Historische Binzer Sommerfrische

Zu Beginn der dreitägigen Zeitreise unternehmen die kostümierte Badegesellschaft und die Gäste vor Ort am 29. April einen Ausflug mit einer der ältesten Schmalspurbahnen Deutschlands, dem Rasenden Roland, zum Jagdschloss Granitz und seinem Schinkel-Turm.

Man sieht ihn noch nicht, man hört nur sein Tuten, aber jeder weiß: Gleich kommt er angerast. Nun ja, eher angezuckelt. Den Rasenden Roland gibt es seit 1895, damals nur für den Güterverkehr auf der Ostseeinsel Rügen. Heute befährt er als Touristenzug mit 30 Stundenkilometern die 24,1 km lange Strecke Putbus-Binz-Göhren und zurück im Stundentakt. Der Kleinbahnhof Binz hat sich ebenfalls verändert, sein Restaurant wurde größer, und ein Museum ist hinzugekommen. Genauso schön wie die Fahrt durch das Naturschutzgebiet Granitz, größter Buchenwald Mecklenburg-Vorpommerns, nur durchsetzt von Traubeneichen, ist der Spaziergang durch ebendiesen Wald zum gleichnamigen Jagdschloss.

Es datiert aus dem Jahre 1846, erbaut auf dem 107 Meter hohen Tempelberg durch Malte I. Fürst zu Putbus. Seit 1880 ist das Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich und verzeichnete gleich im ersten Jahr 10.000 Besucher. Dank des Rasenden Roland, der die Gäste hinbringt, sind es 200.000 Besucher im Jahr. Somit ist das Schloss das bestbesuchte Meck-Pomms.

Wer den Schinkel-Turm besteigen will, muss 154 Stufen über eine gusseiserne enge an der Wand klebende Wendeltreppe bewältigen, die auch noch durchschaubar ist. Nichts für Höhenängstliche. Doch der Blick von 145 Höhenmetern über die Insel entschädigt allemal. Und die Damen und Herren in ihren historischen Kostümen sind noch dazu eine Augenweide.

Wenn am 30. April der Startschuss zum traditionellen Anbaden der Binzer Hoteliers und Gäste fällt, traut der Zuschauer seinen Augen kaum. Mutig steigen Hunderte in das acht Grad kalte Wasser der Ostsee. Natürlich werden sie belohnt durch heiße und hochgeistige Getränke.

Historische und literarische Ortsführungen, eine Bademodenschau, Promenadenkonzerte und Vorträge zur Geschichte der Badekultur in Binz bringen Gästen den Badeort näher.

Seit 1884 ist Binz als Badeort anerkannt. Exemplarisch für die traditionelle Bade- und Strandkultur steht die einzigartige Bäderarchitektur, die sich in den prachtvollen Villen entlang der 5,5 km langen Strandpromenade widerspiegelt.

Nur einen Kilometer lang ist die „Promenade der Sinne“. Sie führt um den Schmachter See und kann mit ihren Objekten zum Anfassen, etwa dem Kaleidoskop, durch das man den See in schönsten Spektralfarben sieht, der „Strömung“, die durch Kurbeln verschiedene Strömungsbilder zeigt, und dem „Wasserstrudel“, der durch Drehen der Handkurbel entsteht, Jung und Alt begeistern. Also nichts wie hin!

1318 wurde erstmals ein Fischerdorf Binz erwähnt. Heute zählt Binz bei 6.000 Einwohnern über zwei Millionen Übernachtungen pro Jahr und ist damit das größte Ostseebad Rügens. Insgesamt stehen den Gästen über 13.000 Betten in mehr als 150 Hotels, Pensionen und Appartementhäusern zur Verfügung.

Bei einem Ortsrundgang mit der Stadtführerin Marita Boy hört man lustige Anekdoten. So erfährt man, dass zum Betreten der ersten Seebrücke ein Groschen Brückengeld für Mensch plus Gepäck auf dem Rücken zu entrichten war. Drei Studenten war das zuviel. Also stiegen zwei auf des einen Rücken.

Gar nicht prüde waren die Rüganer 1913 bei einem Auftritt einer bayrischen Nackttänzerin, die aus Bayern fliehen musste. So hieß es lapidar: „Was Bayern stört, uns auf Rügen betört.“

Überliefert ist, dass ein Pastor die Zehn Gebote ins Plattdeutsche übersetzte und das 8. Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ herrlich einkürzte: „…und halt din Schnut.“

Für seine ausgezeichnete Strand- und Wasserqualität erhält das Ostseebad Binz jedes Jahr die Umwelt-Auszeichnung der „Blauen Flagge“.

Zum Abschluss der „Binzer Sommerfrische“ am 1. Mai lassen die Binzer ein klassisches Phänomen im historischen Strandburgenbau um das Jahr 1900 wieder aufleben. Dass es jeden Abend auf dem Kurplatz bei Live-Musik hoch hergeht, versteht sich fast von selbst. 

Aber auch außerhalb der „Sommerfrische“ lädt Binz zu stressfreien Urlaubstagen.

Infos:

Kurverwaltung Ostseebad Binz, Heinrich-Heine-Str. 7, 18609 Ostseebad Binz, Tel. 038393/148148, Fax 0383937148299, E-Mail: info@ostseebad-binz.de, Website: www.ostseebad-binz.de