Berlin, BRD (Weltexpress). Die anhaltende Instabilität in der Straße von Hormus und der Konflikt mit Iran, der weiterhin die globalen Rohöltransporte behindert, werden die Wirtschaft der Republik Italien – Familien und Unternehmen – nach Schätzung des Forschungsinstituts CGIA in Mestre (Venedig) allein 2026 mit fast 29 Milliarden Euro belasten. Ende März hatte das Institut die Kosten der Aggression gegen den Iran noch auf rund 15 Milliarden Euro geschätzt. Die Folgen der jetzigen Korrektur sind zweistellige Preissteigerungen in allen Bereichen: vom Transportwesen über die Heizung bis hin zur Industrieproduktion.
Der größte Kostenfaktor im nationalen Energiebudget sind Kraftstoffe. Bei stabilen Benzin- und Dieselpreisen von rund 2 Euro pro Liter werden die Ausgaben um 13,6 Milliarden Euro steigen (+20,4 % gegenüber 2025). Auch für private Haushalte und Industriebetriebe sieht es nicht besser aus: Die Strompreise werden voraussichtlich um 10,2 Milliarden Euro (+12,9 %) und die Erdgaspreise um 5 Milliarden Euro (+14,6 %) steigen
„ANSA“ kommentiert: Regional betrachtet, ist der Norden am stärksten betroffen. Die Lombardei verzeichnet mit einem Anstieg von 5,4 Milliarden Euro die höchsten Preissteigerungen, gefolgt von Emilia-Romagna (+3 Milliarden Euro) und Venetien (+2,9 Milliarden Euro). In diesen Regionen ist die Dichte an Produktionsbetrieben am höchsten, weshalb der Energiebedarf dort am größten ist.
Betrachtet man jedoch die prozentualen Steigerungen der Kraftstoffpreise, so ist der Süden am stärksten betroffen. Basilikata verzeichnet den deutlichsten Anstieg (+21,6 %), gefolgt von Kampanien und Apulien (+21,3 %). Diese Zahlen verdeutlichen, wie stark die Abhängigkeit der südlichen Regionen vom Straßentransport sie anfällig für Schwankungen auf dem Ölmarkt macht.
Was staatliche Eingriffe angeht, ist die CGIA eindeutig. Die Regierung Meloni intervenierte mit dem sogenannten „Bolls-Dekret“, einer Maßnahme im Wert von rund 5 Milliarden Euro, die zur Abmilderung der Krisenfolgen verabschiedet wurde, sowie mit einer Senkung der Kraftstoffsteuer (derzeit auf 5 Cent für Benzin reduziert, während die Steuer für Diesel bei 20 Cent bleibt), die monatlich etwa 1 Milliarde Euro kostete und am 22. Mai auslief.
Diese Ressourcen reichen jedoch nicht aus, um den wirtschaftlichen Schock abzufedern. Die CGIA bekräftigt, dass die Lösung nicht rein national sein kann, und fordert stattdessen die Aussetzung des Stabilitätspakts, damit die EU-Mitgliedstaaten die Unterstützungsmaßnahmen finanzieren können, ohne ihre Defizitberechnungen zu beeinträchtigen.
Das Forschungsbüro fordert außerdem eine Deckelung der Gaspreise, getrennt von den Strompreisen, eine Besteuerung von Übergewinnen und sogar eine koordinierte Senkung der Energiekosten auf EU-Ebene. Die CGIA zeigt auf, wie der Energieschock ohne strukturelle Eingriffe in eine tiefe Rezession und eine Verschärfung der Deindustrialisierung münden könnte.
Doch in Brüssel herrscht weiterhin die Logik vor, trotz der grundlegend veränderten aktuellen Lage hartnäckig an der Vergangenheit festzuhalten. Es besteht wenig Bereitschaft, in die Gewinne großer Konzerne einzugreifen, während die unzähligen Klauseln europäischer Verträge vehement verteidigt werden, um ihre Irrationalität, ja sogar ihre wirtschaftliche Irrationalität, nicht eingestehen zu müssen.
Es ist ein Symptom für eine eklatante strategische Unzulänglichkeit und einen Mangel an Ideen, wie die EU in einem völlig anderen Szenario als vor dreißig Jahren als globaler Akteur positioniert werden kann. Es ist zugleich eine klare Botschaft an all jene, die eine Alternative aufbauen wollen, welche zwangsläufig außerhalb dieser Gemeinschaftsmechanismen und -beschränkungen liegen muss.
Anmerkung:
Siehe den Beitrag
- Regierung der Republik Italien gab 2025 über 48 Milliarden US-Dollar für Rüstung aus, 20 % mehr als im Vorjahr von Gerhard Feldbauer
im WELTEXPRESS.
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