr viel ältere Hochkultur als unsere beispielsweise uns nahebringen wollen, was sehr nötig ist, denn wir wissen sehr wenig über China. Das mußte gesagt werden, ansonsten war das ein Abend ohne ein einziges Wort über China.

Juergen Boos konnte also bei seiner Begrüßung entspannt darauf verweisen, daß später am Abend der Preis der Buchmesse für die beste internationale Literaturverfilmung, also der Film zum Buch, verliehen werde. Das wurde dann ein großer intellektueller Spaß, weil Wladimir Kaminer eine sprachliche Höchstleistung in Witz und Ausdruck brachte, es wurde aber mit der Entscheidung für „The Last Station“ von Michael Hoffman, für den es 10 000 Euro gab und den wir noch nicht kennen, eine Überraschung. Viele hatten nämlich mit Fatih Akins neuem Film „Soul Kitchen“ gerechnet, der in Venedig Furore machte und der in den Pressevorführung bejubelt wurde. Ein richtig guter Film, das konnten wir sehen. Allerdings gab es nur das Drehbuch, an das bei einer potentiellen Auswahl aber niemand dachte, sondern das im Blumenbar Verlag erschienene Begleitbuch zum Film, das schon auf dem Markt ist, während der Kinostart erst für den 25. Dezember vorgesehen ist. Das ist Martkpolitik der Filmfirmen.

Auf jeden Fall handelt der Siegerfilm vom Leben von Leo Tolstoi, was man nach einigen Ausschnitten noch nicht beurteilen kann, denn der Herr Graf war ein durchaus renitenter Zeitgenosse, der an den kirchenpolitischen Christentumsausübungen genauso Kritik übte, wie an staatlichen und wir hoffen, daß dies der Film auch bringt, was besser der Urenkel von Tolstoi bezeugen kann, denn der wurde nach Frankfurt eingeflogen, was dem Hessischen Filmpreis dann noch einmal eine besondere Note gab. Leider war Shirin Neshat nicht gekommen, denn sie bekam für ihren wunderbar ernst-gefühlvoller Film „Women without Men den undotierten „Cinema for Peace Special Award“, den man schleunigst in einen Film-Friedenspreis umbenennen sollte, denn dann würde er sich selbst aufwerten gegenüber dem Hauptpreis anläßlich der Frankfurter Buchmesse, dem Deutschen Friedenspreis, der am Sonntag in der Paulskirche verliehen wird.

Das könnte beispielsweise die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann übernehmen, die die Veranstaltung eröffnet hatte und dann auch später den Hessischen Hochschulfilmpreis an Daniel Stieglitz für „Spielzeugland Endstation“ überreichte, eine obskure Geschichte, wo ein Auftragskiller von der Tochter des vorgesehenen Opfers für den Weihnachtsmann gehalten wird. Die Verleihung des Ehrenpreises des Hessischen Ministerpräsidenten an Suzanne von Borsody, nahm Roland Koch von der Leinwand aus vor, der er in Berlin bei den Koalitionsgesprächen unabkömmlich sei. Das spielte keine Rolle und nicht wenige in der Versammlung waren froh, daß nicht die Frau des Ministerpräsidenten die Ehrung vorgenommen hatte, die als einzige in der Begrüßung persönlich angesprochen worden war, was als sehr merkwürdig empfunden wurde, nimmt sie doch kein politisches Amt wahr.

Ein wenig royalistisch geriert sich der Hessische Film- und Kinopreis schon. Aber die Könige waren jetzt die Schauspielerstars, von denen dieses Jahr gleich zwei als Beste Darsteller ausgewählt wurden. Dabei geht es um den Fernsehpreis! Das ist zum einen Florian Bartholomäi für seine Doppelrolle in „Block: Schattenkind“ und der in Frankfurt sehr bekannte, weil dort lebende Österreicher Peter Lerchbaumer für seinen Kioskbesitzer in „Der Mann auf der Brücke“. Als weibliches Pendant wurde Nina Kunzendorf für ihr Spiel in „Tatort: Neuland“ ausgezeichnet und wie die beiden Kollegen vom Intendanten des Hessischen Rundfunks Helmut Reitze geehrt, der es sich übrigens verbitten sollte, bei einer solchen Festveranstaltung als „der Herr Doktor Reitze“ auf die Bühne geholt zu werden. Akademische Titel haben weder bei staatlichen Funktionen noch bei Politikern etwas zu suchen, das ist ein neudeutscher Brauch, den sich alle schleunigst abgewöhnen sollten, weil es viele wie uns gibt, die das peinlich finden.

Eigentlich jedoch geht es um Filme. Den Kurzfilmpreis erhielt „Das grüne Schaf“, eine wirklich witzige Geschichte in vier Minuten von Carsten Strauch, wo ein selbstbewußter Frosch und ein hessisches Schaf namens Gisela eine Familiengründung vornehmen, bei der besagtes Schaf herauskommt. Als bester Dokumentarfilm wurden „Henners Traum: Das größte Tourismusprojekt Europas“ von Klaus Stern und „Das Schreiben und das Schweigen“ von Carmen Tartarroti ausgezeichnet. Der Hessische Drehbuchpreis ging an „Watermarks – Wasserzeichen“ von Annette Ernst und Heike Kühn, die nun alles unternehmen wollen, damit aus dem Drehbuch ein Film wird. Viel Volk auf der Bühne versammelt dann immer der Hessische Kinokulturpreis. Denn da werden die belobt, die Tag für Tag dafür sorgen, daß Filme, daß gute Filme überhaupt in die Kinos kommen, das sind dann auf der einen Seite kommunale Kinos und gewerbliche Kinos, die sich dem guten Film verschrieben haben. Diese vielen Preisträger entnehmen Sie bitte den Webseiten des Veranstalters.

Haben wir jemanden vergessen? Könnte gut passieren bei diesem Preissegen, der inhaltlich verständlich dennoch die Kapazität der Zuhörenden leicht erschöpft. Auch die an Zeit. Denn auch diesmal war die Preisvergabe zu lang. Das ging eigentlich ganz flott los, indem Kim Fisher und Hans-Werner Meyer zu den Klängen der HR Bigband erst einmal ihre Sangeskünste vorstellten und die ersten Laudatoren sich kurz faßten und die Preisträger sich auch nicht mehr bei allen bedankten, die dafür in Frage kommen. Aber später wurde es wieder lang und länger und auch wenn man den Leuten nicht gerne ins Handwerk pfuscht, sollte sich der Veranstalter trauen, den Laudatoren professionelleres Verhalten am Mikrophon nahezulegen. Viele nutzen diese Situation, um ihr besonders Verhältnis zum Preisträger auszubreiten, von dem man doch ausgeht, wenn einer überhaupt diese Rolle übernimmt. Und auch solche privaten Wendungen, wie einer Preisträgerin die ordentliche Ehe anzuraten, sind nicht nur nicht nötig, sondern peinlich. Dieser Abend zeigte wieder, daß zwischen richtigen Herzsprüchen und Gelaber eben doch ein Abgrund gähnt. Auch wir wollen Persönliches, aber nicht so zum Markt Getragenes, ja Anbiederndes. Eine Gratulation den Preisträgern.

www.buchmesse.de

www.hessische-filmfoerderung.de

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