In London gehen die Uhren anders oder einmal Piraten, immer Piraten?

London.
Auch am Big Ben, der langen Nase des britischen Parlaments im Westminsterpalast, geht es in den Underground von London. Quelle: Pixabay

Frankfurt am Main, Deutschland (Weltexpress). Dass in London die Uhren anders gehen, vor allem die der Big Ben genannten langen Nase Westminsters, das weiß man in Berlin seit Jahrhunderten, auch wenn sich die Merkel-Regierung ahnungslos gibt oder ist. Kenner und Kritiker können von den britischen Beutemachern ganze Lieder singen, ja, Liederbücher füllen. Wahrlich, die Briten sind nicht erst seit Francis Drake Piraten und als solche traditionsbewusst.

Auch der Blonde in 10 Downing Street lässt keinen falschen Verdacht aufkommen, dass sein immer und überall auf schlitzorigen Krawall gebürstetes Vorgehen gegen einen anderen Staat nicht einem seit Jahrhunderten an der Themse gepflegten Raubzug entspricht. Dafür waren Engländer und andere Briten immer gut gerüstet. Spätestens seit einem Jahrhundert sitzt das VK im Beiboot der VSA. Immerhin und allzeit bereit für neue Schlachten.

Dazu teilt „N-TV“ (14.9.2020) unter dem Titel „‚Völlig neue Schlacht‘ – Unterhaus billigt Johnsons Brexit-Änderung“, dass „in einer ersten Abstimmung … sich allen Warnungen zum Trotz eine deutliche Mehrheit im britischen Unterhaus für das umstrittene Binnenmarktgesetz von Premier Boris Johnson ausgesprochen“ hätte. „340 der Abgeordneten votierten am Montagabend für das Gesetz, mit dem Johnson Teile des gültigen Brexit-Deals ändern will. 263 stimmten dagegen. Ein Antrag der Opposition, um das Gesetz zu stoppen, war zuvor mehrheitlich abgelehnt worden.“

Sich an Recht und Gesetz halten und am Ende die Zeche zahlen, dass geht Engländern als Briten echt ab. Immerhin können sie in Westminster zetern und Mordio schreiben, wie Ed Miliband, Mitglied und Mandatsträger der oppositionellen Labour-Partei, der „Was für eine Inkompetenz! Was für ein gescheitertes Regieren!“ rief und Boris Johnson für alles die Schuld gab.

Patientes estote charta est

Mit dem Komfort von 80 Stimmen Mehrheit bei einer Hand voll Abweichlern dürfte das Brexit-Boris nicht jucken und ansonsten niemanden groß interessieren. Allerdings berichtete der „Telegraf“ von einer „neuen Brexit-Schlacht“. Und heute teilt „Reuters“ (16.9.2020) unter der Überschrift „EU fordert Vertragstreue von Großbritannien bei Brexit-Abkommen“ mit, dass die Christin Ursula von der Leyen als EU-Kommissionschefin „vor schwindenden Chancen auf Abschluss eines Handelsvertrages mit Großbritannien“ und also das VK gewarnt habe.

In London wird darüber, wenn das überhaupt zur Kenntnis genommen wird, nur müde und milde gelächelt. Von der Leyen, Merkel und Macron können noch so sehr auf Verträge verweisen, Papier ist geduldig.

Und das Binnenmarktgesetz der Briten wurde am Montag in zweiter Lesung vom Unterhaus gebilligt. Punkt. Zwar muss das Gesetzt in ein paar Tagen noch das Oberhaus passieren, doch was soll dort schiefgehen? Mit dem neuen Gesetz werden die Briten „das internationales Recht brechen“ wie auch im „Guardian“ (14.9.2020) mitgeteilt wurde.

Mit dem Binnenmarktgesetz würden im von Briten besetzten Norden von Ulster, British Ulster oder auch Nordirland genannt“, keine EU-Zoll-Regeln gelten. Über den Umweg Brüssel würde Dublin von London gezwungen werden, die Republik Irland vom britisch besetzten Ulster abzugrenzen. Alles andere als der Bau einer befestigten Grenze, die selbstverständlich auch überwacht und gesichert werden müsste, ist abwegig. Und selbstverständlich müssten Grenzverletzungen bestraft und nicht belohnt werden, wie es die Merkel-Deutschen machen.

Doch auch als Faustpfand im Kuhhandel mit Macron und Merkel beziehungsweise von der Leyen legt sich Boris Johnson die Karten nach seiner Passion. Er hat halt das piratische Mandat!

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