Ist das Wuhan-Virus längst Schnee von gestern und muss man von Wuhan-Viren schreiben und sprechen?

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RNA-Viren in einer Ansicht. Quelle: Spektrum.de

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Angesichts der neuesten Entwicklung in Sachen Covid-19-Infektion im Französischen Reich drängt sich manchen der Gedanke auf, Proben von Patienten insbesondere mit Lungenentzündung vom Dezember 2019 und Januar 2020 erneut auf das Coronavirus zu untersuchen, eventuell sogar Proben aus dem Monat November 2019.

Warum nicht. Wer Zeit und Geld und Lust hat, der soll das tun. Erstens kann damit kein Schaden angerichtet werden und zweitens würde es einen weiteren Hinweis – einen von offensichtlich unendlich vielen – auf die Entwicklung des Erregers SARS-CoV2 geben, gegen den viele in Politik und Presse einen „Krieg“ zu führen vorgeben. Je mehr gesicherte Informationen für die Beantwortung von W-Fragen, umso besser, meinen die einen, eine wichtige und richtige Information würde schon reichen, meinen die anderen.

Nun, ich gebe diese: Untersucht werden sollte auch die Untersuchung, denn der Test, mit dem die Probe des Franzosen untersucht wurde, basiert auf Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Beim PCR-Test werden Erbgutstränge vervielfältigt, um ein eventuell vorhandenes Virus zu finden, doch auch an diesen PCR-Tests darf und muss man zweifeln. Siehe dazu Li et al., “Stability Issues of RT-PCR Testing of SARS-CoV-2 for Hospitalized Patients Clinically Diagnosed with COVID-19.”, J Med Virol. 2020 Mar 26. doi: 10.1002/jmv.25786. Weil ein bestimmter Test zum guten Ton gehört, also zum Standard, muss er nicht richtig sein. Vieles im Leben und also auch in der Wissenschaften gehörte einst zum guten Ton und gilt heute als Missklang.

Keine Frage, RNA-Viren, also Viren, deren Erbmaterial aus Ribonukleinsäure (RNA) besteht, und das eine SARS-CoV2 gehört zu diesen vielen, mutiert wie wild, also wahnsinnig schnell (Vgl.  CoV-Glue, „Amino acid analysis for the SARS-CoV-2 pandemic„). Wenn sich die Noten schneller ändern, als ein Musiker gucken kann, dann könnte das zu Missklängen führen, oder?

Dazu teilt Wolfgang Wodarg mit, dass es „für ein Genom, das selbst nur aus ca. 30.000 Basen besteht, eine enorme Anzahl von Mutationen, Insertionen und Deletionen in kürzester Zeit“ seien. Unter der Überschrift „Krieg gegen einen Joker“ (4.5.2020) hält er daher fest, dass „das … nur die Daten von ein paar Tausend SARS-CoV2 Viren“ seien, „die man sequenziert“ habe. Dass „die Natur … viele, viele weitere“ kenne, das hebt er mit leichter Hand hervor.

Wer will dem und diesem widersprechen? „Nicht-synonyme Mutationen führen dazu, dass andere Aminosäuren in die Proteine des Virus eingebaut werden. Diese verändern so die chemischen Eigenschaften dieser Proteine. Diese Mutationen akkumulieren innerhalb von Wochen(!), wie die Daten zeigen.

Insertions und Deletions sind von besonderer Bedeutung, da sie u.a. zu einem Frameshift führen können, bei dem die gesamte nachfolgende Kette anders gelesen wird. Es kommen synonyme Mutationen hinzu, die zwar die Primärstruktur der SARS-CoV2-Proteine nicht ändern, aber dennoch eine Rolle in der Diagnostik spielen können. Es gibt außerdem noch viele offene Fragen zu weiteren Effekten von synonymen Mutationen.“

Wodarg hält noch einen weiteren Punkt für wesentlich, nämlich „dass die bislang sequenzierten SARS-CoV2-Viren einen extrem kleinen Ausschnitt der Natur“ zeigten. „Im Verhältnis zum Gesamtgenom aller Coronaviren in allen Menschen fällt dieser Ausschnitt kaum ins Gewicht. Man darf auch nicht vergessen, es gibt nicht nur SARS-CoV2, sondern weiterhin auch andere humane Coronaviren – und die mutieren auch. Sonst wäre man ja nicht irgendwann beim SARS-CoV2-Virus gelandet. „Computer-Analysen, z.B. zum Stammbaum von SARS-CoV2 (phylogenetische Analyse), sind auf Basis dieses extrem kleinen Ausschnitts der Natur, wie sie heute existiert, sehr problematisch“, schreibt der Wodarg, den Gegner für einen Wirrologen halten. Deswegen verweist er ausdrücklich darauf, dass seine Kritik „insbesondere an der sehr inhomogenen geographischen Verteilung der gefundenen Gensequenzen“ nicht neu sei (Vgl. Mavian et al, “Regaining perspective on SARS-CoV-2 molecular tracing and its implications”, medrxiv, 20.3.2020) und zitiert: „However, in a new tree inferred just one week later, when more than 135 new full genome sequences were made available on GISAID (Figure S2), the direct link between Germany and Italy has disappeared due to the additional clustering of previously unsampled sequences from Portugal, Brazil, Wales and Netherland (Figure 2b).“

Das sollte man auch einmal in Franzien lesen, oder?

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