Kevin Kühnert (SPD): „Ich als schwuler Mann“ oder die Leierkastenfrau mit Lochstreifen – Ach, war es bei Maybrit Illner wieder schön…

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Ein Lochstreifen in einem Leierkasten. Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Das Abendthema bei Maybrit Illner hätte so spannend werden können, wäre Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wegen Erkältung oder Mumms zuhause geblieben. So aber saß sie in der Runde mit Kevin Kühnert (SPD), Chef der Jusos, desweiteren mit dem FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki und einer nichtssagenden Janine Wissler von den Linken sowie dem ehemaligen CDU-Berater Michael Spreng.

„Können Sie Kanzler?“ will Illner in bester Türkengrammatik von der Fleisch gewordenen Zumutung aus dem Saarland wissen. Die Möchtegern-Vorsitzende braucht nicht nachzudenken. Wie aus einem hölzernen Leierkasten purzeln ihre in Lochbändern eingestanzten Sätze über die Lippen: „Ich bewerbe mich als Parteivorsitzende.“ Dann stockt die mechanische Sprachwalze für einen Augenblick. Ich fühlte spontan das Bedürfnis, die Kurbel weiterzudrehen. Doch dann kam: „Zum Glück entscheiden nach wie vor die Wählerinnen und Wähler.“ Was haben wir doch für ein Glück.

„Was würden Sie anders machen?“, fragt Illner weiter. Geistiger Lochbandwechsel für die neuen Sätze und Kramp-Karrenbauer fährt fort. Sie spricht von einer anderen Diskussionskultur, die sie als Vorsitzende in ihrer Partei gerne etablieren würde. Ich fürchte nur, es würde beim Willen bleiben, wie so vieles, was Politiker gerne wollen. Michael Spreng dagegen, der durchtriebene Fuchs, lag auf jeder Lauer, die sich ihm bot. Bei ihrem Satz: Sie wisse, dass die Menschen jemanden wollten, der es ernst mit ihnen meine, umspielte ein leises Lächeln seine Lippen.

Aber dann wurde es doch noch spannend, als die Sprache auf die Flüchtlingspolitik kam. Die Saarländerin erklärte kategorisch, muslimische Verbrecher aus Deutschland auszuweisen und dafür zu sorgen, dass jene Elemente unser Land niemals wieder betreten. Sofort erscheint vor meinem geistigen Auge die Überschrift des Berliner Express von heute Morgen. „Bundespolizei schiebt sieben Personen mit 89 Identitäten ab.“ Da stellt sich mir spontan die Frage, wer genau saß im Flugzeug und wen will man nicht mehr reinlassen. Aber lassen wir den satirischen Seitenhieb mal beiseite.

Wir wissen ja längst, Gesundheitsminister Jens Spahn und Politik-Rentner Friedrich Merz, der genügend Selbstironie mitbringt, um sich nach neun Jahren Pause so vorzustellen, mischt wieder mit: „Mein Name ist Friedrich Merz. Mit ,e’.“ Gut, dass er es erwähnt hat, zumal es einige Redakteure gab, die das nicht so genau wussten. Dafür wusste Kubicki umso mehr. Wenn die CDU Wohlgefühl will, müsste sie sich für Annegret Kramp-Karrenbauer als Vorsitzende entscheiden. Wenn sie Wahlen gewinnen wolle, werde sie Friedrich Merz zum Vorsitzenden machen. „Wenn sie Wahlen nicht gewinnen will“, fügt der FDP-Mann schelmisch an, „finde ich das auch gut“. Nicht nur er, ich bin dabei.

Und dann konnte ich an einem klassisch roten Highlight teilhaben. „Ich als schwuler Mann“, meldete sich Kevin Kühnert zu Wort. Ja, er hat tatsächlich das Wort Mann verwendet. Um ein Haar hätte ich mich an meiner Salzstange verschluckt. Er griff eines der nebensächlichsten Themen Deutschlands auf, die Ehe für alle. Vermutlich wollte er die Medienpräsenz mit dieser Botschaft nutzen, um seiner schwulen Zielgruppe mitzuteilen, dass er noch zu haben ist. Mein Gott, man muss schon Nerven wie Drahtseile haben, solche Figuren unbeschadet zu überstehen. Zum Glück hatte ich eine Flasche Montepulciano Rosso im Kühlschrank.

Zum Abschluss folgte Illners Frage und Antwortspiel. Kramp-Karrenbauer brachte den inneren Blasebalg für die neuen Sprechkonserven in Bereitschaft. Schade, dass sie ihre Antworten nicht in Gedichtform parat hatte, dann hätte ich den Inhalten wenigstens eine lyrisch-wertvolle Komponente abgewinnen können.

Ohne Punkt und Komma, ohne jambisches Versmaß und ohne Höhen und Tiefen spulte die Leierkastenfrau aus dem Saarland ihre Textkonserven ab. „Ein höherer Spitzensteuersatz steht im Moment nicht zur Debatte. Der Mindestlohn ist nicht zu niedrig. Ja zu Ankerzentren“… bla, bla, bla. Das Wort „Staatsversagen“, mit dem Jens Spahn die politischen Vorgänge von 2015 beschrieben hatte, nutzte sie trotz mehrmaliger Nachfrage nicht; es sei eine „Ausnahmesituation“ gewesen. Ich vermute, der Lochstreifen in ihrem Hirn war verklemmt.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Claudio Michele Mancini wurde unter dem Titel „Ach, war es bei Maybrit Illner wieder schön…“ im Scharfblick am 9.11.2018 erstveröffentlicht.

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