Laut macht Spaß – In der Familienkonzertreihe der Berliner Philharmoniker gaben die Perkussionisten den Ton an und erzählten über ihre Instrumente und den Spaß am Spiel

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Am Sonntag Vormittag standen im großen Saal der Philharmonie  neben dem Schlagzeug eine Pauke, Xylofon und  Vibrafon, Trommeln, Bongos, Congas und Tomtoms, eine Windmaschine sowie eine große schwarze Kiste auf der Bühne. Und selbstverständlich standen da auch die sechs Schlagzeuger der Philharmoniker –  bereit zu großen Taten. Jeder ein Virtuose auf »seinem« und ein Meister auf jedem anderen Instrument. Hinzu gesellte sich Sarah Willis, die einzige Frau, die in dem berühmten Orchester ins Horn stößt und die sich längst auch als souveräne Moderatorin der Familienkonzerte einen Namen gemacht hat.  Die Besucher im ausverkauften Haus  klatschten – ganz selbstverständlich in schönem Rhythmus.

Rhythm is it! hieß denn auch das erste Stück. Ein wahres Trommelfeuerwerk prasselte auf die Zuhörer herab. Und schon waren alle mittendrin. In das Gleichmaß der Klänge fügten sich Harmonien und Melodien, die Simon Rössler und Wieland Welzel mit ihren Schlägeln  den Holzplättchen des  Xylofons und den durch Resonanzröhren verstärkten Metallplatten des Vibrafons entlockten. Die anderen Herren und die Dame brachten zudem das Triangel, die Zimbel, Claves – auch Klopfhölzer genannt – , Ratschen, eine Vogelpfeife sowie den Gong ins Spiel. Orchestral Rhythm.  Anschließend demonstrierten die Musiker, dass sie den  Rhythmus im Blut haben und auch ohne Instrumente ihre Zuhörer erreichen können: mit einer perfekten Abfolge von Klopfzeichen auf Oberschenkel, Brust, Kopf und Po. Body Rhythms eben. Das kam an.

Unser aller Tageslauf wird von Rhythmen geprägt: da tickt die Uhr, die Kirchtumglocken läuten, es klopfen die Regentropfen, die Computertasten klappern, Räder rattern und selbst beim Zähneputzen entstehen gleichförmige Geräusche. Viele, ganz simple Gegenstände sind quasi verkappte Instrumente. So kann, wer es kann – und die Musiker können und zeigten es mit den Dingen, die sie der großen schwarzen Kiste entnahmen – , Kaffeetassen, Kokosnussschalen und leere Konservenbüchsen zum klingen bringen. Das hat möglicherweise einige Kids auf Ideen gebracht. Denn sogar der in einer Pappröhre befestigte Strick, von einem Musiker mit dem nassen Lappen gestreichelt, brachte  grummelige Laute hervor: das sogenannte »Löwengebrüll«. Dies alles – und auch, dass unlängst in einem Konzert der weltberühmten Philharmoniker sogar Klänge mit einer Seifenschachtel erzeugt wurden, weil die dem Sound, den der Komponist sich vorgestellt hatte, am nächsten kam – erfuhren die großen und kleinen Konzertbesucher  quasi nebenbei. Denn Frau Willis plauderte zwischendurch mit den Musikern, die mal eben eine kleine Pause einlegen konnten. Leider kamen ihre Erklärungen, die auch für die jüngeren Besucher erfreulich verständlich waren, akustisch nicht ganz so gut rüber. Ein Problem, das den Experten bekannt und einmal bewältigt sein sollte.

Apropos Pausen. Die sind für Franz Schindlbeck am schwersten zu ertragen. Aber wenn seine Noten ihm das vorschreiben, muss er seine Hände stillhalten. Auch für Jan Schlichte – dessen Lieblingsinstrument die Sirene ist, weil er als Kind so gern ein Feuerwehrmann gewesen wäre – zählen die Pausen zu den schwierigsten Übungen. Raphael Haeger gesteht, dass auch ein gestandener Musiker schon einmal daneben haut. Aber selten. Deshalb werden in einer Spielzeit zwischen 20 und 30 Stück Paukenfelle sozusagen weichgeklopft und ersetzt. Rainer Seegers, ein – wie er sagt – Pauker ohne Schule, erzählt auch, dass die Trommelfelle der Instrumente überempfindlich und  schon bei leisem Luftzug verstimmt sind. Da wußten alle, warum er während des Konzerts häufig am Klangkörper horcht seine Pauke bei Bedarf nachstimmt.

Die Stimmung im Saal  steigerte sich Und schon war das Konzert beim Programmpunkt Merry ChRHYTHMas angelangt. Dieser etwas holprige Titel ging unter im Schneegestöber: Die Schülerinnen und Schüler der Märkischen Grundschule, Staatliche Europa-Schule Berlin, tanzten nach der Choreografie von Volker Eisenach – nein, nicht den Schneewalzer. Aber es waren die Körperübungen – die die Tänzerin Monika Liz geduldig mit ihnen geprobt hatte – mindestens eben so schön. Alle anwesenden Mütter, Väter, Großeltern und sonstige Verwandte fotografierten und applaudierten. Und auch die übrigen Besucher klatschten begeistert.

Den Schwung nutzte Sarah Willis  und forderte zum gemeinsamen Absingen des wonnigen Liedes »Schneeflöckchen, Weißröckchen« auf. Der Gesang war kein Höhepunkt der Veranstaltung. Obwohl sämtliche Strophen für alle, die sich nur noch schwach an ihre Kindergartenzeiten erinnern konnten, im Programmheft mitgelesen werden konnten. Sollte es kein Weißes Weihnachten geben, weil die Schneeflöckchen sich nicht aus  Frau Holles Himmelbett locken ließen, so wissen zumindest wir, woran das liegt. Und die Verkehrsbetriebe werden dankbar sein.
Wieder einmal hat ein Familienkonzert der Philharmoniker die darein gesetzten Erwartungen erfüllt. Für alle, die nicht mit im Saal sein konnten, gab es ein Weihnachtsgeschenk: Das Konzert wurde life in der Digital Concert Hall übertragen. Eintritt frei. Beifall.

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